Pottenstein
Geologie

Neuer Raum in Teufelshöhle entdeckt: Kathedrale oder nur Lehmkammer?

In der Teufelshöhle bei Pottenstein haben zwei Höhlenforscher einen neuen Raum entdeckt. Doch ein Höhlenexperte hat ungute Erinnerungen an die Entdecker.
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Der nun entdeckte neue Höhlenraum ist größer als der  Riesensaal, allerdings nicht mit so schönen Tropfsteinen.  Foto:  Stefan Brand/NK
Der nun entdeckte neue Höhlenraum ist größer als der Riesensaal, allerdings nicht mit so schönen Tropfsteinen. Foto: Stefan Brand/NK

In der größten Schauhöhle der Fränkischen Schweiz, der Teufelshöhle bei Pottenstein, haben die beiden Höhlenforscher Hanns Nägerl (80) aus Sulzbach-Rosenberg und Hans-Joachim Betko (61) aus München einen neuen Höhlenraum entdeckt. Ausgerechnet am Montag schlug diese Meldung hohe Wellen und nicht wenige dachten zunächst an einen Aprilscherz. Mitnichten. Der entdeckte Raum ist mit circa 20 Metern Länge, 20 Metern Breite und zehn Metern Höhenunterschied größer als der bisher größte Höhlenraum, der "Riesensaal". Wenn es nach Nägerl und Betko geht, die im Auftrag des Zweckverbands Teufelshöhle in der Höhle seit über 30 Jahren forschen, dann wird der von ihnen im Dezember entdeckte Höhlenraum "Kathedrale" genannt. Betko ist Geowissenschaftler und Bergbautechniker und Nägerl hat schon vieles gemacht in seinem Leben. So fuhr der heute 80-Jährige schon zur See oder arbeitete als Physiotherapeut und war vor 20 Jahren sogar Weltmeister im Bankdrücken seiner Altersklasse. Schließlich erfüllte er sich seinen Traum als Höhlenforscher.

Regierung nimmt Stellung

Ob die Entdeckung eine "Sensation" darstellt oder nicht, kommentiert die Regierung von Oberfranken zwar nicht, bestätigt aber auf Anfrage, dass es sich um einen neuen Raum in der Teufelshöhle handelt. "Der Zugang erfolgt über eine 15 Meter lange Kriechstrecke. Diese Kriechstrecke ist aber aktuell nicht nutzbar für den Besucherverkehr. Über die Frage, ob man sie erweitern kann, gibt es Vorgespräche zwischen dem Zweckverband Teufelshöhle und dem Bergamt. Das Bergamt erwartet nunmehr einen Genehmigungsantrag seitens des Zweckverbands", erläutert Michael Weiser, Pressesprecher der Regierung von Oberfranken. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Bayreuth ist über die Entdeckung ebenfalls informiert. Für eine Erschließung des Raumes als weitere Schauhöhle, in der es jedoch keine spektakulären Tropfsteine wie in anderen Höhlenbereichen zu bestaunen gibt, oder als weiterer Therapieraum für Atemwegspatienten sei noch zu wenig bekannt, erklärt Pressesprecher Herbert Retzer. Grundsätzlich müssten zunächst die Fragen des Arten-, Biotop- und Landschaftsschutzes geklärt werden. Denn die Teufelshöhle liegt in einem sehr sensiblen Schutz- und FFH-Gebiet.

Dekmalschutz und Bergamt

Jedenfalls sind nun erst einmal die Experten vom Denkmalschutz, dem Naturschutz und dem Bergamt am Zuge, um Untersuchungen anzustellen, sagt Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU/UWV) als Zweckverbandsvorsitzender, "aus Sicherheitsgründen wurde der Raum erst einmal verschlossen, und wo er sich in der Teufelshöhle genau befindet, sagen wir nicht." Jedenfalls ist es ein Höhenraum mit einem Kamin, von dem noch unklar ist, wohin dieser führt. "Nicht, dass bei Führungen jemand vom regulären Weg abweicht und auf eigene Faust nach dem Raum sucht", sagt Frühbeißer. Für ihn steht fest, dass diese Entdeckung die Attraktivität der Teufelshöhle enorm steigern werde. Der Raum muss laut den beiden Höhlenforschern ein Teil eines unterirdischen Flusslaufes gewesen sein. Dahinter gibt es nach Meinung der Experten noch weitere Höhlenräume.

Jubiläum 2022

Ob der Raum 2022 zum 100. Jubiläum der Höhlenentdeckung bereits für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, kann heute noch niemand sagen. "Ich gratuliere den Herren Nägerl und Betko zu ihrer so hart erkämpften Entdeckung der ,Kathedrale'", sagt Dieter Preu, Referatsleiter für Labor und Projekte der Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken, die in der Teufelshöhle seit den 1970er Jahren ein Forschungslabor betreibt. Preu hält den neu entdeckten Höhlenraum jedoch eher für eine Lehmkammer. Wenn Preu ins Jahr 1997 zurückdenkt, werden bei ihm ungute Erinnerungen an die beiden "Entdecker" wach. "Sie wollten damals einen sogenannten Spiegelsaal finden, wenn nicht gar das Bernsteinzimmer", behauptet Preu, "dabei hat man im ,Kleinen Teufelsloch' durch Niederbringen von drei Schächten, drei mal drei Meter und circa vier Meter tief, die gesamte Sedimentschicht in der Höhle zerstört. Diese wäre wegen der eiszeitlichen Kleinfauna ein wissenschaftlich wichtiger Fundort gewesen."

Verrostete Hinterlassenschaften

Nach Einstellung der erfolglosen Aktion wurde die Höhle mit einer Mauer verschlossen. Die verrosteten Hinterlassenschaften liegen heute noch dort und die Schächte verstürzen zunehmend. Preu berichtet weiter im Detail: "Von der Oberfläche über einem Teil der ,Großen Teufelshöhle' aus wurden weitere sechs Bohrungen niedergebracht, eine davon als Kernbohrung mit 80 Zentimetern Durchmesser. Diese und eine kleinere Bohrung trafen in den von der Forschungsgruppe seit den siebziger Jahren als Höhlenlabor genutzten Teil, also wieder kein Neuland. Das Wasser der Bohrlochspülung brach in den erbohrten Raum aus und verschwemmte weite Gangstrecken mit lehmigen Sedimenten. Durch Unterspülung stürzte eine Tropfsteinpartie, Gewicht circa eine Tonne, ab und zerstörte die dort installierte Elektronik zur Erfassung von Tropffrequenzen an Deckentropfsteine." Dieses Vorgehen hatte die Höhlenforschung damals als dilettantisch bezeichnet. Der angerichtete Schaden im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich sei enorm gewesen, meint Preu, der betont: "So sucht man keine Fortsetzungen in Höhlen und so wären nicht einmal Hobbyforscher vorgegangen." Preus Forschungsgruppe blieb bis heute auf dem angerichteten Sachschaden an ihren Geräten sitzen. "Das ist nun viele Jahre her und war eigentlich schon vergessen. Durch den nun endlich eingetretenen Erfolg werden allerdings Erinnerungen an den ungewöhnlichen Verlauf dieser Suche wieder wach."

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