Forchheim
Abenteurer

Mit GPS und Gottvertrauen zum südlichsten Punkt der Erde

Mit zwei Nissan Micras sind Andi Fießer, Martin Hagenberg, Thomas Wagner und Patrick Werner von Forchheim nach Kapstadt aufgebrochen.
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Eigentlich wollten Andi Fießer, Martin Hagenberg, Thomas Wagner und Patrick Werner (v.l.) auf der ersten Etappe schon bis Ljubliana fahren. Aber sie kamen zunächst nur 200 Kilometer bis München, wo dieses Foto entstand. Nach Südafrika ist's quasi noch genauso weit wie beim Start!
Eigentlich wollten Andi Fießer, Martin Hagenberg, Thomas Wagner und Patrick Werner (v.l.) auf der ersten Etappe schon bis Ljubliana fahren. Aber sie kamen zunächst nur 200 Kilometer bis München, wo dieses Foto entstand. Nach Südafrika ist's quasi noch genauso weit wie beim Start!
Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann sind Andreas Fießer, Thomas Wagner und ihre Freunde bereits irgendwo im Balkan unterwegs. Hinter ihnen das vertraute Forchheim. Vor ihnen 15.000 Kilometer und zwei Monate Ungewissheit: durch's israelisch-ägyptische Krisengebiet, entlang des von Unruhen zerrissenen Sudans, in das von Anschlägen erschütterte Kenia, bis ans "schönste schönste Ende der Welt", Südafrika - und das in zwei Kleinwagen vom Typ Nissan Micra!

Eine Stunde vor ihrem Start statteten die Abenteurer der FT-Redaktion noch einen Abschiedsbesuch ab. "Mit einer Mischung von Aufregung und Vorfreude", wie Thomas Wagner gesteht. Für den 34-Jährigen ist es die erste Tour in eine andere Welt. Ganz anders sein Freund aus früheren Forchheimer Schulzeiten: Der gleichaltrige Andreas Fießer ist inzwischen ein erfahrener Weltenbummler. Bereits vor sechs Jahren war er mit einer Crew in zwei Micras von Forchheim nach Wladiwostok gefahren. Warum ausgerechnet mit solch einem kleinen Asphalthobel über die Schotterpisten, statt mit einem kernigen Off-Roader?

"Elefanten-Test" für den Micra

"Der Micra sticht wegen seiner positiven Pannenstatistik hervor und hat uns schon auf der Tour 2007 überzeugt", erklärt Andreas Fießer. Außerdem reize es ihn, diese Autos in einem Einsatz auf die Probe zu stellen, für den sie nicht gebaut worden seien. Die zweite Herausforderungen des Projektes "Tape Afrika" liegt darin, Kindern hierzulande und im schwarzen Kontinent per Video den Blick in die jeweils fremden Kulturen zu ermöglichen. "Dazu haben wir im Vorfeld Kontakte mit deutschen Schulen geknüpft", erklärt Fießer. Das sei der einfachere Teil der Organisationsaufgabe gewesen. "Viel schwieriger war es, Verbindungen nach Afrika aufzunehmen." Dies sei aber schließlich gelungen über die SOS-Kinderdörfer. Man plane Anfang Februar einen Besuch in einem Kinderdorf in Tansania. "Dies wird nicht die einzige Station bleiben", versichert Andreas Fießer.

Kalkuliertes Risiko

Die Crew hat eine Tour vor sich, auf der es keinen ADAC-Pannendienst gibt, kaum Geldautomaten und auf weiten Strecken noch nicht einmal ein Mobilfunknetz. Dafür jede Menge Krisengebiete. Doch Andreas Fießer bleibt "cool": "Es kann uns im Leben überall etwas passieren". Die Strecke sei so recherchiert, dass man die "Hot-Spots" umgehe, versichert der Abenteurer. Genächtigt werde in empfohlenen Unterkünften - wenn's geht. Wenn nicht, so Fießer, gebe es noch drei weitere Optionen: "im Zelt, im Auto oder daneben".

Fatalismus im Gepäck

Natürlich kennen die Weltenbummler die einschlägigen Vorsichtsmaßnahmen gegen Straßenraub: So zum Beispiel die Regel, nie alles Bares an einem Fleck zu tragen. Etwas Klimpergeld in der Tasche soll schon so manchen Kleinkriminellen zufrieden gestellt und den Schaden in Grenzen gehalten haben. Andreas Fießer bleibt im Übrigen fatalistisch: "Wenn wir irgendwo in Kenia stranden und in der Unterhose dastehen, dann haben wir auch etwas erlebt."

Trotz aller Unwägbarkeiten dieses Abenteuers macht die moderne Technik eines jedoch möglich: Die Spur der vier Weltenbummler kann sich nicht irgendwo in den Weiten des schwarzen Kontinents verlieren. Dafür sorgt ein GPS-Tracking, das den Standort der Fahrzeuge alle zehn Minuten per Satellitennavigation ortet und nach Deutschland überträgt. "Kap der guten Hoffnung" heißt das Ziel - nomen est omen! Ein hoffnungsvolles Vorzeichen bot sich Andreas Fießer kurz vor dem Start in Forchheim: Der Abenteurer tappte voll in einen Hundehaufen. Was ja Glück bringen soll!


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