Forchheim
Prozess

Mann nach Fahrerflucht in Forchheim verurteilt

Ein Nummerschild liegt am Unfallort in Forchheim. Polizisten finden das Auto und den betrunkenen Besitzer. Vor Gericht beharrt er aber auf seiner Unschuld.
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Im Februar wird ein Verkehrsschild in Forchheim umgefahren, ein Nummernschild liegt neben der Unfallstelle.  Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Im Februar wird ein Verkehrsschild in Forchheim umgefahren, ein Nummernschild liegt neben der Unfallstelle. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Beschuldigte schwieg während der ganzen Verhandlung. Der 28-Jährige machte von seinem Schweigerecht Gebrauch und sagte vor dem Amtsgericht Forchheim zu dem Vorwurf nicht aus. Er soll Anfang Februar nachts alkoholisiert gegen ein Verkehrsschild in Forchheim gefahren und geflüchtet sein.

Polizisten fanden sein Kennzeichen am Unfallort und entdeckten den 28-Jährigen und sein beschädigtes Auto kurz darauf an einer Bar in Forchheim. Er war betrunken und trug die Autoschlüssel bei sich - dennoch beharrte er auf seiner Unschuld.

Trotz belastender Indizien plädierte sein Verteidiger dafür, seinen Mandanten freizusprechen. Doch am Ende stand das Urteil: Der 28-Jährige muss eine Geldstrafe zahlen und sein Führerschein bleibt eingezogen.


Nummerschild lag am Unfallort an der Adenauerallee

Laut Anklageschrift fuhr der Mann am 4. Februar gegen 3 Uhr nachts betrunken mit seinem BMW auf der Unteren Kellerstraße in Forchheim. Kurz vor der Einmündung zur Adenauerallee stieß er gegen ein Verkehrsschild. Das blaue Schild mit dem weißen Pfeil zeigte die vorgeschriebene Vorbeifahrt an. Das Standrohr des Zeichens brach und es entstand ein Schaden von 150 Euro. Durch den Unfall verlor der BMW die Kennzeichenhalterung und das Nummernschild.


Unfallauto steht vor Club in Forchheim

Der Unfall blieb nicht lange unentdeckt: Ein Polizeibeamter berichtete vor Gericht, wie sie den Angeklagten in der Nacht entdeckten. Den Beamten ist im Streifenwagen ein Fahrzeug ohne Kennzeichen entgegen gefahren. Der Fahrer war männlich, doch sie konnten nicht sehen, wer am Steuer saß. Die Polizisten konnten das Auto nicht rechtzeitig anhalten.

Gegen 3.05 Uhr kamen sie zur Unfallstelle, auf der Fahrbahn lag das Nummernschild. Durch eine Halterabfrage stellte sich heraus, dass das Fahrzeug auf die Mutter des Beschuldigten angemeldet ist. Die Beamten machten sich auf die Suche und entdeckten das Auto in der Nähe vor dem Club "Backstage" in Forchheim.


Polizisten entdecken den betrunkenen Autobesitzer

Während die Polizisten noch das Auto begutachteten, fiel ihnen der Angeklagte auf, der neugierig in der Nähe stand. Sie befragten ihn und er gab zu, dass es sein Auto ist. Der 28-Jährige sei offensichtlich betrunken gewesen, ein Atemalkoholtest bestätigte den Verdacht.

In der Hosentasche des Mannes fanden die Beamten die Autoschlüssel. Der 28-Jährige beharrte aber darauf, dass er nicht gefahren sei. Ein weiterer Mann und eine Frau kamen hinzu und behaupteten ebenfalls, dass er nicht der Fahrer sei. Als sich der 28-Jährige weigerte in den Streifenwagen einzusteigen, legten die Polizisten ihm kurzfristig Handschellen an.

"Im Auto hat er gesagt: Das Bereinigen des Unfallschadens wäre ihm egal, er möchte nur nicht seinen Führerschein verlieren", erinnert sich der Beamte. Ein Blutalkoholtest kurz vor 5 Uhr ergaben 1,33 Promille.


Verteidiger kritisiert Ermittlungen

"Ich kann jeden verstehen, der sagt, der Angeklagte ist verdächtig", räumte der Verteidiger Norbert Schreck ein. Trotzdem forderte er einen Freispruch. "Fakt ist: Es hat ihn keiner fahren sehen. Als Indizien haben wir nur, dass er die Autoschlüssel bei sich hatte."

Dass er neugierig in der Nähe des Unfallautos herumstand, reiche als Indiz nicht aus. Der Rechtsanwalt kritisierte, dass die beiden Menschen, die sich vor dem Club einmischten, nicht namentlich als Zeugen erfasst wurden. "Da hat man es sich sehr leicht gemacht. Ich meine auch das ist zugunsten des Angeklagten zu werten", so Schreck.

Der Staatsanwalt hingegen war von der Schuld überzeugt. "Das Verhalten passt einfach zusammen. Man verursacht einen kleinen Schaden und sucht erst mal das Weite. Die Polizeibeamten hielten ihn für dringend verdächtig. Ich halte ihn für schuldig", so der Staatsanwalt. Er forderte eine Strafe von 70 Tagessätzen zu je 30 Euro und den Entzug der Fahrerlaubnis.


Verteidigung kann weiterhin Berufung einlegen

Der 28-Jährige hat vier Eintragungen im Bundeszentralregister und ist unter anderem wegen Trunkenheit am Steuer vorbestraft. Amtsrichterin Silke Schneider schloss sich dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an und verurteilte den Beschuldigten zu 2100 Euro Geldstrafe. Außerdem wird sein Führerschein für insgesamt 13 Monate eingezogen, sieben Monate stehen noch aus. Die Verteidigung behielt sich das Recht vor, Einspruch dagegen einzulegen.
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