Forchheim
Konflikt

Nachbarn finden Kindergartenausbau in der Karolingerstraße in Forchheim "unerträglich"

Die Planung 30 neuer Kindergartenplätze in der Karolinger Straße 13 kollidiert mit den Interessen der Anwohner.
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In dem gelben Haus, Karolinger Straße 13, könnten 30 neue Kindergarten- und Krippenplätze entstehen, die dann Teil des Kindergartens Sattlertor (Vordergrund) wären. Doch die Verkehrsanbindung und die Klagen der Anwohner erschweren die Realisierung des Projektes. Foto: Josef Hofbauer
In dem gelben Haus, Karolinger Straße 13, könnten 30 neue Kindergarten- und Krippenplätze entstehen, die dann Teil des Kindergartens Sattlertor (Vordergrund) wären. Doch die Verkehrsanbindung und die Klagen der Anwohner erschweren die Realisierung des Projektes. Foto: Josef Hofbauer

Rund 100 Krippen- und 70 Kindergartenplätze fehlen in Forchheim. Die Hoffnung, diesen Mangel zumindest ansatzweise auszugleichen, ruht seit Mittwoch auf dem Gebäude in der Karolinger Straße 13. Sigrun Wagner (bei der Stadt für Neubau- und Sonderprojekte zuständig) hat Umbaupläne für das Haus vorgelegt.

Mit einer staatlichen Förderung von 90 Prozent könne das Gebäude, das sich im stiftischen Besitz der Stadt Forchheim befindet, für rund 1,3 Millionen Euro umgestaltet werden, schlug Wagner den Stadträten im Finanzausschuss vor. So könnten "in kurzer Zeit" 30 neue Krippen- und Kindergartenplätze entstehen; direkt neben dem städtischen Kindergarten Sattlertor, dessen Leiterin die neue Einrichtung mitbetreuen würde.

"Glücksfall" mit Fragezeichen

Josua Flierl (CSU) freute sich über diese "Lösung auf dem kleinen Dienstweg". So werde mit Hilfe von Fördergeldern zugleich das stiftische Vermögen der Stadt gesteigert. Würde die Stadt diese Gelegenheit zur Sanierung verstreichen lassen, dann müsste sie sich vorwerfen, "ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben", meinte Hans-Werner Eisen (CSU). Ulli Schürr (JB) sprach von einem "Glücksfall", in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten "ein Gebäude nutzbar machen zu können".

Den Vorstoß von Sigrun Wagner fand zwar auch Reinhold Otzelberger (SPD) "beeindruckend"; zugleich war der SPD-Rat unzufrieden, weil die Möglichkeit eines Neubaus nicht geprüft worden sei. Und weil viel Geld für eine Lösung ausgegeben werde, die letztlich den Maßstäben eines Kinderhortes nicht gerecht werde. Otzelberger lehnte es ab, "unter Zugzwang gesetzt" zu werden.

"Überzeugend, aber teuer", so schätzte Paul Nerb (FBF) das Projekt ein. Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) entgegnete den Kritikern: "Bauland in dieser Gegend haben wir nicht. Wenn wir ein Grundstück hätten, dann hätte ich Ihnen längst einen Vorschlag zum Bau eines Kindergartens gemacht."

Annette Prechtel (FGL) appellierte, "die Diskussion ein bisschen ehrlicher zu machen". Zwar habe die Stadt wegen des Mangels an Kindergartenplätzen ein Problem - und die Chance auf 30 neue Plätze sei verlockend. "Doch trotz der Not müssen wir die Begrenzung sehen", mahnte Prechtel: Die Zufahrt zum Kindergarten Sattlertor sei ein Nadelöhr und die Sorgen der Nachbarn verlangten "nach einem Interessensausgleich".

Obwohl sich die Stadträte mehrheitlich dafür aussprachen, die Umplanung in der Karolinger Straße 13 anzugehen, muss das Vorhaben noch gewaltige Hürden nehmen. Heftiger Widerstand regt sich vor allem in der Nachbarschaft: Der Anwohner Bernd Heberlein entwarf am Mittwoch vor den Stadträten ein sehr dramatisches Bild: Die Straßenführung sei den täglichen und nächtlichen Belastung schon lange nicht mehr ausgelegt. Nicht nur während der Abholzeiten des Kindergartens komme es zu Staus, Hupkonzerten und "absurden Situationen", weil sich die Autofahrer im Begegnungsverkehr gegenseitig die Durchfahrt verweigerten. "Ich komme täglich nicht aus der Einfahrt", sagte Heberlein.

Zudem raube der Kindergartenbetrieb "fünf Meter vor unserem Küchenfenster" seiner Familie die Privatsphäre. Zusätzliche 30 Kinder hier unterzubringen, das sei nicht zumutbar, sagte der den Tränen nahe Heberlein: "Wir können das nicht ertragen." Sichtlich beeindruckt reagierten Reinhold Otzelberger (SPD) und Udo Schönfelder (CSU) auf den Heberlein-Protest. "Wir sind in einer Zwickmühle", meinte der SPD-Rat. "Ich erkenne keinen Lösungsansatz", sagte der CSU-Rat. Schönfelder folgte den Überlegungen Heberleins, Kindergartenplätze dort zu schaffen, wo sie dringend benötigt würden - beispielsweise im Westen der Stadt.

Die Planer müssten jetzt vor allem die Verkehrssituation analysieren, forderten unisono Anita Kern (SPD) und Gerhard Meixner (FGL). Reinhold Otzelberger und Annette Prechtel empfanden einen Grundsatzbeschluss für die Planung als unzumutbar, solange der Interessensausgleich mit den Nachbarn nicht versucht worden sei.



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