Affalterthal

Märchenwelt bei Familie Trautner: Das Disneyland von Affalterthal

Auf 70 Quadratmetern hat Georg Trautner eine eigentümliche Märchenwelt geschaffen. Sieben Jahre nach seinem Tod bewahren Tochter und Schwiegersohn sein faszinierendes Erbe.
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Foto: Petra Malbrich
Foto: Petra Malbrich
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Mit ihrem typischen "Dick und Doof"- Lachen lachen Stan Laurel und Oliver Hardy auf einer Bank sitzend jeden an, der auf der Affalthertaler Hauptstraße unterwegs ist. Einige Meter weiter rechts steht Schneewittchen und hält den vergifteten Apfel in der Hand.

Dort, wo die vielen Zwerge stehen, sitzt auch Pinocchio mit seiner langen roten Nase. Er hat wohl gerade gelogen. Neben ihm die imposante Ritterburg, um die ein Zug herum fährt. Der folgende Vergleich hinkt höchstens ein kleines Bisschen: Paris hat sein Disneyland, Affalterthal die 70 Quadratmeter Garten von Georg und Lina Trautner.

"An Ostern und in den Sommerferien waren hier oft so viele Autos, dass man kaum mehr in die Einfahrt kam", berichtet Gertraud Pieger vom Interesse am Märchengarten. Zusammen mit ihrem Mann Georg hält sie mit dem Garten das Andenken an ihren Vater Georg Trautner aufrecht. Trautner selbst ist vor sieben Jahren gestorben.
Der Garten, die vielen Figuren und Gebäude waren für Trautner ein steter Quell der Lebensfreude. "Oft war er einen halben Tag im Garten und unterhielt sich mit den Leuten", erinnert sich Gertraud Pieger.

Eltern und Kinder, die Großeltern und ihre Enkel liefen durch den Figurengarten und lassen sich von den Zwergen und anderen kleinen Figuren ein klein wenig verzaubern. Seit 25 Jahren kommen die Piegers jedes Wochenende nach Affalterthal, wo Gertraud Pieger mit ihren Eltern aufgewachsen. Erst haben sie die Buchsbäumchen wieder in ihre quadratische Form geschnitten. Georg Pieger hat zudem dem Pilz einen kräftigen roten Haubenanstrich verpasst und an der Kirche die Holztüre erneuert. Das Sägewerk, das Georg Pieger selbst gebaut hat, läuft mit einem Wassergetriebe. Wer das detailgetreue Miniaturwerk durch das schützende Haus aus Plexiglas betrachtet, kann erkennen, wie sich das Wasser in seinem Bett entlang schlängelte. Auch die Mühle ist mit Wasser betrieben.

Die Freunden des Rentners

Ein paar Hundert Figuren stehen, sitzen, unterhalten sich und arbeiten in Trautners Garten. Im Herbst packen Gertraud und Georg Pieger die kleineren Figuren in eine Schubkarre und bringen sie ins geschützte Haus. Georg Pieger, der mit einer Geduld und Umsicht den Garten weiterführt, weiß genau, wo er die Figuren im Frühjahr wieder aufstellen muss.

Nur die großen Figuren, die nach dem Kauf mit einem Wägelchen in den Garten gefahren werden mussten, überwintern dort unter ihrem Schutzhaus. Diese fertigte Georg Trautner noch zu seinen Lebzeiten mit Schwiegersohn Georg an, weil die Figuren so schnell verwittert waren.

Unter einem durchsichtigen Schutzhaus lebt auch der große Gartenzwerg. "Mit ihm fing alles an", lacht Gertraud Pieger. Der Garten war bis 1992 ein Haus: 140 Quadratmeter mit Grundstück. Zusammen mit den Nachbarn kauften die Piegers das Haus , ließen es abreißen und teilten sich den Grund. Georg Trautner wusste da schon, dass auf seinen 70 Quadratmetern sein Garten entstehen sollte. Als Rentner wollte er basteln und nachholen, wozu er als Landwirt nie die Zeit hatte. Zum 65. Geburtstag bekam er den großen Gartenzwerg, der allerdings schon zwei Wochen später gestohlen wurde.

Meist kaufte Georg Trautner die doch recht teuren Figuren in Tschechien. Aber er basteltet auch selbst. Dann verschwand er im Winter in seinen Kuhstall, bearbeitete Bretter und goss mit Zement die Gebäude, die in Miniaturausgabe in seinem Garten einen Platz erhalten sollten. So gestaltetet er unter anderem seinen eigenen Bauernhof, die Kirche von Affalterthal, das alte Pfarrhaus oder die Burg von Egloffstein.

Großer Auftritt an Ostern

Die Fenster der Gebäude wurden mit Styropor verdeckt, bis das Gebäude fertig war. Dann setzte Schwiegersohn Georg Pieger die Fenster ein. Der gelernte Schreiner war im Grunde für alle Feinarbeiten zuständig.

Die Elektrik legte ein Bekannter von Georg Pieger. Denn jedes Haus war beleuchtet, und Georg Trautner ließ jeden Abend den Garten erstrahlen. Die Dekoration blieb das gesamte Jahr lang dieselbe. Nur an Ostern hatten die Osterzwerge ihren großen Auftritt. Dann wurde auch der Springbrunnen zum Osterbrunnen. Eine kleine Spendenkasse stand bereit, und so mancher Gartenbesucher warf ein paar Münzen hinein.

Das Geld spendete Georg Trautner der Kirche. Eine Attraktion ist der Garten aber auch heute noch das ganze Jahr über. Denn jeden Tag aufs Neue sitzen Dick und Doof am Straßenrand und laden zu einer Gartenbesichtigung ein.

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