Forchheim
Ressourcen

Material mit Vorurteilen belastet

Im Wegebau werden noch immer kostbare Rohstoffe verschwendet. Doch der Landkreis Forchheim könnte bei dem Thema zum Vorbild werden.
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Im Zuge des ICE-Ausbaus werden in Eggolsheim die Wege neben der Bahn mit recyceltem Bauschutt hergestellt.  Foto: Josef Hofbauer
Im Zuge des ICE-Ausbaus werden in Eggolsheim die Wege neben der Bahn mit recyceltem Bauschutt hergestellt. Foto: Josef Hofbauer

Dieses Material gibt es im Überfluss und mit jedem Bruchstück könnten Ressourcen gespart werden. Dennoch misslingt in den meisten Kommunen ein sinnvoller Umgang mit recyceltem Bauschutt. Statt ihn im Straßenbau einzusetzen, belastet er den knappen und teuren Deponieraum. Gleichzeitig werden im Wegebau rar gewordene Ressourcen wie Sand und Kies benutzt.

"Doch jetzt scheint Bewegung in das Thema zu kommen", sagte Stefan Schmidmeyer, der Geschäftsführer des bayerischen Baustoff Recycling-Verbandes dem FT am Montag.

Der Verband hatte sich im Juli mit einem Fragekatalog an die Landratsämter in Bayern gewandt. Und wollte herausfinden, weshalb zertifiziertes Recyclingmaterial in der Bauwirtschaft nicht ausreichend eingesetzt werde. Eine zentrale Frage lautete: Ob Landkreise den Einsatz des ressourcenschonenden Baustoffes überhaupt fördern? Eine andere: Ob die Güte des Bauschutts in den Landkreisen kontrolliert werde - und wie?

Die Bauexperten des Landkreises Forchheim haben sich mit dem Fragenkatalog (sieben Themen) des Verbandes auseinandergesetzt. Recyclingbaustoffe würden "soweit wie möglich" verwendet, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. "Die überwiegende Zahl der Anfragen kann positiv beschieden werden." Im Sinne des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes habe die "Wiederverwertung absolut Priorität".

Doch genau betrachtet stehen die Verantwortlichen in puncto Bauschutt-Recycling erst am Anfang. Ein entscheidender Schritt dürfte Mitte Dezember im Landkreis Forchheim bevorstehen, mein Stefan Schmidmeyer. Er freut sich darüber, dass Landrat Hermann Ulm (CSU) eine sogenannte Bürgermeister-Dienstbesprechung einberufen hat. "Das ist ein großer Erfolg, wenn sich die Bürgermeister und die Verantwortlichen der Kommunen mit der Vergabe beschäftigen."

Schmidmeyer deutet an, dass das Wissen, wie Bodenaushub behandelt werden sollte, mehr als dürftig sei. Hinzu komme, dass es in den Landkreisen "viele Lagerplätze gibt, die gar nicht genehmigt sind."

Bodenaushub waschen

Schmidmeyer verweist auf die Schweiz: Dort habe man erkannt, wie kostbar der Bodenaushub sei: "Der Aushub wird gewaschen - und dann wird wiederverwendet, was wir wegschmeißen." Dem Eggolsheimer Unternehmer Hermann Plail, der auch im Vorstand des bayerischen Baustoff-Recycling-Verbandes sitzt, geht das alles zu langsam. Immerhin: Rund 4000 Tonnen zertifizierter Bauschutt wurde jüngst in Eggolsheim in einen "bahnbegleitenden Weg" eingebaut. Ein "Pilotprojekt" nennt Plail das. "Doch Insgesamt hat sich an der Situation nichts geändert." Es gebe zu viele "Querschläger". Regelrecht in Wut gerate er, sagt Plail, wenn er an die vielen Architekten denke, die schon bei der Planung erkennen ließen, dass sie "Recyclingmaterial ablehnen".

"Reine Vorurteile" seien das, betont Thomas Jobst. Er arbeitet für das Unternehmen Markgraf in Bayreuth. Jobst ist Projektleiter der bahnbegleitenden Wege bei Eggolsheim. Leider werde der Einsatz von Recycling-Baustoffen in den Gemeinden unterschiedlich gehandhabt", bedauert Jobst. Und dies, obwohl das "Richtlinienwerk" eindeutig sei und die Güte des Materials überwacht werde. Die "Unwissenheit der Richtlinien" führe dazu, dass der "bestens geeignete Bauschutt" ignoriert werde.

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