Forchheim
Sachstandsbericht

Noch vieles offen bei Ostspange Forchheim

Über den aktuellen Stand der Planungen für die östliche Umfahrung von Forchheim informierte Stefan Arneth vom Straßenbauamt im Bauausschuss des Kreises
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An der geplanten Talquerung zwischen dem Wiesenthauer Bahnhof und Reuth demonstrieren Landwirte unübersehbar, was sie von der Ostspange halten. Foto: Andreas Oswald
An der geplanten Talquerung zwischen dem Wiesenthauer Bahnhof und Reuth demonstrieren Landwirte unübersehbar, was sie von der Ostspange halten. Foto: Andreas Oswald

Die Emotionen kochten hoch bei den Mitgliedern des Kreisbauausschusses beim Sachstandsbericht zur Ostspange - obwohl Stefan Arneth, der seit zwei Jahren die Planungsabteilung des staatlichen Bauamtes Bamberg leitet, nicht viel Neues im Gepäck hatte.

Arneth, der mit seinem Lagebericht dem Wunsch des Kreistages gefolgt war, machte gleich eingangs klar: "Sie dürfen von mir keine Wunder und neue Erkenntnisse erwarten", denn der Bundesstraßenbedarfsplan, in dem das Projekt aufgenommen sei, sei erst seit 2016 in Kraft.

Verfahren lang, Personal knapp

Man sei im Straßenbauamt nicht untätig, betonte Arneth. Der Planungsamtsleiter machte jedoch auch deutlich, dass die Schaffenskraft durch den generellen Mangel von Ingenieuren am Arbeitsmarkt begrenzt sei.

Ein weiterer Grund für die Dauer eines solchen Projektes liege sprichwörtlich in der "Natur" der Sache: Bei der Vergabe von naturschutzfachlichen Untersuchungen brauche es beispielsweise ein ganze Vegetationsperiode.

Man benötige eine Umweltverträglichkeitsstudie mit Variantenuntersuchungen und danach ein sogenanntes Linienbestimmungsverfahren beim Bundesverkehrsministerium.

Verkehrsuntersuchung läuft

Aktuell befinde man sich bei der Fortschreibung der Verkehrsuntersuchung, erläuterte Stefan Arneth.

Durch die vielen Bautätigkeiten in und um Forchheim, mit den einhergehenden Behinderungen, sei es jedoch schwierig, ein reales Bild des Verkehrsflusses zu gewinnen. Man untersuche auch, ob eine Verbesserung der Bahnverbindungen Auswirkungen auf den Straßenverkehr haben würden.

Der Planungsleiter des staatlichen Bauamtes betonte, dass man auch prüfe, ob ein vierspuriges Teilstück überhaupt erforderlich sei. "Sie können beruhigt sein: Wir bauen nicht größer als nötig", versicherte Stefan Arneth. Am 19. Oktober gehe es bei einem "Scoping-Termin" um den Naturschutz, kündigte der Planungsamtsleiter an. Unter Scoping versteht man die Untersuchungen über die Auswirkungen eines Projektes auf die Umwelt - was in der EU gesetzlich vorgeschrieben ist. Hierbei wird zunächst der genaue Untersuchungsrahmen festgelegt.

2019 werden die Naturschutzfachlichen Untersuchungen vergeben."Das fängt an mit dem Eidechsenzählen", verbildlichte es Stefan Arneth - worauf aus den Reihen des Bauausschusses ein "Oje"-Gestöhne zu vernehmen war.

2020 erfolge eine Umweltverträglichkeitsstudie mit Variantenuntersuchungen und danach, so erklärte der Planungsleiter, schließe sich ein Linienbestimmungsverfahren beim Bundesverkehrsministerium an.

Laut Arneth befinde man sich in der Voruntersuchung "und irgendwann hoffentlich in der Ausführungsplanung", wie er ergänzte. Es gebe nach wie vor sechs verschiedene Varianten, betonte der Planungsleiter und erklärte "wir haben seitdem auch nichts daran gemacht". Im Verkehrswegeplan angemeldet sei eine "Vorzugslinie".

Knackpunkt ist die Bahnlinie

"Wir müssen über die Bahnlinie rüber", dies sei der ganz große Knackpunkt, erläuterte Stefan Arnth. Da bewege man sich in einer Höhe von rund sieben Metern über dem Schienenbereich. Ansonsten versuche man geländenah zu trassieren - die Talquerung verlaufe auf einem Damm.

Im Westen nichts Neues

Auch an der "West-Front" gibt's nicht Neues. Für Wimmelbach und Oesdorf seien die Ortsumgehungen angemeldet, berichtete Arneth. Möglicherweise gebe es auch eine "gemeinsame Ortsumgehung", aber da müssten die beiden Gemeinden an einem Strang ziehen.

Auf die Frage von Kreisrat Edwin Dippacher (CSU), wann Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung zu erwarten seien, erklärt Arneth, dass die Daten erst noch genau abgeprüft werden müssten.

Ergebnisse werde es erst nächstes Jahr geben. An einen Spatenstich sei vor zehn Jahren nicht zu denken.

Verbaler Schlagabtausch

Es gehe darum, die Planungen zügig weiterzuführen, plädierte Kreisrat Eduard Nöth (CSU). Dabei ging er sogleich mit dem neuen Ratskollegen Heinrich Kattenbeck hart ins Gericht. Nöth erinnerte den Nachrücker der Wählerinitiative Landkreis Forchheim daran, dass es für einen Politiker vier Kardinaltugenden gebe: "Eine davon heißt Mäßigung" - das gelte auch für verbale Äußerungen, belehrte er den streitbaren Kattenbeck. Edith Fießer von den Grünen äußerte Unverständnis, "wie die Menschen zusehen sollen, wie hier das Wiesenttal zerstört wir". Ihr Kollege Karl Waldmann beschwor die Klima-Katastrophe:Wie viele Hitzesommer solle es noch geben - wie viele Überschwemmungen, wie in Heroldsbach, wolle man noch erleben? Statt Straßen zu bauen sollte man lieber darüber nachdenken, wie man den ÖPNV verbessern könne. Sebastian Körber (FDP) empörte sich über die ideologischen Schlagworte und den "erzieherischen Ton" der Grünen. Man dürfe nicht leichtfertig von "Monstertrasse" sprechen. Reinhold Otzelberger (SPD) erklärte, dass es keinen Anlass gebe an den Erhebungen der Planer zu zweifeln. Es gebe bei dem Projekt durchaus noch Gestaltungsspielraum. Otzelberger betonte, dass sich der ÖPNV in der hiesigen Region nicht mit dem Individualverkehr in Vergleich setzen lasse. Bei einem "Selbstversuch" habe er auf einer Busfahrt in die Fränkische erlebt, wie überschaubar die Fahrgastzahl sei. Viele seien auf ihr Auto angewiesen und nicht jeder könne sich ein E-Mobil leisten.

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