Kirchehrenbach
Prozess

Nach Imbiss-Brand in Kirchehrenbach: Vermutliche Brandstifter stehen vor Gericht

Seit Mittwoch müssen sich der ehemalige Betreiber und ein Mitarbeiter eines Imbisses in Kirchehrenbach vor Gericht verantworten. Sie sollen dort im vergangenen November ein Feuer gelegt haben, um Geld von der Versicherung zu erschleichen.
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Im November hat es in dem Imbiss in der Kirchehrenbacher Hauptstraße gebrannt. Foto: Josef Hofbauer
Im November hat es in dem Imbiss in der Kirchehrenbacher Hauptstraße gebrannt. Foto: Josef Hofbauer

Dass im vergangenen November ein ganzes Wohnhaus in der Kirchehrenbacher Hauptstraße nicht einfach explodiert ist, war wohl pures Glück. Seit Mittwoch (3. Juli 2019) müssen sich ein ehemaliger Imbissbetreiber und dessen Mitarbeiter vor dem Bamberger Landgericht verantworten. Sie sollen in dem Imbiss einen Einbruch vorgetäuscht und ein Feuer gelegt haben, um Geld von der Versicherung zu erschleichen. Wer auf die Idee zu dem Vorhaben gekommen ist und den anderen dazu angestachelt hat, ist nun die entscheidende Frage.

Vor der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg beschuldigten sich die beiden 19 und 41 Jahre alten gebürtigen Mazedonier gegenseitig, auf die Idee zu dem Versicherungsbetrug gekommen zu sein.

Der Jüngere ist erst 2018 nach Deutschland gekommen, er wollte hier seine Lebensgefährtin, die in Egloffstein wohnt, heiraten. Zu der Arbeit im Imbiss ist er gekommen, weil seine "Geliebte", wie sein Dolmetscher für ihn übersetzt, die Nichte des Imbissbetreibers ist.

Erst Einbruch, dann Brandstiftung

In der Nacht vom 16. auf den 17. November brannte es in dem Imbiss. Mehrere Bewohner hielten sich zu dem Zeitpunkt in den Wohnungen darüber auf, auch die Familie des Imbissbetreibers. Weil eine Gasflasche geöffnet war, bestand Explosionsgefahr. Glücklicherweise breitete sich der Brand nicht auf das gesamte Gebäude aus.

Zwei Bewohner erlitten eine Rauchgasvergiftung, eine davon tritt im Verfahren als Nebenklägerin auf. Zuerst ging die Kriminalpolizei von einem Einbruch aus. Doch dann erhärtete sich der Verdacht der Brandstiftung. "Auf der Heimfahrt haben sich schon die ersten Fragen aufgetan, wie man da reinkommt, ohne Spuren zu hinterlassen", sagte am Mittwoch ein Polizeibeamter im Zeugenstand, der Spuren am Tatort gesichert hat. Seit Dezember sitzen die beiden Angeklagten in Untersuchungshaft.

Selbst äußern wollte sich der ehemalige Imbissbetreiber am Mittwoch nicht. Über seinen Verteidiger ließ er eine Erklärung mit eindeutiger Botschaft verlesen: "Ich selbst habe mit der Brandlegung nichts zu tun." Zwei Wochen vor der Tat habe der Mitangeklagte ihn auf die Idee dazu gebracht. "Ich habe diesen Vorschlag erst nicht ernst genommen", lässt er vorlesen. Dann habe er sich aber überzeugen lassen. "Ich habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, Versicherungsbetrug zu begehen."

Die Meinung geändert

Kurz vor der Tat habe er dann aber von der Idee Abstand genommen. Zu seinem Landsmann hätte er deshalb gesagt, dass das Vorhaben nicht mehr in Frage kommt. Am Tatabend sei der 19-Jährige dann zwei Mal von der Wohnung im Obergeschoss in den Imbiss im Erdgeschoss gegangen. "Beim zweiten Versuch mit Gasflasche, um es richtig zu machen." Er sei in den Imbiss gerannt und habe dort brennende Pizzakartons entdeckt. "Ich war stinksauer, dass er diesen Blödsinn gemacht hat."

Der 19-jährige Angeklagte schildert das Geschehen dagegen aus einer ganz anderen Sicht, als er am Mittwoch auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Markus Reznik antwortet. Zuerst habe er den Plan noch abgelehnt, sagt der 19-Jährige. Nachdem der Imbissbetreiber mehrmals auf ihn eingeredet habe, "musste ich schließlich mitmachen", sagt der 19-Jährige. Dass er etwas von der Versicherungssumme bekommt, sei ohnehin nicht ausgemacht gewesen.

Den Brand legen wollte der Imbissbetreiber selbst, berichtet der 19-Jährige. Er habe nur Gasflaschen, die sonst im Imbiss stehen, nach oben auf den Balkon der Wohnung gebracht. Zwei Flaschen habe er im Imbiss gelassen. Die Idee, eine Gasflasche zu öffnen, sei ursprünglich gar nicht Teil des Planes gewesen, meint der 19-Jährige. "Da sind 22 Kilo Gas drin. Du bringst uns alle um", will er noch zu dem Imbissbetreiber gesagt haben. Dass die Gasflaschen genutzt wurden, habe er erst später gemerkt.

Freiwillig in Lebensgefahr

"Als Angeklagter dürfen Sie hier den größten Blödsinn erzählen. Sie dürfen aber auch die Wahrheit sagen", betonte Staatsanwalt André Libischer. Soll heißen: Ein Geständnis könne Strafmildernd wirken. Warum er sich freiwillig in Lebensgefahr begeben habe und sogar noch in der Wohnung über dem Imbiss geduscht habe, wenn er doch wusste, dass unten eine Gasflasche explodieren könnte, wollte Libischer wissen. "Ich war mir unsicher, wohin ich zu so später Stunde gehen sollte", sagt der 19-Jährige.

Die Frau des 41-jährigen Angeklagten führt seit einiger Zeit den Imbiss fort. Wie viel sie von den Plänen der Angeklagten wusste, das soll im weiteren Verlauf des Prozesses geklärt werden. Sieben weitere Termine sind anberaumt. Ein Urteil wird für den 25. Juli erwartet.

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