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Forchheim
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Menschliche Werte hoch im Kurs: Worauf es Vermietern wirklich ankommt

Die Suche nach einer Mietwohnung ist hart. Über 100 Anfragen für eine Wohnung sind nicht selten. Für potenzielle Mieter gilt es nun, den Vermieter von sich zu überzeugen. Eine Maklerin gibt Tipps, wie das gelingt.
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Um den Schlüssel für eine Wohnung zu erhalten, muss sich Mieter anstrengen. Mit ein paar Tipps und Tricks steht den neuen Vier Wänden aber nichts mehr im Wege. Symbolfoto: Christin Klose, dpa
Um den Schlüssel für eine Wohnung zu erhalten, muss sich Mieter anstrengen. Mit ein paar Tipps und Tricks steht den neuen Vier Wänden aber nichts mehr im Wege. Symbolfoto: Christin Klose, dpa
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Die Geschichten kennt jeder: Bei einem Besichtigungstermin werden in wenigen Minuten 50 bis 100 Bewerber durch die Wohnung geschleust. Am Ende bekommt die Wohnung ein einziger und die anderen 99 Bewerber müssen weitersuchen und stehen bei der nächsten Besichtigung vor der selben Herausforderung. Diese Situationen sind in Großstädten gang und gäbe. In Forchheim ist die Situation noch nicht so schlimm. Der Wohnungsmarkt ist nicht so überlastet wie in anderen Städten, dennoch bekommt auch Immobilienmaklerin Martina Hübner bei beliebten Wohnungen bis zu 150 Anfragen.

Erster Kontakt ist entscheidend

"Am beliebtesten sind Dreizimmerwohnungen", sagt die selbstständige Immobilienmaklerin. Und gerade bei solchen Wohnungen muss sich ein Bewerber von seiner besten Seite zeigen, um am Ende den Mietvertrag unterschreiben zu dürfen. "Beim ersten Kontakt ist es wichtig einen guten Eindruck zu hinterlassen", sagt Martina Hübner. Erste Informationen sollten bereits mitgeteilt werden: Wer will einziehen? Wie viele Personen? Plant man längerfristig in der Wohnung zu bleiben? "Arbeitgeber und Gehalt muss man nicht sofort mitteilen", meint Hübner.

Überzeugt man den Vermieter oder Immobilienmakler, kommt es zu einem Besichtigungstermin. "Hierbei sind die normalen Umgangsformen von Bedeutung", sagt Martina Hübner. Sollte eigentlich selbstverständlich sein - ist es aber oftmals nicht. Termine würden nicht abgesagt werden oder zum Termin wird nicht pünktlich erschienen. Wichtig ist es auch, die entsprechenden Unterlagen dabei zu haben: die letzten drei Gehaltsnachweise, Schufa-Bonitätsnachweis und eventuell eine Vorvermieterbescheinigung, um die Zahlungsfähigkeit zu bestätigen.

Worauf es aber neben der Zahlungsfähigkeit auch ankommt ist etwas anderes. "Wenn der Vermieter mit im Haus wohnt, spielt die Sympathie eine viel größere Rolle", sagt Martina Hübner.

Aber selbst wenn der Vermieter nicht im Haus wohnt, ist es trotzdem wichtig, dass sich beide Parteien miteinander verstehen. "Beide Seiten wünschen sich ein Kennenlernen bevor der Vertrag unterschrieben wird", so die Maklerin und dabei entscheiden oft die einfachen Umgangsformen, inwieweit die Sympathie zwischen beiden passt. Hübner hat noch nie erlebt, dass die Sympathie in diesem Stadium nicht gepasst hat. "Ich treffe immer eine Vorauswahl und weiß, was der Vermieter möchte." Haustiere sind ein häufiges K.O.-Kriterium für Vermieter. Aber auch dafür hat Martina Hübner einen Tipp: "Lassen Sie den Vermieter spüren, dass Sie sich darüber Gedanken gemacht haben." Beispielsweise könnte man anbieten die aktuelle Wohnung anschauen zu dürfen, um zu zeigen, dass die Katze nicht an den Türstöcken kratzt. Oder man teilt dem Vermieter mit, dass der Schäferhund mit ins Büro geht und nicht den ganzen Tag alleine in der Wohnung ist. Auch eine Tierhaftpflichtversicherung kann Bedenken bei Vermietern vermindern, sagt Martina Hübner.

Kinder hingegen sind nach der Erfahrung von Martina Hübner kein ausschlaggebender Grund für eine Absage. Hier liege es oftmals an etwas anderem: Wenn sich eine Familie mit zwei Kindern für eine Dreizimmer-Wohnung interessiere, dann rechne ein Vermieter damit, dass diese Familie nicht lange in der Wohnung bleibe, da diese einfach zu klein für sie wäre.

Einen perfekten Standardmieter gibt es nicht. Jeder Vermieter habe unterschiedliche Suchprofile.

Schnell sein ist wichtig

Bei einer Wohnung mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis dauert es etwa vier Wochen, bis die Wohnung wieder vermietet ist. Bis zu 150 Anfragen bekommt Hübner bei einer solchen Wohnung. Hier heißt es dann schnell sein: "Es ist wichtig sich schnell auf ein Inserat zu melden." Man könne über die Immobilienplattformen wie Immowelt eine Benachrichtigung einstellen, wenn es neue Inserate für die eigenen Vorstellungen gibt.

"Wenn jemand zu lange sucht, dann hat es Gründe", sagt Marina Hübner. Fehlende Bereitschaft sei es oftmals, die bei Wohnungsvermittlungen im Weg stehe. Zum Beispiel passiere es öfter, dass die Selbstauskunft nicht ausgefüllt werde, weswegen die Bewerber dann nicht mehr berücksichtigt werden können.

Die aktuelle Situation durch den Coronavirus verändert den Arbeitsalltag in der Immobilienbranche komplett. "Die klassische Abwicklung fehlt", sagt Martina Hübner. Durch die Beschränkung können Besichtigungstermine nicht durchgeführt werden. Allein Bilder, Videos und der Grundriss des Objekts können gezeigt werden. Aber: "Es wird keiner eine Wohnung kaufen oder mieten, ohne sie gesehen zu haben", summiert Hübner.