Ahorntal
Mittelaltermarkt

Neulinge und alte Haudegen auf Burg Rabenstein

Am Mittelaltermarkt auf Burg Rabenstein nahmen als Aktive einige Neulinge, aber auch viele Altgediente in zeitgenössischer Kleidung teil.
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Sie spielen die historisch nachgewiesenen Feldschlacht zwischen den  Truppen König Heinrichs und Hezilos von Schweinfurt  nach.   Foto: Thomas Weichert
Sie spielen die historisch nachgewiesenen Feldschlacht zwischen den Truppen König Heinrichs und Hezilos von Schweinfurt nach. Foto: Thomas Weichert
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Auch der zweite Markt in diesem Jahr stand ganz im Zeichen des Jubiläums "20 Jahre Mittelaltermärkte auf Burg Rabenstein" und war am Wochenende mit vielen Tausenden Besuchern ein voller Erfolg. Auch das Wetter spielte mit: nicht zu heiß, nicht zu kalt und vor allem kein Regen. Dicht gedrängt stehen die Schaulustigen um die Turnierwiese, um die historisch nachempfundene Feldschlacht zwischen den Truppen König Heinrichs II. und Hezilos von Schweinfurt mitzuerleben. Eine Sprecherin und ein Sprecher geben dabei auch Geschichtsunterricht, wie sich diese Feldschlacht nach der Überlieferung zugetragen haben soll. In die Geschichte ging dies als "Schweinfurter Fehde" ein, aus der König Heinrich II. als Sieger hervorging. Jedenfalls ist die Feldschlacht, bei der sogar Brandpfeile zum Einsatz kamen, immer einer der Höhepunkte des mittelalterlichen Treibens auf Burg Rabenstein.

Drechsler aus Nabburg

Georg Graf stört dies aber nicht. Seit 17 Jahren kommt der Drechsler aus Nabburg zu den Mittelaltermärkten auf Burg Rabenstein. Das Drechseln hat er sich vor 40 Jahren selbst beigebracht, inzwischen hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und reist mit seinem Stand von Markt zu Markt. "Auf Burg Rabenstein ist das Geschäft immer gut", sagt Graf, der historische Trink- und Kochgefäße aus Holz und vieles mehr herstellt. Die Mitglieder der Mittelaltergruppe "Quad-Combied" - Roy Hardy, Bilgi Hofer und Marcel Pajonk aus dem Augsburger Raum - besuchen verkleidet als russische Wikinger aus dem zwölften Jahrhundert erstmals den Markt und zeigten sich begeistert. "Es ist sehr schön hier und vom Eintritt her günstig, weil Gewandete für das ganze Wochenende nur zehn Euro zahlen", sagt Hardy, der neben einem Wikinger auch einen Schotten oder einen Ritter darstellt. Für Marcel Pajonk ist der Markt sehr informativ und authentisch: "Die Mittelaltergruppen führen viel vor und sind sehr offen für die Gäste", sagt Pajonk. Einzige Kritik: Die Musik bei der Feuershow sei viel zu laut gewesen.

Aus Schrobenhausen

"Sjot Cidskjalf" nennt sich eine Mittelaltergruppe aus Schrobenhausen und Umgebung, die die Sippe von Odins Thron darstellt und seit drei Jahren keinen Markt mehr auf Burg Rabenstein verpasst. Die Mitglieder schlüpfen für ein Wochenende in eine andere Rolle. Deshalb nennt sich Christine Wolf nun Ida Karlsdothir. Sie ist auch für das Wäschewaschen zuständig und schätzt die familiäre Atmosphäre unter den Lagergruppen. Dörk Poulson ist auch ein Künstlername. Er schnitzt Löffel und gießt Bronze. "Schließlich sind wir eine Wikinger-Handwerkergruppe, die alles für ihren persönlichen Bedarf selbst herstellt", sagt Poulson. Deshalb haben sie auch einen Schmid mit funktionsfähiger Feldschmiede dabei. Der Schmid nennt sich Jonas Böck, was auch sein richtiger Name ist.

Die "Sturmfalken"

Die Mitglieder der Gruppe "Sturmfalken" aus aus der Nähe von Ansbach besuchen mit ihren Ritterrüstungen zum ersten Mal den Markt. Sie stellen einen reisenden Händler aus dem 14. Jahrhundert mit seinen Söldnern dar. Der Söldner, der im richtigen Leben Colin Skumautz heißt, erklärt, dass alles bei einem Heavy-Metal-Festival in Feuchtwangen angefangen habe, als es dort auch einen Mittelaltermarkt gab. Einer seiner Freunde kaufte sich erst einen Pelz, dann ein Schwert und zuletzt eine ganze Rüstung. Somit waren die "Sturmfalken" geboren, die inzwischen über zehn Leute sind. Isolde Nürbauer aus Waldsassen kommt mit ihrem Mann, der Schreiner ist, mit ihrer Brettchenweberei, mit der sie Stoffgürtel und Kleiderträger herstellt, schon seit zehn Jahren zu den Märkten auf Burg Rabenstein. "Uns gefällt's hier immer, und das Publikum ist sehr interessiert", sagt Nürbauer. Leonie Gebhardt aus Nürnberg ist so eine Kundin, die es toll findet, dass sie von Isolde Nürbauer gleich im Weben unterrichtet wird. Solche Brettchenwebrahmen gab es auch schon im Mittelalter. "Das Weben damals war sehr aufwendig und dementsprechend nur für exklusive Kundschaft", erklärt Nürbauer, die diese Kunst einst auf einem Mittelaltermarkt gesehen hatte und sich das Weben dann selbst beibrachte. Erstmals zu Besuch auf dem Mittelaltermarkt auf Burg Rabenstein waren zwei Charaktere namens "Arktik Biest" und "Wolfzahn" der Gruppe "Zwei Freunde auf 2 Pfoten" mit St. Martin. Dies ist eine bunte Truppe aus Franken, Bayern und Thüringen, deren Mitglieder ihre Freizeit dazu nutzen, anderen eine Freude mit dem Darstellen von Fantasietieren zu bereiten. Erstmals beim Mittelaltermarkt sehr zur Freude der Kinder dabei war auch eine historisch nachempfundene Schiffschaukel im Wikinger-Stil. Für mittelalterliche Klänge zur Unterhaltung der vielen Besucher sorgten die Spielleut' der Gruppe "Scherbelhaufen", die seit Frühjahr 2018 mit neuer Besetzung auf Tour sind und die aus Halle an der Saale kommen. Zum festen Bestandteil des umfangreichen Programms hingegen gehört schon der Gaukler "Oscar", der vor allem die Kinder lustig unterhält.

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