Forchheim
Abenteuer

Mit dem Micra von Forchheim nach Kapstadt

Kindern den Blick in fremde Kulturen ermöglichen und Spaß haben. So beschreibt Andreas Fießer das Ziel seiner Reise im Nissan Micra von Forchheim nach Kapstadt. Zusammen mit drei Freunden ist er etwa acht Wochen unterwegs.
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Andreas Fießer bleibt optimistisch, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ob der alte Motor bis Aachen durchhält. Der Reservemotor liegt im Kofferraum.  Foto: Josef Hofbauer
Andreas Fießer bleibt optimistisch, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ob der alte Motor bis Aachen durchhält. Der Reservemotor liegt im Kofferraum. Foto: Josef Hofbauer
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Los geht die Reise am 2. Januar. "Start ist um 16 Uhr in Forchheim", erzählt Andy Fießer, als er drei Tage vor der großen Tour in Richtung Kapstadt mit einem Ersatzmotor im Kofferraum zu einer Fahrt nach Köln aufbricht. "Eines unserer beiden Autos, die wir für 500 Euro gekauft haben, läuft nur noch auf drei Zylindern. Deshalb muss ein neuer Motor eingebaut werden", informiert der IT-Projektmanager, der bereits vor sechs Jahren ein ähnliches Abenteuer erlebt hat. Damals ist er mit einer Crew in zwei Micras von Forchheim nach Wladiwostok gefahren.

Von dieser Mannschaft ist Martin Hagenberg, der Diplomingenieur aus Ilmenau, wieder mit von der Partie. Neu hinzugestoßen sind der Forchheimer Thomas Wagner, der in Erlangen Chemie studiert und in Berlin promoviert hat, und Emel Ugurcan, Journalistin aus München, die in die Tour ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen einbringen will.

Sechs Monate Vorbereitung

Die Vorbereitungen auf die Fahrt gen Süden laufen seit etwa einem halben Jahr. "Dass ich sie unternehmen werde, war mir klar, seit ich am östlichsten, nördlichsten und westlichsten Punkt der Erde war", erzählt Weltenbummler Andy Fießer, für den viele Fäden aber immer noch in Forchheim zusammenlaufen. Von hier aus hat er auch die "neuen" Micras organisiert. Zwar habe ein Nissan die Strapazen der Reise nach Wladiwostok und zurück überlebt, doch sei dem Fahrzeug eine neue Mammutstrecke nicht zuzumuten. "Der rumort wie wild, das Standgas ist viel zu hoch eingestellt, und ich denke, dass der Motor bald seinen Geist aufgeben wird", mutmaßt Andy, der zwei baugleiche Micras aufgetan hat. Die sind ein Facelift jünger, unterscheiden sich aber nur in der Beleuchtung des hinteren Nummernschildes vom Vorgängermodell, das nun als Ersatzteillager dient.

Bei der Probefahrt am vergangenen Freitag stellte sich aber heraus, dass bei einem der Fahrzeuge der Motor auf 500 Kilometer drei Liter Öl schluckt. "Das ist kein gutes Zeichen", fanden die Abenteurer. Ihr Verdacht: Defekte Ventilschaft-Dichtungen.

Motor machte schlapp

"Das ist eine elende Fummelei", gesteht Andreas Fießer, der sich auf der Suche nach einem Mechaniker "die Ohren wund" telefonierte. Parallel dazu hielt er Ausschau nach einem neuen Motor. Ein Kompressionstest brachte schließlich Klarheit: Das Auto läuft nur auf drei Zylindern.

Ein neuer Motor musste her. "Kurz vor Weihnachten eine Herausforderung", sagt Andy Fießer, der seine Internet-Kontakte zum "Nissan Bord" und zum "Micra-Bord" intensivierte. Am Samstag um 10 Uhr erfuhr er per Telefon, dass es in der Nähe von Schweinfurt einen passenden Nissan-Motor gibt. "Leider hatte der Mann nur bis 12 Uhr auf", bedauert der Forchheimer, der an diesem Tag in München war. Von dort aus machte er einen Motor in Fürth ausfindig. Der Händler schloss um 14 Uhr. "Von München aus nicht zu schaffen", erklärt Andy Fießer.

In dieser Not rief er seinen Freund Tobias Hopfner an, der zu einer Familienfeier gemusst hätte. Als Andy aber der Frau von Tobias den Ernst der Lage verdeutlichte, willigte sie ein. Ihre Bedingung: "Der Maxi Cosi auf der Rückbank bleibt. Wenn der Motor dann noch in den Kofferraum passt, soll es mir recht sein", beschied sie. Tobias düste los. Um 14.10 Uhr simste er Andreas, dass der Deal geklappt hatte.

Fahrzeuge höher gelegt

Wieder eine Hürde geschafft. "Aber wir hatten noch keinen Schrauber" , erinnert Fießer. So wurde der lecke Micra erst mal von Ilmenau nach Forchheim überführt und der Ersatzmotor in den Kofferraum gepackt. In dieser Zeit meldete sich ein Nissan-Fan aus Aachen, der sich bereit erklärte, den Motor einzubauen.

"Jetzt muss ich nur noch hinkommen", lacht Andy Fießer, der zwei große Öl-Kanister zum Nachtanken im Kofferraum verstaut hat. Außerdem will er noch Kupplungsscheiben einsacken. "Dann können wir auch gleich die Kupplung erneuern", findet er.

Beim Start in Forchheim vor dem FT liegen schlappe 15.000 Kilometer vor dem Team. In zwei Monaten wollen sie diese bewältigen. "Es ist ein besonderes Gefühl, fremde Länder in Micras zu bereisen: Die Kleinwagen bieten die Möglichkeit, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen", erzählt Fießer. Dies habe in der Vergangenheit immer wieder zu spontanen Kontakten geführt, die anders schwer vorstellbar gewesen wären.

Nun ist alles bereit: Die Autos sind komplett überholt, alle Verschleißteile ausgetauscht. Die Fahrzeuge sind höhergelegt und mit Ölkühler und Unterbodenschutz versehen, um für die schlechten Straßen in Afrika gerüstet zu sein.



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