Forchheim
Infrastruktur

Mietwohnungen in Forchheim: Keine blumigen Miet-Aussichten in Forchheim

Wer in Forchheim nicht Unmengen für eine Mietwohnung ausgeben kann, muss lange suchen. Mehr sozial geförderte Wohnungen oder die neu eingeführte Mietpreisbremse schaffen nur wenig Linderung.
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Wer in Forchheim so wie dieses Paar eine Wohnungen gefunden hat, kann sich glücklich schätzen. Foto: Franziska Rieger
Wer in Forchheim so wie dieses Paar eine Wohnungen gefunden hat, kann sich glücklich schätzen. Foto: Franziska Rieger

500 Anfragen. So viele stehen im Moment auf der Warteliste beim Haus der Wohnungswirtschaft, zu dem die Wohnungsbau- und Verwaltungsgenossenschaft Forchheim (WVG) gehört. Besonders gesucht sind Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen, berichtet Wolfgang Bonengel, Vorsitzender der WVG. Zwischen einem dreiviertel Jahr und drei Jahren kann die Suche dauern, abhängig von den Ansprüchen des Suchenden.

"Leute, die bei uns vorsprechen, suchen preisgünstige Wohnungen", sagt Bonengel. Rund 1100 Wohnungen gehören zum Portfolio der WVG und der Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft (GWS), dazu kommen 250 Wohnungen der Joseph-Stiftung. Zwischen 4,50 Euro und sieben Euro liegt die Kaltmiete pro Quadratmeter.

Einen Teil der Wohnungen kann die Gesellschaft frei vermieten, rund 25 Prozent ihrer 1100 Wohnungen sind öffentlich geförderter Wohnungsbau. Für solche Wohnungen müssen die Mieter einen Wohnberechtigungsschein vom Liegenschaftsamt der Stadt anfordern. Entscheidend hierbei sind unter anderem Einkommen und Wohnungsgröße.

30 Prozent Sozialwohnungen

2018 wurden rund 120 solcher Scheine ausgestellt, berichtet Thomas Jungbauer, Leiter des Forchheimer Liegenschaftsamtes. Nach dem neuen Wohnraummodell der Stadt müssen 30 Prozent der neuen Fläche im Geschosswohnungsbau für sozial geförderte Wohnungen reserviert werden.

So sind beispielsweise im künftigen Philosophenviertel 90 öffentlich geförderte Wohnungen eingeplant. "Das wird die Situation in Forchheim entschärfen", sagt Jungbauer. Bis die ersten Wohnungen bezugsfertig sind, dauert es allerdings noch.

Zwischen acht und neun Euro pro Quadratmeter werden die sozial geförderten Wohnungen im neuen Philosophenviertel nach ersten Schätzungen kosten, so Jungbauer. Abhängig ist das von der Kostenkalkulation des Investors.

Damit bei hochpreisigen Wohnprojekten die Preise der sozial geförderten Wohnungen nicht ins Unendliche steigen können, seien diese Mieten durch die Regierung gedeckelt. Die Folge: Die normalen Wohnungen eines solchen Projektes werden teurer, so Jungbauer. Wie viel diese Kosten, darüber gebe es noch keine Informationen. Zwischen sieben und acht Euro pro Quadratmeter betrage die Durchschnitts-Kaltmiete in Forchheim. "In extremen Fällen" neun bis elf Euro, schätzt Jungbauer. "Die Spanne ist groß."

Kein Mietspiegel in Forchheim

Erleichtern könnte solche Schätzungen ein Mietspiegel. Den gibt es in Forchheim bisher nicht. Es sei aber bereits überlegt worden, einen solchen einzuführen. Der Vorteil: Bessere Vergleichbarkeit der Mieten.

Nicht nur sozial Schwächere müssen lange nach einer Wohnung suchen. Auch Normalverdiener haben es auf dem Forchheimer Wohnungsmarkt schwer. Mieter, die keinen Wohnberechtigungsschein erhalten, können dafür auf andere Hilfen zurückgreifen, beispielsweise Wohngeld. "Es gibt schon Wohnraum in Forchheim. Aber derjenige, der mit normalem Einkommen eine Wohnung sucht, der findet nichts", sagt WVG-Vorstand Bonengel.

Daran wird auch die neue Mieterschutzverordnung wenig ändern. Seit August gilt in Forchheim die Mietpreisbremse. Zwei der Bewertungs-Kriterien erfüllt die Stadt: überdurchschnittliche Mietbelastung und hohe Nachfrage. Die Auswirkungen der Verordnung auf den Forchheimer Wohnungsmarkt werden gering sein, ist sie doch eher ein Instrument für "wirkliche Hochpreis-Städte", sagt Bonengel. Außerdem gibt es in Forchheim keinen Mietspiegel, anhand dessen Mieten leicht vergleichbar wären.

Für Vermieter bedeutet die neue Mieterschutzverordnung vor allem Verunsicherung. Das bekommt Immobilienmaklerin Martina Hübner bei ihrer Arbeit in Forchheim mit. Bisher habe sich der Vermieter nur bei Mieterhöhungen Gedanken machen müssen, was erlaubt ist. Darauf müsse der Vermieter jetzt bei jeder Neuvermietung achten. Außerdem müsse der Vermieter nun haften, falls Rückforderungen vom Mieter kommen. Ihre Befürchtung: "Das führt dazu, dass manche Vermieter ihre Wohnung gar nicht vermieten."

Neuerlass der Mieterschutzverordnung: Mietpreisbremse auch für Forchheim

Mieterschutzverordnung Seit 7. August 2019 gilt die Mietpreisbremse in 162 bayerischen Städten und Gemeinden mit angespanntem Wohnungsmarkt. In Oberfranken zahlen dazu Bamberg, Bayreuth und neuerdings auch Forchheim.

Mietpreisbremse Wird in Städten und Gemeinden, die unter die neue Mieterschutzverordnung fallen, ein Mietvertrag über Wohnraum neu abgeschlossen, darf die Miete zu Beginn des Mietverhältnisses die ortsübliche Vergleichsmiete höchstens um 10 Prozent übersteigen. Dies gilt auch für die Vermietung möblierter Wohnungen. Allerdings gibt es Ausnahmen: Beispielsweise Neubauten oder umfassend modernisierte Wohnungen.

Abgesenkte Kappungsgrenze Der Vermieter darf die Miete innerhalb von drei Jahren grundsätzlich nicht um mehr als 15 Prozent (statt 20 Prozent) und nicht über die ortsübliche Vergleichsmiete hinaus erhöhen.

Kündigungssperrfrist Ein Erwerber von bereits vermietetem Wohnraum kann dem Mieter erst nach Ablauf von zehn Jahren seit (statt bisher drei Jahren) der Veräußerung zum Zwecke des Eigenbedarfs oder der Verwertung kündigen.

Quelle: Bayerisches Justizministeriumfr

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