Eggolsheim
Pflegeserie

Altenpflegeschüler aus Forchheim erzählen von ihrem Arbeitsalltag

Die zwei Pflegeschüler Anna Wojnowska und Thomas Czubler erzählen, warum sie sich für die Ausbildung entschieden haben.
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Anna und Thomas bereiten die Waschutensilien vor. Die Grundpflege ist jedoch nur ein kleiner Teil ihres Berufsalltags. Foto: Theresa Schiffl.
Anna und Thomas bereiten die Waschutensilien vor. Die Grundpflege ist jedoch nur ein kleiner Teil ihres Berufsalltags. Foto: Theresa Schiffl.

"Unser Beruf wird niemals langweilig", sagt Thomas Czubler. Anna Wojnowska nickt zustimmend. Die beiden sind Schüler an der Berufsfachschule für Altenpflege Eggolsheim der Dr. Wiesent Schulen im Kreis Forchheim.

Sie haben sich für den Beruf entschieden, obwohl es viele Probleme in diesem Bereich gibt. Derzeit sind etwa 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Der Pflegereport der Bertelsmann Stiftung prognostiziert, dass diese Zahl bis 2030 auf 4,4 Millionen ansteigt. Im gleichen Zeitraum nimmt die Zahl der Pflegekräfte ab. Sollte sich der Trend weiter fortsetzen werden bis dahin wohl 500 000 Vollzeitkräfte fehlen.

"Mein Vater hatte einen Schlaganfall. Seitdem war er auf die Hilfe meiner Mutter und mir angewiesen", erzählt Anna Wojnowska (49). Damals wurde ihr deutlich bewusst, dass es viele kranke und ältere Menschen gibt, die in einer ähnlichen Situation sind.

In Polen, ihrem Herkunftsland, hat sie dann erste Erfahrungen in einem Klinikum gemacht.

Spaß an Kontakt mit Menschen

Seit drei Jahren lebt sie inzwischen in Deutschland und arbeitet im Seniorenheim St. Elisabeth in Pottenstein (Kreis Forchheim). Schließlich hat sie sich für eine Weiterbildung zur examinierten Fachkraft entschieden. "Mir macht am meisten der Kontakt mit den Menschen Spaß. Ich kann helfen und bekomme dafür von den Bewohnern ein Lächeln und viel Dankbarkeit zurück", erzählt sie.

Ihr Mitschüler Thomas sieht das genauso. Er kommt ursprünglich aus Rumänien, wie Anna spricht er mit leichtem Akzent, aber nahezu fehlerfrei deutsch. Er lebt seit 2014 hier und hat schon viele Jobs ausprobiert. Dabei hatte er immer mit Menschen zu tun.

Beruf mit Sinn

"Meine Mutter ist Krankenpflegerin, und dann habe ich mir das einfach mal angesehen. Nach zwei Tagen wusste ich, dass hier mein Platz ist", sagt er.Nachdem er längere Zeit als Pflegehelfer in Hirschhaid (Kreis Bamberg) im SeniVita gearbeitet hat, stand auch für ihn fest, dass er die Ausbildung zur examinierten Fachkraft machen möchte. "Das ist ein Beruf mit einem tieferen Sinn. Da arbeitet man mit viel mehr Herz."

Anna berichtet von den Weiterbildungsmöglichkeiten, durch die sie ihr Arbeitgeber unterstützt. Auch Thomas erzählt, wie er von seiner Pflegedienstleitung gefördert wurde, und dass er direkt nach seiner Ausbildung die Weiterbildung zur Pflegedienst- und Heimleitung machen darf.

Viel zu schlechte Meinung

Dass über ihren zukünftigen Beruf so eine negative Meinung in der Gesellschaft herrscht, ärgert die Pflegeschüler. "Die Tätigkeiten bestehen nicht nur aus Grundpflege und Toilettengängen", erklärt Thomas. Gefühlt macht das für ihn etwa fünf Prozent der Aufgaben aus.

Unterstützung im Alltag wie bei Arztbesuchen, beim Essen, Freizeitgestaltung oder auch die Medikamentenausgabe - das sind Beispiele, die Thomas und Anna aufzählen. "Wir haben sehr vielfältige Tätigkeiten", hält die 49-Jährige fest.

Kreativität ist wichtig

Beide erzählen, dass es immer wieder etwas zu lachen gibt und dass sie ausgezeichnete Improvisations-Schauspieler sind. "Vor allem bei Dementen ist das sehr wichtig. Sie leben in ihrer eigenen Welt und darauf müssen wir uns einlassen", sagt Anna. Gerade diese Bewohner überraschen die Pfleger sehr oft, ergänzt Thomas mit einem Schmunzeln. Kreativität und Spontanität seien in ihrem Beruf besonders wichtig.

Für die Zukunft wünschen sich die beiden aber, dass sich in ihrer Branche einiges ändert. Anna sagt: "Unsere Politiker reden immer nur von den Problemen in unserem Beruf, aber sie ändern nichts." Die Bezahlung ist für sie ein Ärgernis, die müsste ihrer Meinung nach nämlich besser sein. "Die psychische und physische Belastung ist da", sagt Anna. Thomas ergänzt: "Wir bekommen im Unterricht viele Anregungen und Tipps zum Thema Erholung in der Freizeit mit. Aber Gesundheitskurse wären natürlich ebenfalls super."

Die beiden Pflegeschüler sehen sich trotz dieser Herausforderungen in keinem anderen Beruf. Der Zusammenhalt unter ihren Kollegen ist sehr gut und erleichtert die Arbeit enorm, sagen sie. "Wir helfen uns gegenseitig", sagt Anna.

Thomas sagt: "Der Beruf ist wirklich sehr schön. Ein Praktikum ist auf alle Fälle empfehlenswert."

Seit er in Hirschhaid arbeitet, waren dort schon etwa 20 Praktikanten. "Bis auf zwei oder drei haben alle jetzt eine Ausbildung angefangen." Ein kurzes Videointerview zum Thema gibt's auf www.inFranken.de/Vorsorge.



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