Forchheim
Aufbruchstimmung

Neues Management und neues Fest in Forchheim

Kaum ist sie da, schon scheint Elena Büttner unabkömmlich. Die Stadträte feierten die neue Forchheimer Citymanagerin für ihre erste Bilanz, für ihre Pläne und für ein Fest mit einem allerdings umstrittenen Namen.
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Beim Altstadtfest 2016 schien die Sonne. Beim "Anstatt-Fest" 2018 hatten die Organisatoren weniger Glück mit dem Wetter.  Foto: Hofbauer/Archiv
Beim Altstadtfest 2016 schien die Sonne. Beim "Anstatt-Fest" 2018 hatten die Organisatoren weniger Glück mit dem Wetter. Foto: Hofbauer/Archiv
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Erst acht Monate ist Elena Büttner in der Stadt. Und die Stimmen, die sie nicht mehr missen möchten, mehren sich. Effizienz und Ideenreichtum, gepaart mit Charme und der Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, das scheint das Erfolgsrezept der neuen City-Managerin zu sein. Als sie am Donnerstag den Stadträten im Haupt- und Kulturausschuss ihre erste Bilanz vorlegte und auch gleich die ehrgeizigen Digitalisierungspläne für das kommende Jahr, da konnte sich Elena Büttner vor Lob kaum noch retten.

Zufälligerweise fiel der Arbeitsbeginn der Citymanagerin in jene Zeit, als das traditionelle Altstadtfest platzte. Dass es Elena Büttner dann kurzerhand gelang, ein Anstatt-Fest zu organisieren, war gleich der erste große Wurf ihrer jungen Karriere.

Aber nicht nur wegen des gelungenen Anstatt-Festes bezeichnete Manfred Hümmer (FW) die Citymanagerin als "Missing Link" bei der Stadtgestaltung. Dank ihrer "integrativen Begabung" und ihres Ideenreichtums habe sie schon jetzt die in sie gesetzten Erwartungen weit übertroffen, lobte Hümmer.

Hoch angerechnet wird Elena Büttner von den Stadträten vor allem, dass es ihr gelungen sei, die gespaltene Händlerszene in einem Verein zusammenzuführen. Begeisterung rief am Donnerstag auch ihr Konzept für eine digitalisierte Einkaufsstadt hervor; die Citymanagerin versprach, dieses Konzept mit Hilfe von Fördermitteln in Forchheim umzusetzen.

Mithilfe von "digitalen Streetworkern" soll die Online-Präsenz in den Läden verbessert werden. Ein Coaching der Einzelhändler werde dazu beitragen, deren "Findungsgrad" zu erhöhen. Zudem hat die Citymanagerin eine Aufwertung der beiden Innenstadt-Parkhäuser im Blick. "Eine digitales Leitsystem kann zeigen, wie viele Plätze in den Parkhäusern noch frei sind. Das reduziert auch den Verkehr", erklärte Büttner. Zum Service für die Kunden soll es dann auch gehören, dass die digitalen Hinweise auf die Parkplätze mit der Homepage der Stadt verknüpft werden.

Gespräche mit den Stadtwerken habe sie bereits geführt; so könnte künftig wohl auch die Brötchentaste (kostenloses Parken für eine halbe Stunde) in den Parkhäusern möglich sein. Die Liste der Projekte, die Forchheim nach vorne bringen sollen, ist lang: WLAN erweitern, etwa in die Hornschuchallee hinein; Handy-Parken; digitale Kundenbindung durch Rabatt-Aktionen via Smartphone; virtuelle Stadtrundgänge, ein Forchheim-Werbe-Film auf YouTube. Insgesamt sollen rund 66 000 Euro in das digitalisierte Forchheimer Handelszentrum fließen, die Hälfte davon staatlich gefördert.

Es sei fast so, als habe die Citymanagerin "eine Hecke aufgebrochen und Forchheim aus dem Dornröschenschlaf erweckt", stellte Edith Fießer (FGL) erstaunt fest. Schwer vorstellbar, woher Elena Büttner die Kraft für die vielen Aufgaben nehme.

Auch Udo Schönfelder betonte, "nur Gutes über Sie" gehört zu haben. Der CSU-Fraktionsvorsitzende bezeichnete Büttner als "Schnittstellenarbeiterin" zwischen Citymanagement, Tourismus und Kulturbetrieb. Eines blieb für Schönfelder aber noch offen - "eine ehrliche Leerstands-Analyse". Die wünsche er sich für 2019. Ehrlich insofern, weil auch "kaschierte Leerstände" mit in die Betrachtung einbezogen werden sollten.

Provokation und Bauchschmerz

Ein Galeriewochenende ("und andere kurzfristige Maßnahmen") kündigte Elena Büttner an, um den Leerstand der Geschäfte zu bekämpfen. Unabhängig vom Ausgang dieses Kampfes bestätigte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) bereits jetzt eine "ordentliche Leistungsbilanz". Erstaunlich sei sie auch deshalb, "weil es ein kaltes Wasser war, in das wir Sie geschmissen haben", meinte Kirschstein.

Für Aufsehen sorgte Elena Büttner schließlich noch mit dem Namen "Mauerscheißer-Fest". Unter diesem Titel könnte (nach einer ersten Namensfindungsrunde unter Händlern) das nächste Altstadtfest veranstaltet werden. Es wird 2019 vier Tage lang gefeiert, vom 30. Mai bis zum 2. Juni. Mit dem neuen Termin gehe man künftigen Fußball-Terminen bei Europa- und Weltmeisterschaften aus dem Weg. Der Name Mauerscheißer-Fest passe zur Geschichte Forchheims und sei geeignet, marketingtechnisch aufhorchen zu lassen, meinte die Citymanagerin. "Bauchschmerzen" dagegen bereitete Thomas Werner (CSU) oder auch Edith Fießer (FGL) der Name. Werner regte einen Wettbewerb an, um einen anderen Titel für das Fest zu finden; über den sich die Bürger dann auch mit dem Fest identifizieren könnten.

Paul Nerb (FBF) dagegen erfreute sich an dem unkonventionellen Vorschlag. Auch OB Uwe Kirschstein (SPD) und Sebastian Platzek (FDP) fanden Gefallen an der Vorstellung eines Mauerscheißer-Festes.



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