Geschwand
Kommunikation

Mobilfunk: Risiken und Gefahren für Geschwand und Bärnfels

Die Telekom will auf der Höhe zwischen Geschwand und Bärnfels einen Mobilfunkmast errichten. Die Bürger haben viele Sorgen.
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Der Referent Jörn Gutbier und aufmerksame Zuhörer Foto: Franz Galster
Der Referent Jörn Gutbier und aufmerksame Zuhörer Foto: Franz Galster
Großen Zuspruch fand eine Einladung zum Thema "Verantwortlicher Umgang mit Mobilfunk, Stand des Wissens, Vorsorge und Alternativen", zu der die Initiative "Besorgte Bürger von Geschwand" in das Sportheim eingeladen hatte. Anlass ist die Absicht des Unternehmens Telekom, auf der Höhe zwischen Geschwand und Bärnfels einen Mobilfunkmast zu errichten.

Stefan Rupprecht begrüßte dazu als Hauptreferenten Jörn Gutbier, Stadtrat für Bündnis 90/Die Grünen aus Herrenberg bei Stuttgart. Er ist auch Mitglied des Arbeitskreises Immissionsschutz im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund).


Bisherige Entwicklung

Andreas Schuhmann reflektierte aus Sicht der Initiative die bisherige Entwicklung zum Projekt. Demnach erfuhren Geschwander Bürger am 11. Juni von der Absicht, einen Mobilfunkmast zu errichten. Er soll 40 Meter hoch werden und 2019 in Betrieb gehen. GSM/LTE und alle künftigen Übertragungstechniken sollen installiert werden.

Nach Schuhmanns Ausführungen sprachen am 14. Juni etwa 20 besorgte Bürger beim Obertrubacher Bürgermeister Markus Grüner (CSU) vor und übergaben einen Ordner Informationsmaterial hinsichtlich gesundheitlicher Risiken und Gefahren des Mobilfunks. Das Gespräch mit dem Bürgermeister habe viele Fragen offen gelassen. Nicht alle Gemeinderäte waren angeblich informiert.


Sonderbürgerversammlung

"Warum Grundstücksgespräche ohne Information der Bürger, warum überhaupt Grundstücksgespräche?", fragte Andreas Schuhmann und erhofft sich Antworten der Kommune in der Sonderbürgerversammlung am Dienstag, 17. Juli, an gleicher Stelle im Sportheim des TSV Geschwand.


Risiken und Gefahren

Die jetzige Zusammenkunft sollte den Bürgern einen Überblick über Risiken und gesundheitliche Gefahren vermitteln. In vielen Beispielen, Studien und Zahlen versuchte Jörn Gutbier eloquent, Erkenntnisse und Warnungen darzustellen. Manchen Industriekonzernen wirft er das Säen von Zweifeln, das Missachten wissenschaftlicher Nachweise vor, eine bewusste Strategie zur Untergrabung von vorsorglichen Entscheidungen.

Dabei bezieht er sich auf die Warnung von 222 Wissenschaftlern und ihre Forderung in neun Punkten. Dazu gehören unter anderen der Schutz von Kindern und Schwangeren, neue sichere Technologien, Aufklärung der Öffentlichkeit und die Schaffung "weißer Zonen" (strahlungsfreie Gebiete). Er zeigt die Auswertung in Schweden von Krebs bei Zunge, Hals und Schilddrüse, und er spricht von Schädigungsnachweisen durch Mobilfunk auf allen Ebenen.

Bei Lösungsvorschlägen bezieht er sich auf eine Resolution des Europarates von 2011. Dazu zählen strenge Regeln für Funk an Schulen wie Handyverbot, Entwicklung neuer Technologien und unabhängige Forschung sowie Schutz kritischer Wissenschaftler.


Drei Mobilnetzanbieter

Momentan agieren drei Mobilnetzanbieter mit je vier Diensten. Würde man es auf einen Anbieter reduzieren, bedeute dies auch nur ein Drittel der Belastung, meinte Gutbier. Ein weiterer Faktor ist das Smartphone am Ohr, der eigene Umgang mit Endgeräten. Im Haus empfiehlt der Referent, möglichst das Netzt zu nutzen und vom Funk Abstand zu nehmen.


Abstände zu Siedlungen

Bei der Kommune sieht er die Aufgabe, für die Minimierung der aktiven Standortplanung einzutreten und Kleinzellennetze mit geringerer Strahlung zu fördern. Im Raum Geschwand/Bärnfels rät er, möglichst große Abstände zu Siedlungen anzustreben, eventuell über interkommunale Lösungen Synergieeffekte zu erzielen mit weniger Masten.

Schnell ließ sich aus der Reaktion der Zuhörer erkennen, dass viele möglichst gar keinen Sendemast an geplanter Stelle haben wollen. "Ich bin elektrosensibel betroffen in Geschwand", sagte Benedikt Schuhmann als Mitinitiator der besorgten Bürger. "Jetzt würde durch den neuen Sendemast nochmals eine hundertfach höhere Belastung entstehen, wie soll ich mich da schützen, brauchen wir den Wahnsinn?", fragte er in die Runde.

Er verwies auf eine "hohe Krebsrate in Obertrubach" und fragte nach einer Sammelklage. Dafür sieht Gutbier aber keine reelle Basis. Dem Einwurf eines Weilersbachers über viele Krebsfälle in seinem Ort begegnete Gutbier vorsichtig mit der Bemerkung, in München bei hoher Dichte lasse sich das so nicht bestätigen. "Sie müssen dafür sorgen, dass Ihre Meinung eine allgemeine wird", ist die klare Ansage von Jörn Gutbier an die Zuhörer.

"Euer Votum ist für uns entscheidend, gut, dass so viele da sind. Das hoffe ich auch für nächste Woche zur Bürgerversammlung", wünscht sich Bürgermeister Grüner. Die "Besorgten Bürger von Geschwand" werden ihn an seinen Taten messen.


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