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Forchheim
Prozess

Nach Bergkirchweih-Besuch: 20-Jähriger hält Polizisten zwei Stunden in Atem

Zwei Stunden lang hatte ein 20-Jähriger während der Bergkirchweih im vorigen Jahr in Erlangen aggressiv mehrere Polizeibeamte angegangen. Nun musste er sich vor dem Schöffengericht in Forchheim verantworten.
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Zwei Mass Bier und eine halbe Flasche Schnaps hatte der 20-Jährige getrunken. Foto: Ronald Rinklef
Zwei Mass Bier und eine halbe Flasche Schnaps hatte der 20-Jährige getrunken. Foto: Ronald Rinklef

Selbst ein erfahrener Polizist behält diesen Vorfall besonders in Erinnerung: Es war der 8. Juni 2019, als die Polizisten der Bundespolizei ihren Sonderdienst am Erlanger Bahnhof im Rahmen der Bergkirchweih dort taten.

"Wir hörten Geschrei aus der Bahnhofsunterführung", beschrieb einer der eingesetzten Beamten F. die Ausgangslage. Daraufhin gingen die drei Streifenpolizisten hinunter, um die Lage zu überprüfen. Dort trafen sie auf den Angeklagten K. Blutverschmiert und ohne T-Shirt schubsten der junge Mann und sein Begleiter andere Fahrgäste. Die Beamten forderten K. auf, sich zu beruhigen und wollten seine Personalien aufnehmen. Einen Ausweis hatte dieser nicht dabei und wehrte sich immer wieder gegen die Beamten, als sich sein Begleiter mit einmischte, gelang es K. kurzzeitig zu entkommen.

20-Jähriger wehrt sich gegen Festnahme: Polizistin verletzt

Polizist F. brachte ihn kontrolliert zu Boden und mit Hilfe von zwei weiteren Beamten konnten er den stark alkoholisierten Mann fesseln. Er trat aus, um sich zu wehren. Dabei wurde eine Kollegin an den Knien verletzt, als sie die Beine des Angeklagten festhalten wollte.

Immer weiter wehrte sich der Angeklagte gegen die Bundespolizisten, als er in das provisorische Dienstverrichtungszimmer am Erlanger Bahnhof gebracht wurde. "Nur mit erheblichem Kraftaufwand" konnte er dorthin gebracht werden, bestätigte Polizist B. die Aussagen seiner Kollegen. Mehrmals wurden die Beamten mit heftigen Schimpfwörtern beleidigt.

Auch im Dienstzimmer ließ sich der Angeklagte nicht beruhigen. Er versuchte einige Male auf den Beamten B. zu spucken. Mehrmals schlug er mit seinem Kopf gegen die Wand. Zwei Stunden lang habe der Angeklagte nur getobt und ließ sich zu keinem Zeitpunkt beruhigen. In seinen 30 Dienstjahren habe B. so etwas nach eigener Aussage noch nicht erlebt. Dabei war es das ursprüngliche Ziel der Beamten, lediglich die Identität des Angeklagten klären und herausfinden, woher das Geschrei kam, betonte B.

Um die Situation zu deeskalieren, riefen die Beamten Kollegen der Landespolizei dazu. Auch dies hatte nur geringen Erfolg. Die Aggression des Angeklagten richtete sich allerdings hautsächlich gegen die Kollegen der Bundespolizei, so der Eindruck des hinzugerufenen Beamten P. Ein letzter Spuckversuch des Angeklagten endete in einem Treffer am Arm von P., so dass er von drei Beamten wieder zu Boden gebracht wurde und mit Fußfesseln und einem Spuckschutz versehen wurde.

Angeklagter mit 1,4 Promille nach Bergkirchweih-Besuch

Die restliche Nacht musste der junge Mann in der Ausnüchterungszelle der Erlanger Polizei verbringen. Die starke Alkoholisierung (gemessenen wurden zwischen 1,2 und 1,4 Promille) können durchaus ein Auslöser für die Tat gewesen sein, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer vor dem Schöffengericht in Forchheim. Dennoch zeigt das Verhalten des Angeklagten strafbare Handlungen. "Es sollte einfach nur die Identität festgestellt werden. Und nicht mal das war möglich", sagte die Staatsanwältin.

Die Aussage des Angeklagten, seine Verletzungen würden vom Einsatz der Polizistin kommen, wies die Staatsanwältin scharf zurück. Laut den Aussagen der Beamten seien bereits zu Beginn des Einsatzes Wunden im Gesicht und Oberkörperbereich sichtbar gewesen . Bei der Befragung zeigte er sich uneinsichtig für seine Taten.

Beim Urteil stand für Jugendrichter Phillipp Förtsch fest, dass kein Zweifel daran besteht, dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat. Es war nicht das erste Mal, dass der junge Mann nach dem Konsum von Alkohol auffällig wurde, weshalb neben 25 Stunden gemeinnütziger Arbeit ein Anti-Gewalt-Training und eine Suchttherapie verhängt wurden. Ebenso wird dem 20-Jährigen für ein Jahr ein Betreuer zur Seite gestellt und er bekommt an zwei Wochenenden Freizeitarrest. Auch das Gutachten der Jugendgerichtshilfe bestätigte dem Richter, dass Handlungsbedarf herrsche und wendete sich an den Verurteilten: "Wenn sie sich Ihren Problemen nicht stellen, sind weitere Straftaten vorprogrammiert!" Dann wäre eine Gefängnisstrafe nicht mehr abzuwenden.

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