Forchheim
Philosophenviertel

Megabauprojekt in Forchheim: Verträge kurz vor dem Abschluss - Bevölkerung zwischen Vorfreude und Zweifel

Die Verträge zu einem der größten Wohnbauprojekte in der Stadtgeschichte Forchheims nehmen Gestalt an. In der Forchheimer Bevölkerung herrschen sowohl Vorfreude als auch Zweifel. Diese Woche fallen wichtige Entscheidungen.
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Der Investor wirbt direkt am Sportgelände in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße für das Philosophenviertel. Foto: Ronald Heck
Der Investor wirbt direkt am Sportgelände in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße für das Philosophenviertel. Foto: Ronald Heck
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Wo heute noch die Fußballer der SpVgg Jahn Forchheim kicken, sollen mehrstöckige Wohnbauten entstehen. Auch die Jahnhalle wird der geplanten Wohnsiedlung Philosophenviertel weichen. Mit der Stadtratssitzung am Dienstag (23. Juli 2019) sollen die teils schwierigen Verhandlungen zum Vereinsumzug und zum Verkauf des Jahngeländes an die Immobilienfirma Dignus abgeschlossen werden.

Geteilte Meinungen in Forchheim

Der Fränkische Tag wollte wissen, was die Forchheimer und Forchheimerinnen über eines der größten Wohnbauprojekte der Stadtgeschichte denken - und hat sich in der Fußgängerzone und im Netz umgehört.

"Also meinen Geschmack trifft es nicht", gibt eine Passantin offen zu. Die Forchheimerin wohnt selbst in der Innenstadt und vermietet Wohnungen. "Das ist zu viel Wohnraum für die Stadt auf einmal", findet sie. Es gebe aktuell genügend leerstehende Wohnungen auf dem Markt, sie selbst sucht seit fünf Monaten nach Mietern. "Ich finde es außerdem zu eng geplant und auch zu nah an Infiana dran", meint sie.

Einer anderen Frau hingegen gefallen die Pläne. "Ich würde einziehen, wenn ich mir dort eine Wohnung leisten kann", betont die Frau. Ein Passant stimmt ihr zu; dem 26-Jährigen gefällt die moderne Bauweise. Auf das Philosophenviertel angesprochen, reagieren an diesem Tag viele Jugendliche überrascht und schockiert. "Ich wusste gar nicht, dass auf dem Jahngelände gebaut werden soll", wundert sich ein 19-Jähriger: "Wir haben in der Jahnhalle unseren Abschluss gefeiert und auch an den Fußballplatz habe ich viele gute Erinnerungen." Genauso wie seine 16-jährige Freundin ist er dagegen, dass dort gebaut wird.

Auf der Facebook-Seite des FT Forchheims stoßen die von den Architekten erstellten, virtuellen Eindrücke des Philosophenviertels mehrheitlich auf Ablehnung. "In diesen Betonklötzen möchte ich nicht einmal wohnen, wenn es umsonst wäre", meint zum Beispiel Nicole K. "Für mich sind das Plattenbauten und absolut hässlich", kritisiert Alexander H.

Letzte Hürde im Stadtrat steht bevor

Die Stadträte und -rätinnen stehen dagegen zufrieden und einstimmig hinter dem Megaprojekt: Es entstehen nicht nur fast 300 neue Wohnungen, sondern es sind auch ein Boardinghaus, Flächen für Arztpraxen, Gewerbe und Kita geplant. Zudem sind ein Areal für Seniorenwohnen und ein Nachbarschafts-Café vorgesehen.

Die Einwände der benachbarten Folienfabrik Infiana seien abgewogen, erklärte Tilman Rütters, Chef des Hamburger Immobilienentwicklers Dignus. In der Stadtratssitzung am Dienstag soll die letzte Hürde für das Wohnbauprojekt genommen und final über den Beschluss abgestimmt werden. Aus Jahn- und VfB-Kreisen ist zu hören, dass die Verträge bereits unterschriftsfertig sind. Mit dem Beschluss am Abend wäre der Weg frei für das Philosophenviertel.

Das sind die Pläne für die Wohnsiedlung Philosophenviertel in Forchheim

Wohnflächen Auf den Sportflächen der SpVGG Forchheim und ATSV Forchheim soll ein hochverdichtetes innerstädtisches Wohnquartier mit circa 286 Wohnungen entstehen. Mit dem Philosophenviertel soll vor allem Wohnraum geschaffen werden. Von diesen Wohnungen sollen, wie mit dem Hamburger Immobilieninvestor Dignus ausgehandelt, 90 statt 72 Mietwohnungen im geförderten Wohnungsbau realisiert werden.

Kita Auf dem Areal soll eine Kindertagesstätte für einen ermittelten Bedarf von 148 Plätzen realisiert werden.

Arztpraxen Auch das Arbeiten im Quartier soll ermöglicht werden. Zur Belebung des Plangebietes soll in den westlichen Gebäuderiegel ein kleiner Nachbarschaftsladen einschließlich einer Bäckerei mit einem Café untergebracht werden. In diesem Gebäudekomplex ist verteilt auf zwei Etagen zudem die Unterbringung von Arztpraxen sowie ergänzend etwa eine Physiotherapie und eine Krankengymnastik vorgesehen.

Boardinghaus In den östlichen Gebäuderiegel in Richtung der benachbarten Firma Infiana wird neben Wohnungen auch ein Boardinghaus mit 70 Wohnungen integriert. Dort werden, ähnlich wie in einem Hotel, Zimmer oder Apartments auf Zeit vermietet.

Seniorenwohnen Im nördlichen Komplex soll Seniorenwohnen mit Anschluss an ein Pflegesystem sowie ein betreutes Wohnen ermöglicht werden. Dazu soll in diesem Bereich ein Nachbarschafts-Café für den stationären Mittagstisch kommen.

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