Forchheim
Mobilität

Mit Sicherheit schnell radeln

Immer mehr Fahrradfahrer steigen auf Pedelecs um, oft E-Bikes genannt. Mit diesen sind auch längere Wege möglich, schließlich unterstützt ein Elektromotor den Fahrer beim Treten. Doch das kann gerade für Anfänger gefährlich enden.
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Sepp Martin nimmt den Akku aus seinem Pedelec heraus.
Sepp Martin nimmt den Akku aus seinem Pedelec heraus.
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Zügig fährt Sepp Martin auf seinem Pedelec um die Straßenecke - und schwups - schon ist er vorbei gerollt. Dafür tritt er ordentlich in die Pedale - und ein kleiner Motor an seinem Rad unterstütz ihn. Rund 100 Kilometer schafft er mit dem Akku seines Rades, dann schließt er ihn für einige Stunden an die Steckdose an.

Martin ist der Pedelec-Experte beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Forchheim. So wie er steigen immer mehr Fahrradfahrer auf das motorisierte Pedelec - oft E-Bike genannt - um. Übrigens: Meist fahren Radler auf Pedelecs und nicht auf E-Bikes. E-Bikes rollen durch Motorkraft auch ohne Pedal-Unterstützung. Der Motor der Pedelecs unterstützt dagegen nur, wenn der Fahrer in die Pedale tritt - und dann auch meist nur bis 25 Stundenkilometer. Die Unterstützung kann der Fahrradfahrer in Stufen einstellen. Für ein gutes Pedelec müsse der Käufer mindestens 2000 Euro berechnen, erklärt Martin.

In allen Altersklassen beliebt

Mittlerweile, so die Erfahrung des Radexperten, komme das Pedelec in allen Altersklassen an - bei den Jüngeren sogar als Mountainbike. "Vor allem Leute, die nicht mehr Rad fahren konnten, hoffen auf das Pedelec", sagt er. Doch die Umstellung vom normalen Fahrrad aufs Pedelec ist erst einmal ungewohnt. Vor allem die höhere Geschwindigkeit, die schnellere Beschleunigung und das schwere Gewicht der Pedelecs sei für viele Fahrer eine Umstellung. Ebenso werde der längere Bremsweg oftmals unterschätzt. "Senioren überschätzen sich oft wegen der Geschwindigkeit", sagt Martin.

Deshalb seine Empfehlung: Vorsichtig fahren, besonders am Anfang. Auch das Anfahren muss gelernt sein, viele würden die Unterstützung am Anfang zu hoch einstellen. "Wenn man da keine Erfahrung hat, liegt man schnell unten", sagt Martin. Und vor allem: "Leute, setzt einen Helm auf!" Eine gesellige Radtour kann sonst schnell mit Verletzungen enden.

Oft Unfallverursacher

Das bestätigen auch die Zahlen der Polizei Forchheim: Im Jahr 2018 ereigneten sich im Landkreis Forchheim 138 Unfälle mit der Beteiligung von Radfahrern (Fahrräder und E-Bikes/Pedelecs). An den 138 Unfällen waren 21 Fahrer auf Pedelecs beteiligt, von denen 16 Unfallverursacher waren (Alleinbeteiligung inbegriffen). Auffällig ist also: Passiert ein Unfall mit einem Pedelec, so ist dessen Fahrer oft Unfallverursacher oder stürzt von alleine.

Bei diesen 21 Unfällen wurden elf Personen leicht, zehn Personen schwer verletzt. "Eine gewisse, nicht schätzbare Dunkelziffer an Radfahrunfällen dürfte vorhanden sein", sagt Verkehrserzieher Christian Ried. Weil es Pedelecs immer noch seltener gibt als normale Räder, seien die Unfallzahlen im Vergleich zum normalen Rad noch niedrig. Was in der Statistik auch aufgenommen ist: Ein Großteil der Unfallbeteiligten ist älter als 45 Jahre (45 bis 64 Jahre: sieben Unfälle; 65 bis 99 Jahre: acht Unfälle). "Man hat schon den Eindruck, dass speziell ältere Leute mit der Geschwindigkeit überfordert sind."

Aktionstag auf dem Verkehrsübungsplatz der Polizei in Forchheim: Sicher fahren auf dem Pedelec

Checkliste: In Zusammenarbeit mit dem ADFC-Forchheim und dem Seniorenbeirat der Stadt Forchheim hat das Landratsamt Forchheim eine Checkliste zum Pedelec-Kauf und -Fahren entwickelt, die in den Fahrradgeschäften im Landkreis ausliegt.

Aktionstag: Zur Gesundheitsförderung im Rahmen der Arbeitsgruppe "Seniorengesundheit" veranstaltet die Gesundheitsregion plus zusammen mit Kooperationspartnern auf dem Verkehrsübungsplatz der Polizei in Forchheim einen Workshop für Bürger, die sich ein Pedelec anschaffen möchten oder ihr eigenes Pedelec sicher nutzen wollen. Dieser Workshop besteht aus einem Vortrag mit Fragemöglichkeit, praktischen Fahrübungen auf dem Parkour und Ausfahrt im Anschluss.

Termin: Auf dem Verkehrsübungsplatz der Polizei Forchheim "Am Rittigfeld" (Nähe Autobahnausfahrt Forchheim-Süd) in Forchheim beantworten Experten am Donnerstag, 6. Juni, um 16 Uhr Fragen zu den Pedelecs: Welches Pedelec passt zu mir? Welche Antriebsarten, Rechts-und Sicherheitsvorschriften gibt es? Verschiedene Pedelecs werden vorgestellt und können praktisch erprobt werden. Der Besuch ist kostenlos.

Anmeldungen: sind auch noch kurzfristig möglich unter seniorenbeirat@forchheim.de oder unter der Telefonnummer 09191/863510. Ein Bus des ASB bringt Fußgänger zum Verkehrsübungsplatz. Wenn Sie ein eigenes Pedelec haben, bringen Sie es bitte samt Helm mit.

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