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Ausbildung

NGG fordert bessere Job-Perspektiven für Forchheimer Gastronomie-Azubis

In Bayern arbeiten 362 000 Menschen in befristeten Beschäftigungsverhältnissen. Besonders Berufseinsteiger sind betroffen. Im Kreis Forchheim gibt es 480 neue Azubis.
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Besonders in der Gastronomie gibt es  sehr viele befristete Beschäftigungsverhältnisse. Das kritisiert die Gewerkschaft NGG. Archiv, dpa
Besonders in der Gastronomie gibt es sehr viele befristete Beschäftigungsverhältnisse. Das kritisiert die Gewerkschaft NGG. Archiv, dpa

Ausbildungsvertrag in der Hand, aber was kommt danach? Im Landkreis Forchheim können sich derzeit rund 480 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahrs. Damit die Karriere auch nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger.

Eine große Hürde nach der Ausbildung, so die NGG, sei jedoch der Trend zum Job auf Zeit - zur Befristung. Solche "Arbeitsplätze mit Verfallsdatum" seien nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet. Hier seien bundesweit knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet.

Ähnlich sehe es bei den Neueinstellungen aus: Hier zähle die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten seien diese Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe. Dort sind laut IAB 35 Prozent aller Übernahmen befristet.

Michael Grundl, Geschäftsführer der NGG-Region Oberfranken, spricht von einer "Unternehmer-Unsitte": Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. "Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag", betont Grundl.

Dass Berufseinsteiger besonders betroffen seien, zeige auch die amtliche Statistik. So waren in Bayern im vergangenen Jahr zwölf Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt - Azubis nicht mitgerechnet. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor. Danach hatten insgesamt 362 000 Bayern lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag - das ist immerhin jeder 17. Beschäftigte.

Auf Unternehmer, die darüber klagen, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, reagiert Grundl mit einem Kopfschütteln: "Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schulabgänger woanders umsehen." Spezialisten von morgen gewinne man nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven, so der Gewerkschafter.

Befristungen sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein. Zu den wirklich zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung. "In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08/15-Prinzip zu tun. Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis", betont Grundl. Das Bundesarbeitsministerium plane zwar, solche Arbeitsverhältnisse einzudämmen.

Befristungen ohne Sachgrund sollen danach auf 18 Monate begrenzt werden und maximal 2,5 Prozent der Belegschaft betreffen. Allerdings wären nach aktuellem Stand Betriebe mit weniger als 75 Beschäftigten vom Gesetz ausgenommen. "Ein Großteil der Beschäftigten im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk hätte davon praktisch nichts", kritisiert die Gewerkschaft und fordert daher ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung. Dieses soll unabhängig von der Betriebsgröße gelten.

Darüber hinaus fordert die NGG eine Aufwertung der Berufsausbildung. "Es sollte auch mit dem Gesellenbrief möglich sein, an der Hochschule zu studieren", sagt Grundl. Bisher gibt es die Hochschulreife nur mit dem Abitur. "Viele Branchen wandeln sich mit der Digitalisierung rasant. Das bringt ganz neue Anforderungen an Fachkräfte. Ein Studium nach der Lehre kann enorm helfen, sich für die Wirtschaft 4.0 zu wappnen", schließt der Gewerkschafter.

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