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Interview

"Nehmt den Maulkorb ab!"

Gerade in Zeiten des Wahlkampfs wird mehr denn je geredet. Melanie Ebert, Coach aus Willersdorf, spricht darüber, wie leicht das schief laufen kann - und warum Kommunikation ihre größte Leidenschaft ist.
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Foto: Barbara Herbst
Foto: Barbara Herbst

Oft würde es schon genügen, wenn Redner mehr Pausen machen, sagt Melanie Ebert, Coach aus Willersdorf (Gemeinde Hallerndorf. Sie hat sich dem Thema Kommunikation verschrieben und sprach mit dem Fränkischen Tag auch darüber, warum sie mit ihrem Hund auf die Bühne geht, um den Menschen etwas über gelungene Kommunikations zu vermitteln.

Als Coach muss man zuhören. Sie aber üben sich im Reden und treten sogar bei Internationalen Speaker Slams auf - wozu?

Melanie Ebert: Als Expertin für Unternehmenskultur bin ich viel in Firmen unterwegs. Egal, wo ich bin, es ist immer die Kommunikation, woran es mangelt. So ist das Reden und das miteinander Sprechen zu meinem Hauptthema geworden.

Warum heißen Redner neuerdings Speaker?

Das ist ein Trend. Vor ein paar Jahren wollte noch jeder Coach werden, jetzt wollen viele Speaker werden. Wer es schafft, sich mit seinem Thema auf einer öffentlichen Bühne zu behaupten, der ist Speaker. Im Prinzip ist jeder ein Speaker, der auf der Bühne erfolgreich ist.

Kommen demnach viele Menschen zu Ihnen und wollen sprechen lernen?

Nein, bei solchen Seminaren melden sich die wenigsten an. Die meisten glauben, das Reden könnten sie schon.

Worin liegt der Irrtum bei dieser Annahme?

Viele hören sich selbst nicht, sie reden einfach zu viel. Oder sie reden, ohne dass etwas gesagt ist. Oder sie reden um den heißen Brei. Wer ein Kommunikationsseminar verlässt und hinterher weniger redet, mehr zuhört und Fragen stellt, der hat schon viel gelernt.

Wo setzen Sie im Coaching an, um Menschen das klar zu machen?

Kommunikation beginnt im Kopf. Ich setzte bei grundlegenden Fragen an: Wie denke ich über mich? Wie rede ich über mich und andere? Ich brauche erstmal Klarheit über die eigenen Gedanken, erst dann kann ich anderen was vermitteln. Ob in den Firmen oder in der Politik: Wer andere führen will, benötigt das Bewusstsein dafür, wie Kommunikation und Führung zusammenhängen.

Wann reden Sie das nächste Mal?

Noch in dieser Woche, bei den Industriemeistertagen des Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft in Ansbach. Ich werde über Unternehmenskultur und Führen mit dem Wau-Effekt sprechen.

Was ist Ihre Botschaft?

Nehmt den Maulkorb ab und kommuniziert wieder wirklich miteinander.

Maulkorb?

Ja, ich coache mit Hunden und werde einen Hund mit auf die Bühne nehmen. Der Hund wird erstmal einen Maulkorb tragen - und ich frage dann, was das Publikum in dem Moment denkt. Die meisten haben da sehr schnelle Antworten parat - und damit sind wir mitten im Problem, das Kommunikation häufig mit sich bringt: Meist wird viel zu schnell bewertet und geurteilt, statt die eigenen Gedanken zu hinterfragen.

Was kann der Mensch vom Hund lernen?

Das Bellen sicherlich nicht - das können die meisten schon. Hunde sind wahre Kommunikationsexperten - sie kommunizieren klar, wertschätzend und sind Meister der nonverbalen Kommunikation. Die Unternehmenskultur muss nicht bis auf den Hund kommen, kann jedoch viele Kompetenzen auf das wahre Leben übertragen.

Was macht eine Rede aus, die im Gedächtnis bleibt?

Es braucht eine Geschichte dahinter - eine Dramaturgie. Daher der Maulkorb, der drückt die Kernbotschaft aus, auf die ich im Laufe der Rede mehrmals zurückkomme. Die Kernbotschaft setzt Impulse - das ist wie die Headline in der Zeitung. Außerdem darf die Rede nichts Selbstdarstellerisches haben. Ich möchte mit den Inhalten den Zuhörern dienen - und wenn sie zum Nachdenken kommen, dann hat mein Auftritt einen Mehrwert und erfüllt seinen Zweck. Das klappt nur, wenn meine Geschichte echt ist und auch persönliche Dinge preisgibt.

Was geben Sie zum Beispiel preis?

Beim Slam in München habe ich darüber gesprochen, wie ich überhaupt dazu kam, anderen etwas über zwischenmenschliche Beziehungen beibringen zu wollen. Die Bedeutung der Kommunikation habe ich erkannt, nachdem ich mit einem Suizid-Versuch im nahen Umfeld konfrontiert war. Sowie durch die Erfahrungen am Arbeitsplatz, als ich noch als Angestellte gearbeitet habe. Seitdem weiß ich, wie wichtig es ist, dass die Schulung von wertschätzender Kommunikation schon in der Schule beginnen müsste. Dabei geht es um einfachste Dinge. Es genügt nicht, WhatsApp zu schreiben. Besser wäre es, öfter zum Nachbarn zu gehen und mit ihm zu reden.

Das Interview führte Ekkehard Roepert.

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