Forchheim
Einweihung

Neues Pflegezentrum in Forchheim für 95 Demenzkranke

Das Kompetenzzentrum Beraten, Wohnen, Pflegen der Diakonie Neuendettelsau auf dem Gelände des ehemaligen Sattlertor-Kindergartens in Forchheim erhielt den liturgischen Segen. Hier ist Platz für 95 Menschen mit Demenz.
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Projektleiter Richard Winkler überreichte den symbolischen Schlüssel an den Leiter der Einrichtung, Johannes Kraus (rechts). Foto: Josef Hofbauer
Projektleiter Richard Winkler überreichte den symbolischen Schlüssel an den Leiter der Einrichtung, Johannes Kraus (rechts). Foto: Josef Hofbauer
Ein Leuchtturmprojekt für Menschen mit Demenz nannte Professor Hermann Schoenauer, Rektor der Diakonie Neuendettelsau, das Kompetenzzentrum Beraten, Wohnen, Pflegen, das die Einrichtung mit einem Aufwand von 18 Millionen auf dem Gelände des ehemaligen Sattlertor-Kindergartens in Forchheim errichtet hat. 2,9 Millionen steuerte dazu die Robert-Pfleger-Stiftung in Bamberg bei, 900.000 Euro kamen von der Bayerischen Landesstiftung und die Deutsche Fernsehlotterie trug 276.000 Euro bei.

Das von Architekt Eckhard Feddersen (Berlin) entworfene Gebäude des Kompetenzzentrums orientiert sich an den neuesten Forschungen und Erkenntnissen in der Pflege und Behandlung von Menschen mit Demenz.
In drei hellen, architektonisch anspruchsvoll gestalteten Gebäudeteilen entstand Raum für 95 Menschen mit Demenz; die meisten von ihnen wohnen in Einzelzimmern.

Den Bedürfnissen angepasst

Die Bewohner leben in kleinen Wohnstrukturen mit jeweils zwölf Plätzen, die für die Mitarbeitenden in einer größeren Organisationseinheit verbunden sind. Die Bereiche sind den unterschiedlichen Lebensstilen der Bewohner entsprechend gestaltet, der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen soll dabei im Mittelpunkt stehen. "Wir gehen nicht von einem defizitorientierten Menschen aus, sondern setzen an den Kompetenzen an, die der Bewohner hat", erklärte Schönauer. Zur Unterstützung der Orientierung sind die Wohnbereiche und Etagen durch spezifische Farbkonzepte, Form- und Materialauswahl differenziert. "Durch die Licht- und Farbgestaltung und das Zusammenleben in überschaubaren Einheiten sollen Gefühle der Fremdheit, Angst und Unsicherheit vermieden, zumindest aber gemildert werden", unterstrich Schönauer.

Ein klar strukturierter Tagesablauf soll Halt geben. Mahlzeiten und aktivierende Angebote wie Gedächtnistraining, Gymnastik, basale Stimulation, Angebote mit Musik oder Tieren, jahreszeitliche Orientierungshilfen, kreatives Gestalten und Feiern sollen dafür sorgen, dass sich die Bewohner hier bald zuhause fühlen. "Mögen Menschen, die an Demenz erkranken, langsam das Bewusstsein ihrer Identität verlieren, aber die Würde verlieren sie nicht. Sie bleiben Geschöpfe Gottes", unterstrich Schoenauer, ehe er dem Gebäude den liturgischen Segen erteilte.

Wie notwendig die Einrichtung ist, unterstrich Rainer Drewello, Vorsitzender der Robert-Pfleger-Stiftung, der daran erinnerte, dass es in Deutschland 1,4 Millionen Menschen gibt, die an Demenz erkrankt sind. Heruntergerechnet auf den Landkreis Forchheim mit gut 100.000 Einwohner bedeute dies 1600 Demenz-Fälle. "Aber nur für 95 dieser Menschen haben wir hier Platz", bedauerte Drewello.

Ministerialrat Andreas Ellmaier unterstrich den bundesweiten Vorbildcharakter der Einrichtung. Die Konzentration auf körperliche Pflege werde dem Krankheitsbild Demenz nicht gerecht. So müsse das politische Ziel eine Pflege sein, die Zeit hat für den Patienten.

Oberbürgermeister Franz Stumpf (WUO/CSU) hob die "städtebauliche Meisterleistung" hervor, den Gebäudetrakt so hervorragend zu integrieren. Die Einrichtung erhöhe die Vielfalt des Angebotes und sei dringend notwendig.

Architekt Eckhardt Feddersen verdeutlichte: "Kein Schwein will in ein Heim. Deshalb haben wir vieles anders, vieles schöner und richtiger gemacht als anderswo." Die Art wie die Dreier-Wohngruppen zusammengefasst sind, gebe es sonst nirgends. "Die Leute werden kommen und mit den Augen klauen", prophezeite Feddersen. Er konstatierte: " Hier wurde ein Zentrum geschaffen, das viele Menschen attraktiv finden werden, die nicht in ein Heim wollen."
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