Forchheim
Gottesdiensttest

Martinskirche Forchheim: Ein bodenständiger Gottesdienst

Zu Besuch in der Pfarrei St. Martin: Wir haben uns für die Messfeier um 11 Uhr entschieden, sonntags werden am Morgen und am Abend weitere angeboten.
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Die Kirche St. Martin in Forchheim. Foto: Reinhold Glas/Archiv
Die Kirche St. Martin in Forchheim. Foto: Reinhold Glas/Archiv
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Das Urteil unseres Testers

Die Pfarrei St. Martin bietet an den meisten Sonntagen drei Gottesdienste an. Zur zweiten Messfeier um 11 Uhr ist die Kirche gut gefüllt. Die vorgetragenen Texte (Lesung, Predigt und Fürbitten) sind gut verständlich und werden in einem angenehmen Ton gelesen. Die Predigt ist eher traditionell und alltagsfern, auch die Begrüßung und die Verabschiedung könnten etwas persönlicher ausfallen.

Die Bewertungen im Einzelnen:

1. Einstieg Ein angenehm lautes Orgelspiel sollte die Gottesdienstbesucher in St. Martin offenkundig darauf hinweisen, dass es jetzt los geht mit dem Gottesdienst. Den um 11 Uhr hält an diesem Sonntag Pfarrer Friedrich Braun, der bereits im Ruhestand ist, aber aushilfsweise noch Gottesdienste gestaltet. Nach den ersten Strophen des Anfangsliedes begrüßt der Pfarrer die Gläubigen in ruhigem Ton. Die Begrüßung ist kurz und sachlich. Zu Beginn verkündet der Pfarrer, welchen Verstorbenen heute gedacht wird. 2. Musik Der Organist spielt die Lieder sehr gut, ohne große Überraschungen. Falsche Töne sind keine dabei. Es werden im Laufe des Gottesdienstes zwar regelmäßig Lieder angestimmt, aber dann meist nur eine oder zwei Strophen. Die Liedauswahl ist eher konservativ. Die Gemeinde hält sich beim Mitsingen eher zurück.

3. Lesungen Die Lesung aus dem alten Testament (Paulus) übernimmt ein Gemeindemitglied, die Dame spricht laut genug und deutlich, an manchen Stellen wirkt die Lesung etwas holprig. Der vorgetragene Text ist nicht zu lange, so können die Gläubigen leicht dem Gesagten folgen. Dann erklingt ein meditatives Orgelspiel.

4. Predigt Ein packender Einstieg in die Predigt fehlt, stattdessen rezitiert der Geistliche noch einmal Stellen aus dem Evangelium. Nach einigen Sätzen versucht der Pfarrer zumindest, die im Evangelium angesprochenen Themen auf die heutige Zeit zu übertragen. "Sehen wir nicht auch in der heutigen Zeit manche als Menschen zweiter Klasse?", ist ein Gedanke der Predigt. Insgesamt wirkt die Predigt wenig tiefgründig. Angenehm: Insgesamt dauert sie höchstens fünf Minuten, das reicht vollkommen aus, so bleiben die Kirchenbesucher konzentriert.

5. Kommunion/Abendmahl Die Kommunion wird in Form einer Wandelkommunion gereicht. Die Besucher verlassen ihre Bänke, gehen in den Altarraum, um hier die Hostie in Empfang zu nehmen. Das Ganze dauert nicht zu lange, da vier Kommunionhelfer die Hostien austeilen. Währendessen erklingt leise und meditative Orgelmusik. Angenehm: Nach dem Austeilen der Kommunion bleibt genug Zeit, um in Ruhe zurück in die Bank zu gehen und dort innezuhalten.

6. Segen

Zum Ende des Gottesdienstes verabschiedet der Pfarrer die Kirchenbesucher mit dem üblichen Segensspruch. Mit einem Satz wünscht er der Gemeinde noch eine schöne Woche. Ohne weitere persönliche Worte beendet er den Gottesdienst.

7. Ambiente Beim Betreten der Kirche fällt sofort die basilikale Anlage mit den beiden niedrigeren mit reichlich Stuckdekoration versehenen Seitenschiffen und dem hohen gotischen Chor in die Augen. Insgesamt ist es in der Kirche eher düster als hell. Blumenschmuck gibt es nur wenig. Einzig störend für den, der sich spirituell einfangen lassen möchte: Die wenigen Kinder, die in den hinteren Bankreihen den Gottesdienst verfolgen, erweisen sich als ausgesprochen geschwätzig, ohne dass hier jemand regulierend eingreifen würde.

8. Kirchenbänke Man sollte nicht unterschätzen, wie sich in einer Kirche die Sitzgelegenheiten präsentieren. Angenehm ist: Auf den Sitzbänken liegen gepolsterte Auflagen, so wird es etwas weicher und Besucher verkühlen sich nicht. Auch die Kniebank ist gepolstert und mit Leder bespannt, das macht das Knien erträglicher. Der Abstand zwischen der Knie- und der Sitzbank ist angenehm. Die Ablage für die Gebetsbücher ist ausreichend groß, ein Gebetbuch passt aufgeschlagen gerade so darauf, ohne dass der Vordermann anstößt. Schön: Für Hüte oder Handtaschen gibt es einen kleinen Haken.

9. Beleuchtung

Mit Licht lässt sich wunderbar Stimmung erzeugen. Am hellichten Tag, noch dazu bei gutem Wetter, ist es in der Pfarrkirche St. Martin nicht zu dunkel. Wenn draußen nicht gerade die Sonne scheint, kann es in dem Kirchenschiff, vor allem in den hinteren Bänken, aber etwas düster werden. Durch die Fenster fällt dann nicht viel Licht herein. Von der Decke hängen einige Leuchten, die angeschaltet sind. So ist der Text im Gesangbuch gut lesbar. Kerzen brennen nur wenige.

10. Sinne Die Glocken der St. Martin-Kirche rufen in angenehm lautem Ton zum Gottesdienst, im Inneren der Kirche hört man diese nicht zu laut. Auch wenn bei diesem Gottesdienst kein Weihrauch verbreitet wird, duftet es im Kircheninnern leicht danach. Die Temperatur in der Kirche ist angenehm. Beim Friedensgruß geben sich die Sitznachbarn die Hand.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben. Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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