Oesdorf
Jagd

Nikolausjagd steht erstmals unter Polizeischutz

65 Wildschweine und 35 Rehe sind die amtlichen Abschusszahlen der Nikolausjagd der Bayerischen Staatsforsten bei Oesdorf und Wimmelbach.
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Polizisten sichern die Veranstaltung ab. Foto:     Alexander Hitschfel
Polizisten sichern die Veranstaltung ab. Foto: Alexander Hitschfel
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Der Verkauf des erlegten Wildes - rund zwei Tonnen - beträgt rund 8000 Euro. Organisator und Revierförster Erich Daum konnte am Ende des Tages auf eine reibungslose Veranstaltung zurückblicken, die in diesem Jahr aber erstmals durch einen Polizeieinsatz abgesichert werden musste.

Es ist Samstagnachmittag: Ein bisschen sieht der Parkplatz vor dem Sportgelände der DJK Wimmelbach aus wie ein riesengroßer Schlachthof; es riecht nach Blut und Innereien; ein nicht unbedingt schöner Anblick, aber eine laut Forstwirtschaft notwendige Aktion.

Auto für Auto rollt am Nachmittag an, auf den Ladeflächen der jeweiligen Anhänger werden die erlegten Wildschweine und Rehe herantransportiert, durch Helfer abgeladen und mit großen Metallhaken an Traktorengestellen aufgehängt. Danach schlägt die Stunde der Veterinäre des Forchheimer Landratsamtes, die von jedem erlegten Tier, welches feinsäuberlich mit einer Nummer registriert wurde, verschiedene Proben entnehmen.


Es geht ganz schnell

Dann geht alles ganz schnell. Die aufgehängten Tiere werden durch Schlächter und Metzger fachmännisch "aufgebrochen", was soviel bedeutet, wie mit einem Messer aufgeschlitzt und die Organe entnommen; danach werden sie gewogen. Es ist Fließbandarbeit.

Am Ende sind es 65 Wildschweine und 35 Rehe. Die Oesdorfer Nikolausjagd hatte rund 200 Jäger aus nah und fern angelockt. Sie ist damit die größte Jagdveranstaltung im Landkreis Forchheim.

Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz von den Bayerischen Staatsforsten ist zufrieden mit dem Verlauf. "Revierförster Erich Daum hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet", lobt Keilholz. Nicht umsonst habe eine Fachzeitschrift Daum in einem Artikel zuletzt als "Walddiplomat" bezeichnet.

Keilholz wird nicht müde zu betonen, wie wichtig solche Jagden für die Natur seien. Denn Wildschwein und Co. würden immer wieder große Schäden an Wald und Flur anrichten. Außerdem gelte es aktuell auch darum, die Schwarzkittelbestände wegen der Gefahr des Einschleppens der Afrikanischen Schweinepest geringer zu halten, erläuterte der Forstbetriebsleiter.


Ähnliche Jagd am Auerberg

Erst wenige Tage vor der Nikolausjagd in der Unteren Mark fand rund um den Auerberg (Bereich Serlbach und Bammersdorf) eine Jagd statt. Hier habe man auf 330 Hektar 68 Wildschweine geschossen. Die bei beiden Jagden relativ hohen Abschusszahlen zeigten, dass es jede Menge Wild in den Wäldern geben würde, meint Keilholz.

Am Ende sind es in Summe fast zwei Tonnen Wildfleisch, die das Bayerische Staatsforsten gleich ab Strecke verkauft. Der Preis für ein Kilo Wildschweinfleisch liegt bei 2,50 Euro; bei Abholung im Forstrevier bei 3,80 Euro. Für Rehe werden fünf Euro je Kilogramm ab Strecke und sechs Euro bei Abholung ab Forstrevier verlangt. Rund 8000 Euro hat die Nikolausjagd innerhalb von nur wenigen Stunden in die Kassen der Bayerischen Staatsforsten gespült.

Natürlich habe man auch jede Menge Ausgaben für die Organisation einer solchen Großveranstaltung, erklärt Keilholz - nicht zuletzt die Hochsitze, die eigens für die Jagd aufgebaut werden müssen.

Aus Ehrfurcht vor den erlegten Tieren wurde auch - so will es die Jägertradition - die Strecke durch anwesende Waldhornbläser "verblasen".

Die Großveranstaltung stand erstmals unter Polizeischutz. Warum das? Nach einer Zeitungsberichterstattung über eine Jagd am Edelmannsberg Anfang des Jahres 2017 stand Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz in der öffentlichen Kritik. Angeblich sollen die vereinbarten Abschusszahlen deutlich überschritten worden seien.

Bayerns Jägerpräsident Jürgen Vocke hatte im August in einem Zeitungsbericht der Augsburger Allgemeinen die Drückjagd auf Rehe, bei denen das Wild mit Hunden den Schützen zugetrieben wird, als generell für nicht akzeptabel bezeichnet. "Die Art und Weise, wie gejagt wird, ist dreist", sagte damals Vocke im Interview - gerade im Winter, wenn sich das Wild in einer Notzeit befinde. Gegen gleich mehrere Verantwortliche wurden Strafanzeigen erstattet; auch personelle Konsequenzen wurden gefordert.

Nach der Zeitungsberichterstattung über die Jagd am Edelmannsberg seien gegen beide anonyme Drohbriefe eingegangen, berichteten Daum und Keilholz übereinstimmend. Die Polizei nahm die Drohungen ernst und stellte eine Polizeistreife ab, die die Veranstaltung absicherte. Die Abschusszahlen der Nikolausjagd in Oesdorf würden dazu beitragen, den aufgestellten Abschussplan zu erfüllen, erklärte Daum.

Den früheren Bericht finden Sie hier.
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