Gößweinstein

Nahwärmenetz Gößweinstein nimmt Fahrt auf

Das "Nahwärmenetz Gößweinstein" kommt in Fahrt. Bisher gibt es 136 positive Rückmeldungen von Hauseigentümern, nur elf sind dagegen.
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Bei einem Nahwärmenetz wird über gut gedämmte Rohre das heiße Wasser in die angeschlossenen Gebäude geleitet. Foto: infranken.de
Bei einem Nahwärmenetz wird über gut gedämmte Rohre das heiße Wasser in die angeschlossenen Gebäude geleitet. Foto: infranken.de

Während der Marktgemeinderatssitzung stellten Alexander Schrammek von der Energieagentur Nordbayern und Dominik Bigge vom Landratsamt Forchheim den sogenannten "Teilenergienutzungsplan Wärmenetz Gößweinstein" nach der erfolgten Haushaltsbefragung vor.

Nach aktuellem Stand gab es in Gößweinstein bisher 136 positive Rückmeldungen. Nur elf Hauseigentümer wollen ihre Immobilie nicht an das geplante Nahwärmenetz anschließen. Schrammek sprach nach der Datenerhebung von sehr großem Interesse der Gößweinsteiner.

Nach bisherigem Stand würde man für ein Nahwärmenetz sechs Millionen Kilowattstunden benötigen, was einer jährlichen Heizöleinsparung von 600 000 Litern entsprechen würde. Laut Schrammek könnten nach der Datenerhebung 23 Wärmenetzabschnitte gebildet werden, wobei für eine Wärmetrasse der Grenzwert wohl bei etwa 500 Kilowatt liegen würde. Kleiner als 500 Kilowatt Abnahme wäre für den zukünftigen Betreiber unwirtschaftlich.

Dies bedeutet jedoch auch, dass nicht alle Häuser in Gößweinstein an so ein Nahwärmenetz angeschlossen werden können. Denn unter dem Grenzwert gibt es keine Förderung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW).

Hauptstränge wären die Viktor-von-Scheffel- und die Petzoldstraße, letztere mit 1500 Kilowatt. Die bisher ermittelte durchschnittliche Belegungsdichte liegt bei 700 Kilowatt, was einer KFW-Förderung in voller Höhe entspräche.

Die Hauptleitung wäre 6,5 Kilometer lang und die Anschlussleitung an das Biomasseheizkraftwerk am Standort bei der Schule zwei Kilometer.

Standort bei der Schule

Der Standort an der Schule kristallisierte sich als bestes von mehren geprüften Arealen - unter anderem auch beim Bauhof/Feuerwehrhaus - heraus. Würden alle bisherigen Interessenten angeschlossen, ergäbe sich für Gößweinstein eine jährliche -Einsparung von 1800 Tonnen.

Außerdem ergäbe sich durch den Bau des Wärmenetzes ein Kostenvorteil für die Bürger, weil in diesem Zuge auch gleich die Wasserleitung durch die Wiesentgruppe mit erneuert werden könnte. Den Staatszuschuss nach bisherigem Erhebungsstand bezifferte Schrammek auf circa eine halbe Million Euro. Dieser käm zwar dem Betreiber zugute, jedoch werde es auch für die künftigen Anschlussteilnehmer dadurch günstiger.

Laut Schrammek sei nun der Betreiber gefordert, die Wärmetrasse festzulegen. Danach könnten eine Kostenkalkulation erfolgen und die künftige Betreiberform definiert werden. Wenn dies erfolgt ist, wird es eine Bürgerversammlung geben, in der dann auch Anschluss-, Betriebs- und Verbrauchskosten für die Hausbesitzer präsentiert werden können. Auch eine Vergleichsberechnung zu einer neuen Ölheizung kann dabei erfolgen.

Wie Dominik Bigge betonte, "fällt und steht das Ganze mit zuverlässigen Angaben der Anschlussteilnehmer". Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre müsse man jetzt wissen, wer alles mitmache. Denn spätere Anschlussmöglichkeiten seien nur sehr eingeschränkt möglich.

"Ich finde dieses Resultat sehr gut und hätte nicht gedacht, dass wir so schnell so ein gutes Ergebnis bekommen", sagte der Energieberater des Landkreises. Er betonte, dass die Chancen zur Verwirklichung dieses Projekts wegen des Betreibers vor Ort deutlich höher seien als mit einem auswärtigen Investor.

Manfred Eckert (CSU) erinnerte daran, dass man schon seit zehn Jahren daran arbeite und es damals für unmöglich gehalten worden sei. Konrad Schrüfer (FW) meinte, dass der Gemeinderat dafür noch mehr Werbung machen sollte. Daniela Drummer (FW) freute sich, dass auch Gößweinstein mithelfe, um in Sachen Klimaschutz etwas zu tun. Darauf ist auch Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) sehr stolz, spart man doch schon durch die LED-Umstellung der Straßenbeleuchtung in Gößweinstein 92 Tonnen pro Jahr ein.

"Wenn wir schon aus dem Öl aussteigen wollen, sollten wir das ganz ohne Öl machen", riet Georg Lang (CSU) mit Blick auf die Notheizung, falls das Hackschnitzelheizwerk mal ausfalle. Dies sei möglich, erklärte Bigge, sei aber dann Sache des Betreibers.

Der zukünftige Betreiber selbst durfte sich nicht an der Diskussion beteiligen, weil Josef Neuner (BMG) als Marktgemeinderat bei diesem Thema befangen ist. Erfreut teilte Bürgermeister Zimmermann außerdem mit, dass der Markt 1,3 Millionen Euro Stabilisierungshilfe vom Freistaat bekommt.

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