Greifenstein
Geschichte

Nach Stauffenbergs Attentat plünderten die Nazis Schloss Greifenstein

Vor 75 Jahren verübte Oberst Graf Claus Schenk von Stauffenberg sein Attentat auf Adolf Hitler. Die Rache des Regimes traf auch die Fränkische Schweiz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Schloss Greifenstein bei Heiligenstadt in der Fränkischen Schweiz Foto: Reinhard Löwisch
Das Schloss Greifenstein bei Heiligenstadt in der Fränkischen Schweiz Foto: Reinhard Löwisch
+1 Bild

In wenigen Tagen findet ein runder Gedenktag eines bemerkenswerten und geschichtlich bedeutsamen Ereignisses statt. Vor 75 Jahren zündete Oberst Graf Claus Schenk von Stauffenberg im Führerhauptquartier, der "Wolfsschanze", zwei Bomben in seiner Aktentasche, mit denen er den Diktator Adolf Hitler bei einer Besprechung töten wollte. Das Attentat misslang und die anschließenden Ausschreitungen trafen auch die Fränkische Schweiz.

Der 20. Juli 1944 war ein Donnerstag, ein Tag, der sich in den Geschichtsbüchern und in den Köpfen der Menschen einbrannte: Der letzte bekannte Anschlag (von rund 40 vermuteten) auf Hitler. Er misslang, aber in den Augen der europäischen Öffentlichkeit keimte die kleine Hoffnung, dass nicht alle Deutschen automatisch menschenverachtende Nazis seien.

Verschwörer hingerichtet

Hätte sich Stauffenberg nicht selbst verraten, indem er nach Berlin flog und das "Unternehmen Walküre", den Umsturz der Hitlerdiktatur, öffentlich ausrief, wäre er vielleicht nie enttarnt worden. Doch Hitler erfuhr sehr schnell von dem Umsturzplan und konnte umgehend Rache üben. Noch in der Nacht des 20. Juli wurden der Graf und weitere Verschwörer in Berlin hingerichtet. Einige Tausend Menschen wurden nach und nach verhört, rund 200 weitere Mitwisser kamen vors Kriegsgericht. Sie wurden von dem berüchtigten Richter Roland Freisler zum Tode verurteilt. Für die Familie derer von Stauffenberg begann eine sehr leidvolle Zeit. Am 21. Juli besetzte die Gestapo das Schloss Greifenstein bei Heiligenstadt. Drei Tage lang verhörten die Staatspolizisten alle Familienmitglieder, erinnerte sich der Neffe des Attentäters, Otto Philipp Schenk von Stauffenberg, noch viele Jahre danach. Noch im Juli beschlagnahmte man die Burg. Sie sollte nach dem Willen Heinrich Himmlers im August angezündet "und die Sippe vernichtet werden".

Treuekundgebung in Heiligenstadt

Der damalige Polizeichef von Nürnberg verhinderte das, trotz einer von Gauleiter Fritz Wächtler am 25. Juli gesteuerten "Treuekundgebung zum Führer" in Heiligenstadt, mit 2000 herangeschafften Teilnehmern aus Nürnberg, Bayreuth und Umgebung. Am 11. August erging der Haftbefehl auf Sippenhaft. Schlossherr Berthold Schenk Graf von Stauffenberg und weitere Familienmitglieder wurden verschleppt - nach Schlesien und Ostpreußen, in das Konzentrationslager Buchenwald, nach Flossenbürg und Dachau. Bis die Stauffenbergs von den Amerikanern schließlich in Südtirol 1945 befreit werden konnten, war ein Großteil der Familie schon tot, umgebracht in den Konzentrationslagern oder gestorben auf dem Weg dorthin. Die Kinder unter 15 Jahren hat die Gestapo unter falschen Namen in Heimen einquartiert.

In der Lokalpresse der Nachkriegszeit sind in Erinnerung an das Attentat Zeugenberichte der Burgbesetzung abgedruckt: "Wenige Minuten nach 16 Uhr (am 21. Juli 1944) brausten vier funkelnde Mercedeswagen den Schlossberg herauf und vollzogen den Akt der Sippenrache. Sofort war die Telefonverbindung überwacht und im ganzen Haus wühlten gierige Hände nach Dokumenten und Papieren, um die Mitschuld des Grafen aus ihnen herzuleiten. Gestapobeamte rissen, ohne anzuklopfen, die Türe zum Arbeitszimmer des Grafen auf und riefen ihm mit höhnischer Arroganz ,Heil Hitler' zu."

Kein Beweismaterial

Die Untersuchung ergab kein brauchbares Beweismaterial gegen den Grafen. Man wusste zwar, dass Graf Claus (der Attentäter) erst zu Pfingsten auf Greifenstein zu Besuch gewesen war und vermutete daher, er habe mit dem Senior seines Geschlechtes (Berthold) Besprechungen wegen des bevorstehenden Attentats geführt. Doch man fand keine Beweise dafür.

Von SS-Soldaten bewacht

Schloss und Gutsverwaltung standen fortan unter Kontrolle eines "Schlosskommandanten". SS-Soldaten bewachten das Anwesen, und ab und zu inspizierte eine der Gestapogrößen die "Brutstätte des niederträchtigsten Anschlags". Dem "Volksopfer" stellte der Schlosskommandant wertvolle Paramente, Hermelinpelze und andere kostbare historische Gegenstände zur Verfügung, schrieb die Zeitung weiter. Auf gut Deutsch: Das Schloss wurde von den Nazis geplündert.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren