Forchheim
Geschichte

Notgeld in Forchheim: Rentner aus Buckenhofen erforscht Geldscheine

Josef Hollfelder besitzt eine komplette Sammlung der Papierscheine, die die Stadt Forchheim 1923 als Notgeld drucken ließ.
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Der 83-Jährige aus Buckenhofen fand heraus, wie viel Notgeld die Stadt Forchheim drucken ließ.  Fotos: Ronald Heck
Der 83-Jährige aus Buckenhofen fand heraus, wie viel Notgeld die Stadt Forchheim drucken ließ. Fotos: Ronald Heck
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Vorsichtig zieht Josef Hollfelder den 50-Milliarden-Mark-Schein aus der Klarsichtfolie. Mehrere Jahre war der Rentner auf der Suche, bis er die Serie an historischen Geldscheinen komplett hatte. Der ehemalige Berufsschullehrer sammelt Notgeld aus Forchheim. Auf einer großen Holzwand präsentiert er säuberlich sortiert seine Sammlung: Insgesamt neun Papierscheine ließ die Stadt Forchheim von August bis November 1923 drucken.


Region im Krisenjahr

Die Notgeld-Scheine sind Zeugen eines Krisenjahres, das auch in Forchheim Spuren hinterlassen hat. Damals galoppierte die Inflation im Deutschen Reich. Der Staat war nach dem Ersten Weltkrieg überschuldet und die Regierung ließ immer mehr Geld drucken. Die Geldvermehrung führte dazu, dass die Währung im Laufe des Jahres 1923 rapide an Wert verlor.

In der Region kostete im Juni ein Liter Milch 650 Mark, im August bereits 70 000 Mark und Ende November 140 Milliarden Mark. Die Arbeitnehmer gaben ihren Lohn schnellstmöglich aus, weil die Scheine am nächsten Tag nichts mehr wert waren. Die Reichsbank gab fortlaufend höhere Geldscheine aus und kam mit dem Drucken bald nicht mehr hinterher. Während der Hyperinflation brachten viele Städte eigenes Notgeld heraus - das passierte auch in Forchheim.


Sammlung brauchte zehn Jahre

Auf die historischen Geldscheine ist Josef Hollfelder bei Tauschbörsen aufmerksam geworden. Der 83-Jährige ist Philatelist, das bedeutet, dass er Briefmarken und historische Post sammelt. Bei einer der Philatelisten-Veranstaltungen hat er seinen ersten Papierschein aus Forchheim entdeckt.

"Und wenn man einen hat, dann will man den zweiten oder dritten auch", erinnert er sich. Um seine Forchheimer Geldschein-Sammlung zusammenzutragen, brauchte er zehn Jahre. "Wahrscheinlich ist es heute gar nicht mehr möglich", sagt der Rentner.


Stöbern im Stadtarchiv

Doch er sammelt die Scheine nicht nur: Josef Hollfelder hat im Stadtarchiv gewälzt und die Geschichte des Forchheimer Notgeldes erforscht.

In einem Beschluss des Stadtrates vom 14. August 1923 hat er herausgefunden, wie es dazu kam. Vertreter der Großindustrie aus Forchheim baten die Stadt darum, Notgeld drucken zu lassen. Die Arbeitgeber hätten ihre Belegschaft nicht mehr auszahlen können und drängten die Stadträte zum Handeln, erläutert Hollfelder. "Da sonst ernste Unruhen enstehen könnten", steht in dem Beschluss.

Beim Reichsfinanzminister und dem Staatsministerium des Innern wurde somit beantragt, zehn Milliarden Mark Notgeld ausgeben zu lassen. Der Stadtrat stimmte zu und beauftragte die beiden Forchheimer Buchdruckereien Streit und Gürtler, die Scheine anfertigen zu lassen.

In Dokumenten und historischen Tageszeitungen hat Hollfelder erforscht, wie viel Notgeld die Stadt Forchheim in den folgenden Monaten drucken ließ. "Das habe ich mühsam zusammengetragen", erläutert er. Demnach waren es am 31. August 70 Milliarden, am 30. Oktober 500 Billionen, am 13. November eine Billiarde und am 27. November zwölf Billiarden.


Sprüche auf dem Geld

Die Geldnoten tragen ein Wasserzeichen, dadurch sollen Fälschungen verhindert werden. Zudem ist auf allen Papierscheinen die Unterschrift des damaligen Bürgermeisters Hans Knorr (von 1920 bis 1930) zu lesen.
Auf manchen sind außerdem Sprüche gedruckt. "Die gefallen mir besonders gut", sagt Josef Hollfelder.

Auf der Rückseite seines 50-Milliarden-Mark-Scheines steht geschrieben: "Wie in Forchheim's uraltem Eichenwald der Herbststurm die Blätter verwehet, so fliegt das Notgeld ins deutsche Land, ist bald nicht mehr als ein leerer Tand, Erinnerung trauriger Zeiten. Herrgott, mögst ein Ende bereiten!"

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