Forchheim
Innovation

Medical Valley in Forchheim: Start-up Mindpax entwickelt Digitalgerät gegen Depression

Mit Sensor, App und Internet: Das Mindpax-Team entwickelt ein System, um psychisch Kranken zu helfen. Die Tschechen sind dafür extra nach Forchheim gezogen.
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Kleiner Sensor mit großer Wirkung: Das Mindpax-System wertet Biorhythmus-Daten von Patienten aus. Die Erfinder hoffen so, erstmals Panikattacken, Depressionen oder Rückfälle von schwer psychisch kranken Menschen vorhersagen zu können.Mindpax
Kleiner Sensor mit großer Wirkung: Das Mindpax-System wertet Biorhythmus-Daten von Patienten aus. Die Erfinder hoffen so, erstmals Panikattacken, Depressionen oder Rückfälle von schwer psychisch kranken Menschen vorhersagen zu können.Mindpax
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Das Start-up Mindpax hat eine Vision - Digitale Technologie soll Patienten mit schweren psychischen Krankheiten wie bipolarer Störung oder Schizophrenie helfen. Die tschechischen Entwickler arbeiten an einem medizinischen Gerät, das Daten von psychisch Kranken sammelt und den behandelnden Arzt warnt, bevor sich die psychische Gesundheit verschlimmert.

Damit diese neuartige Erfindung den nächsten Schritt nehmen kann und künftig womöglich Patienten in ganz Europa davon profitieren, hat das Mindpax-Team eine zweite Heimat in Forchheim gefunden. "Wir passen perfekt ins Konzept des Medical Valley Centers, weil wir Technologie nutzen, um die Gesundheitsversorgung und den Zustand von Patienten zu verbessern", erklärt Sona Sikorová von Mindpax.


Warnsystem vor Depression und Attacken

Das Start-up wurde vor zwei Jahren in Prag gegründet. Die Idee ist ein Frühwarnsystem für Menschen mit Depression, bipolarer Störung oder Schizophrenie zu entwickeln. "Es gibt bislang noch niemanden auf der Welt, der Attacken vorhersagen kann", betont Sikorová. Das will Mindpax ändern.



So funktioniert das System: Der Patient trägt einen Sensor am Körper, zum Beispiel in einem Armband oder in einer Fitnessuhr. Das Gerät zeichnet auf, wie viel sich der Betroffene tagsüber bewegt und wie lang und regelmäßig er nachts schläft. Die Biorhythmus-Daten werden erst per Bluetooth an eine App und dann verschlüsselt an eine Datenbank gesendet.

Ein Algorithmus, also eine digitale künstliche Intelligenz, wertet die persönlichen Biorhythmus-Daten aus und erkennt Abweichungen "Wir müssen dort hinschauen, wo der Rhythmus aus dem Gleichgewicht kommt", so Sikorová. Denn dann drohe dem Patienten ein Krankheitsschub. Das Mindpax-System sendet ein Warnsignal an den behandelnden Arzt, der frühzeitig reagieren kann.


Forchheim wird Zentrum für bayernweite Studie

Eine Mindpax-Studie in Tschechien mit hunderten Patienten, die eine bipolaren Störung haben, habe bereits wertvolle Erkenntnisse gebracht. Um den Algorithmus weiter zu verbessern wollen die Entwickler nun eine Studie mit 200 Schizophrenie-Patienten in Bayern durchführen. Ein weiterer Grund, warum die Tschechen die deutsche Mindpax GmbH in Forchheim gegründet haben, so Sikorová. "Deutschland ist der beste Ort, um das Gerät zu entwickeln. Denn hier gelten sehr strikte Qualitätsvorschriften bei klinischen Studien", betont ihr Kollege TomᚠKovárík. Das Medical Valley habe dem Start-up sehr geholfen.

Bisher sind Mindpax-Mitarbeiter zweimal in der Woche in Forchheim - das soll sich bald ändern. Der Großteil des 15-Personen-Teams, inklusive Management und dem medizinischen Leiter Filip Španiel, ziehen bald von Tschechien nach Forchheim um. Mindpax arbeitet bereits mit Kliniken und Universitäten in Ansbach, München und Erlangen zusammen. Für die bayernweite Schizophrenie-Studie setzt das Start-up außerdem auf Unterstützung aus der Region: Mindpax sucht nach Studentinnen und Studenten, die im Bereich von psychischen Krankheiten lernen, und bei der klinische Studie mitarbeiten. Auf Facebook hat das Start-up eine Anzeige geschaltet, um junge Nachwuchsforscher aus Bayern anzuwerben. Mit ihrer Hilfe soll psychisch Kranken eine Gerät an die Hand gegeben werden, um besser mit ihrer Krankheit leben zu können.


Das macht das Medical Valley Center in Forchheim

Räume Das Medical Valley Center Forchheim bietet in der Äußeren Nürnberger 62 Büroflächen für Start-ups und wachstumsstarke Unternehmen im Bereich Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft an.

Förderung Die Einrichtung stellt den Unternehmern für drei Monate gratis Büroflächen zur Verfügung und hilft dabei Fördergelder zu akquirieren und Investoren zu gewinnen.

Arbeitsplätze Inzwischen haben etwa 20 Unternehmen aus dem Bereich der Medizintechnik ihren Sitz in Forchheim und sorgen für 3800 Arbeitsplätze. Damit ist Forchheim in Bayern Spitzenreiter.

Vermietung Im Januar 2017 wurde das MVC eröffnet. Es bietet 4800 Quadratmeter auf vier Etagen. 2400 Quadratmeter sind vermietbar und 75 Prozent tatsächlich schon vermietet.
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