Forchheim
Literatur

Neues Buch über die Biertradition in Forchheim

Heimatforscher Reinhold Glas hat ein neues Buch über die Geschichte der Schankstätten, Brauereien und Felsenkeller in Forchheim verfasst.
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Blockhaus des Greif-Kellers - aus dem Fenster blickt Georg Greif, dessen Erbauer und Gründer der Brauerei Greif (1906) Repro: Harald Schmidt
Blockhaus des Greif-Kellers - aus dem Fenster blickt Georg Greif, dessen Erbauer und Gründer der Brauerei Greif (1906) Repro: Harald Schmidt
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Über die Forchheimer Keller wie über einzelne Gasthäuser der Stadt hat Reinhold Glas schon früher gearbeitet und auch Vorträge gehalten; jetzt hat er nicht nur das bisher Erforschte zusammengefasst, sondern das Thema erweitert. Mit Geduld, Sorgfalt und Akribie hat er auf der Basis von Archivalien ein Buch zusammengestellt mit dem Titel "Biertradition in Forchheim", Untertitel "Zur Geschichte der Schankstätten, Brauereien und Felsenkeller". Am Montag, 23. September, wird das Werk auf dem Schindler-Keller vorgestellt.

Es geht laut Inhaltsverzeichnis auf über 400 Seiten zunächst allgemein um "Das Bier- und Brauwesen in der Stadt" von den frühesten Nachweisen seit dem 14. Jahrhundert bis zur gegenwärtigen Situation, weiter um "Die Schank- und Braustätten" sowie um "Die Felsenkeller und ihre Schankstätten". Es wird auf "Die Büttner- und Brauerzunft" eingegangen sowie auf "Die Büttner- und Brauerfamilien".

Unterhaltsame Geschichten

Sehr unterhaltsam sind die spannenden oder lustigen "Geschichten rund um Wirtshäuser und Felsenkeller"; die Darstellungen der vielen verschiedenen "Bierkrüge und Bierdeckel" runden den überaus informativen Forschungsbericht zu diesem für Forchheim so typischen Thema ab.

Überhaupt machen die vielen und ganz unterschiedlichen Illustrationen (alte Fotos, Kupferstiche und Diagramme) schon das Blättern in dem Buch zum Genuss. Reinhold Glas war immer wieder - wie auch schon für seine früheren Forchheim-Bücher - in den Pfarr-, Stadt- und Staatsarchiven und hat historische Belege zum Teil sehr mühsam zusammengesucht und manche aufgrund des geschulten Auges gefunden wie etwa Angaben zu den Bierpreisen in Forchheim zu alten Zeiten.

Geläufige Namen

Wenn man heute, besonders in der Innenstadt, an den Gasthäusern vorbeigeht, sind zumindest den Forchheimern und den in der näheren Umgebung Wohnenden deren Namen sehr vertraut und quasi selbstverständlich; aber es gab irgendwann einmal Gründer für diese beliebten Treffpunkte und die entsprechenden Brauereien. Über die Brauerfamilie Greif - man kann durchaus von einer Dynastie sprechen - erfährt man viel in dem Buch, dass der aus einer alten Müllerfamilie stammende Georg Greif Brauer geworden ist und 1885 die Brauerei und die Gastwirtschaft Greif in der Sattlertorstraße gegründet hat, dass dessen jüngerer Sohn Konrad wiederum in die Wirtschaft "Eichhorn" (Familie Kreppelt) in der Vogelstraße eingeheiratet hat und seinerseits eine eigene Brauerei und ein Gasthaus mit diesem Namen in der Bamberger Straße gründete, nachdem der ältere Sohn Josef die väterliche Brauerei und Wirtschaft geerbt hatte.

Kommunbrauhaus verkauft

Letzterer empfand die Lage des Stammhauses in der Altstadt als "zu eng" und erwarb - weitsichtig - 1928 von dem Geld für das vorher verkaufte Kommunbrauhaus in der Wiesentstraße ein Anwesen in der Serlbacherstraße 10 - damals noch "auf grüner Wiese" - und verlegte nach dem Zweiten Weltkrieg (1952) seine Brauerei dorthin; eine Schankwirtschaft war angeschlossen.

