Baiersdorf
Schicksal

Nadine Reichardt kämpft für ihre eigene Wohnung

Die gelähmte Nadine Reichardt möchte in ihre eigene Wohnung ziehen. Doch der Weg zu mehr Selbstständigkeit birgt finanzielle und organisatorische Hürden.
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Foto: Ronald Heck
Foto: Ronald Heck
Doch die neue Wohnung muss behindertengerecht umgebaut werden. Das größte Hindernis: Obwohl sie im Erdgeschoss liegt, gibt es am Eingang vier Stufen. "Wir haben das Glück, dass der Garten uns gehört", so die Mutter. Die gelähmte Frau wird mit ihrem Rollstuhl künftig über die Terrassentür in ihr neues Zuhause gelangen. Ein zehn Meter langer Weg zur Terrasse muss gepflastert werden. Die Pflegekasse zahlt aber höchstens 4000 Euro für einen barrierefreien Umbau. "Alleine der gepflasterte Weg kostet so viel, vielleicht sogar mehr", betont Reichardt.


Wenige Zentimeter kosten 1000 Euro


Die Wohnung braucht zudem eine kleine Hebebühne - wegen rund fünf Zentimetern. Denn um über die Schwelle zu kommen und die Tür schließen zu können, muss der Rollstuhl wenige Zentimeter in die Höhe gefahren werden. Diese Hebebühne kostet alleine 1000 Euro. "Mit dem Geld der Pflegekasse ist der Umbau nicht zu bewältigen. Alles andere muss ich aus der eigenen Tasche bezahlen."

Finanziell steht sie unter einem enormen Druck: Mit der staatlichen Rente und ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung hat Reichardt rund 1800 Euro monatlich zur Verfügung. Davon muss sie auch ihre Assistenzen, die auf 450 Euro Basis arbeiten, bezahlen. Diese Personen helfen ihr, ihren Alltag zu bewältigen. So helfen eine Studentin aus Erlangen, eine gute Freundin und eine ältere Dame Nadine Reichardt beim Einkaufen, in der Freizeit oder verbringen Zeit mit ihr. Diese Helfer musste sich die Familie selbst organisieren. "Einen Anspruch dafür gibt es nicht", sagt Reichardt enttäuscht.


Therapien und Wille zeigen Wirkung

Aber sie macht dank Therapien und ihrem Kämpfergeist große Fortschritte: Die junge Mutter kann nun besser an der Erziehung ihrer Söhne mitwirken. "Und ich spreche mittlerweile ganz normal, weil ich immer mit meinem Therapeuten singe", so Reichardt. Die 39-Jährige schafft es mittlerweile, sich alleine vom Rollstuhl zum Beispiel aufs Sofa oder auf die Toilette zu hieven. Das konnte sie vor einem halben Jahr noch nicht. "Wir haben geübt, geübt, geübt und jetzt funktioniert das", freut sich ihre Mutter.

Zwei Mal in der Woche macht Nadine Reichardt therapeutisches Reiten in Heroldsbach "Das macht echt Spaß", strahlt sie. Dabei reitet sie auf dem Pferd, und ihre Therapeutin Anna begleitet sie. Reichardt muss sich strecken und zurücklehnen und das stärkt ihre Körperhaltung. "Das bringt extrem viel und ich bin viel sicherer im Oberkörper." Auch das therapeutische Reiten muss sie selbst bezahlen.

Als Nächstes möchte Nadine Reichardt lernen, alleine mit Hilfe eines Stockes zu laufen. Im Mai macht sie erneut drei Wochen Intensiv-Therapie - auch das ist nur durch das Geld des für sie veranstalteten Benefiz-Kabaretts möglich. Nadine Reichardt bleibt positiv: "Trotz der Rückschläge habe ich mich wieder gefangen. Ich schaue nach vorne und freue mich schon auf den Umzug."


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