Forchheim
Prozess

Messer gezückt und Schlag auf den Rücken: Fahrrad-Zwist in Forchheim endet vor Gericht doch versöhnlich

Ein Mann entdeckt in Forchheim sein gestohlenes Rad. Der Fahrer rückt es nicht heraus und reagiert rabiat. Vor Gericht liegen sich die Männer am Ende aber in den Armen.
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An einem Dienstagvormittag im Sommer 2018 drohte in der Hauptstraße eine Auseinandersetzung um ein Fahrrad zu eskalieren. Symbolfoto: Ronald Heck
An einem Dienstagvormittag im Sommer 2018 drohte in der Hauptstraße eine Auseinandersetzung um ein Fahrrad zu eskalieren. Symbolfoto: Ronald Heck

Es geschah am 12. Juni im vergangenen Jahr in der Nähe des Forchheimer Rathauses: Da erspähte das spätere Opfer einen Mann mit einem Fahrrad, das dem Geschädigten erst in der Nacht zuvor gestohlen worden war. Der Bestohlene forderte seinen Drahtesel zurück. Doch der Kontrahent verweigerte das, griff zu einem Messer und rabiaten Methoden. Wegen räuberischer Erpressung musste sich der heute 44-Jährige nun verantworten. Im Gerichtssaal kam es am Dienstag zu einer Geste der Versöhnung, die sowohl Richterin Silke Schneider als auch die Anwälte bisher selten erlebt haben.

Opfer blieb trotz Messer standhaft

Dabei drohte der Streit damals ernsthaft zu eskalieren: Zunächst log der Angeklagte den Eigentümer an, dass er das Fahrrad rechtmäßig gekauft habe. Dabei hatte das Opfer das günstige Rad für 20 Euro in Fürth erstanden. Um den eigentlichen Eigentümer abzuschrecken, zückte der Angeklagte sogar ein 8,5 Zentimeter langes, schwarz-silbernes Messer.

Obwohl das Opfer Angst hatte, verletzt zu werden, ließ es sich nicht abbringen. Vielmehr konnte es beweisen, dass das Rad ihm gehört: Mit seinem Schlüssel entsperrte der Mann das dazugehörige Fahrradschloss. Zu diesem Zeitpunkt bemerkten weitere Passanten die Auseinandersetzung.

Der vermeintliche Fahrraddieb zeigte sich kurz einsichtig und montierte die angebrachte Fahrradtasche ab. Jedoch drohte er weiter. Um das Rad doch zu behalten, schlug der 44-Jährige plötzlich mit seinem Stoffrucksack, in dem Kleidungsstücke waren, nach dem Eigentümer. Der Geschädigte konnte den Schlag abwehren, erlitt aber erhebliche Schmerzen am Rücken.

Ein älterer Mann trat zwischen die Kontrahenten, trennte Täter und Opfer und übergab das Fahrrad an seinen Eigentümer. Wegen des Einschreitens des älteren Herren und der anderen Passanten, die auf den Streit aufmerksam wurden, ließ der Angeklagte ab. Das Opfer ging seiner Wege - mit seinem Rad.

Handschlag und Umarmung

Eineinhalb Jahre später zeigte der 44-jährige Frührentner deutlich seine Reue. Nach einem Verständigungsgespräch zwischen dem Schöffengericht, der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft räumte er die Tat vollumfänglich ein. Aufgrund seines Geständnisses entließ Amtsrichterin Schneider die drei geladenen Zeugen; sie mussten nicht mehr aussagen.

In einer bemerkenswerten Gerichtsszene nutzte der 44-Jährige die Gelegenheit, entschuldigte sich persönlich beim Opfer und reichte ihm die Hand. "Es tut mit wirklich leid", sagte der 44-Jährige. "Das war eine dumme Aktion." Und der Geschädigte nahm den Handschlag nicht nur an, sondern umarmte den Angeklagten sogar.

"So eine Entschuldigung habe ich selten gesehen. Und auch der Geschädigte hat die ausgestreckte Hand gewürdigt", betonte Strafverteidiger Maximilian Bär. Dass die Entschuldigung ehrlich herübergekommen sei, dem stimmte auch Staatsanwalt Ralph Zenger zu. "Es bleibt aber eine schwere räuberische Erpressung. Das große Problem ist das Messer", sagte Zenger.

Eine lange Liste an Vergehen

Da es keine erhebliche Gewalt gegeben hat, plädierte der Staatsanwalt trotz der langen Vorstrafenliste für eine Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Der Angeklagte hatte vor einigen Jahren 19 Eintragungen im Bundeszentralregister angesammelt, unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung, Drogendelikten und Hausfriedensbruch.

Die beiden Schöffenrichter und Strafrichterin Silke Schneider verurteilten den Mann vor dem Hintergrund der Verständigung zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zudem muss der Verurteilte 100 Arbeitsstunden bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) leisten. Die Bewährungszeit ist auf drei Jahre festgesetzt.

Richterin Silke Schneider hob hervor: "Sie haben gut daran getan, die Tat eingeräumt zu haben. Und dass der Geschädigte Sie gleich umarmt, das habe ich in diesem Saal auch noch nicht gesehen."

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