Eine der Töchter von Josef Greif heiratete wiederum einen Erwin Schuster und Maria Anna (genannt Maja) und Erwin leiteten noch lange Brauerei und Wirtschaft. Es folgte Sohn Christian, der noch Seniorchef ist, aber dessen Sohn (auch) Christian ist ebenfalls schon seit 2006 wieder Braumeister. Echte Forchheimer sagen deshalb bis heute: "Mir geh'n 'nuntern Schuster..

Viele Wirtshäuser

Um viele Wirtshäuser und Felsenkeller ranken sich Geschichten, die Reinhold Glas zusammengetragen hat. Da gibt es die vom Auftritt des Karl Karl auf den Forchheimer Kellern. Karl Karl (früher auch mit C geschrieben) war gebürtiger Forchheimer (1830) und Stabstrompeter und Komponist beim Bläserkorps des 4. bayerischen Feld-Artillerie-Regiments in Augsburg. Er leitete zwischen 1859 und 1890 das Trompetercorps mit großem Erfolg.

Dieser berühmte Mann bot - nach vielen Konzertreisen bis nach Norddeutschland und Schottland - an, am letzten Annafesttag 1885 mit seiner aus 30 Mann bestehenden Militärkapelle ein Konzert auf den Kellern zu geben. Er stellte aber die Bedingung, dass ihm eine Einnahme von 250 Mark garantiert würde, für die damalige Zeit eine sehr hohe Summe (auch wenn ein Bier nur 20 Pfennige gekostet hat). Der in dem Jahr für solche Dinge Verantwortliche wandte sich - mit höchsten Lobeshymnen über den Forchheimer Musikus - an die Stadtverwaltung, dass diese doch die erbetene Garantie übernehmen möge.

Kapelle gibt 1925 Konzert

Es hat dann auch geklappt, und noch bis 1925 konnten sich alte Forchheimer an dieses Ereignis erinnern. Die Nachricht, dass Karl mit seiner Kapelle am 29. Juli 1885 abends um 6 Uhr ein Konzert geben würde, hatte sich in der ganzen Umgebung verbreitet. Und obwohl es ein Werktag und Erntezeit war, hatten sich sehr viele Leute mit Dutzenden von Fuhrwerken eingefunden. Auf dem Balthasar-Schneider-Keller (Fäßla-Keller) hatte man eine Art Schallwand errichtet (1871 war ein erstes Musikpodium für diesen und die direkt daneben liegenden Keller erbaut worden), und es herrschte begeisterte Fest- und Freudenstimmung.

Vorstellung

Am Montag, 23. September, um 19 Uhr wird das Buch am Schindler-Keller auf den Forchheimer Kellern vorgestellt und am Mittwoch, 16. Oktober, ebenfalls um 19 Uhr in der Stadtbücherei Forchheim, Spitalstraße 3.

Preis

Jeder, der das Buch von Reinhold Glas noch zum Subskriptionspreis für 14 Euro (später im Buchhandel für 21 Euro) erwerben möchte, kann es bis zur zweiten Buchvorstellung am 16. Oktober per E-Mail vorbestellen unter vorbestellung@gf-franken.de; nötig sind die Angaben der Anschrift, Telefonnummer, Anzahl der Exemplare und Art der Abholung.

Bezug

entweder bei den Buchvorstellungen am 23. September und am 16. Oktober oder bei Familie Hubrich, Forchheim, Merowinger Straße 10 b, Telefon 09191/33764, und Familie Glas, Forchheim, Mayer-Franken-Straße 53 a, Telefon 09191/13653. Es ist auch die Zusendung per Post möglich (zzgl. Porto und Verpackung).

Mitherausgeber

Wer noch an einen Flyer zum Bier-Buch kommt, findet da auch eine entsprechend vorgedruckte Postkarte "An die Gesellschaft für Familienforschung in Franken" (Nürnberg), die das Buch mit herausgibt, mit anzukreuzenden Angaben.

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