Gräfenberg
Jubiläumslesung

Literatur ist wie das Leben

Im Poeten Eckala in Gräfenberg stellt Renate Krause ein Buch über E-Mails vor. Im Porträt stellen wir Renate Krause vor.
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Renate Krause liest am 17. Februar um 16 Uhr im Poeten Eckala am Marktplatz in Gräfenberg. Foto: Petra Malbrich
Renate Krause liest am 17. Februar um 16 Uhr im Poeten Eckala am Marktplatz in Gräfenberg. Foto: Petra Malbrich
Jeder liest, was ihm gefällt, ist nicht nur der Hintergedanke der Lesungen im Poeten Eckala am Marktplatz in Gräfenberg. Es zeigt: Richtige oder falsche Literatur gibt es nicht. Sie ist so facettenreich wie das Leben selbst und jeder verbindet ein Stück Lebensgeschichte damit. Auch Renate Krause, die bei der Veranstaltung zum 50. Jubiläum am Sonntag, 17. Februar, um 16 Uhr liest.
Die langjährige Stadträtin, Vorsitzende des Kreisverbands der Freien Wähler Forchheim und Kulturbeauftragte der Stadt Gräfenberg stieß nur zufällig auf das Buch, aus dem sie vorlesen wird. Ihr Interesse wurde geweckt, da das grobe Handlungskonstrukt des Romans eine Parallele zu ihrem Beruf (Fachlehrerin für Maschinenschreiben, Stenografie und Informationstechnologie) bildet.
In die Welt der Bücher erhielt die Sollenbergerin schon früh Einblick. "Mein Patenonkel war Buchhändler in Hildesheim.
Da bekam ich zu Weihnachten und zum Geburtstag immer auch ein Buch geschenkt", erinnert sich Krause. Ihr junges Leben, das nicht immer leicht war. Ihre Eltern mussten 1945 aus Niederschlesien vor der Roten Armee flüchten.
In Egloffstein kam Renate zur Welt, doch noch vor ihrer Einschulung zog die Familie nach Gräfenberg, wo sie eine neue Heimat fanden. Renate Krauses Wissenshunger drängte sie nach mehr, was für eine junge Frau auf dem Land nicht einfach war. Den Besuch eines Gymnasiums erlaubten ihre Eltern nicht. Renate Krause setzte aber den Besuch der Mittelschule durch, wie die Realschule früher bezeichnet wurde. Dafür musste die junge Renate schon früh um 5.30 Uhr mit dem Postbus nach Forchheim fahren. Sie ging gerne zur Schule. Die Schule und damit verbunden die Bücher prägten ihren weiteren Lebenslauf. Nach der Ausbildung zur Stenotypistin bei Siemens arbeitete sie als Sekretärin in der Gräfenberger Volksschule. Obwohl sie damals verheiratet und Mutter eines Sohnes war, folgte sie dem Ansporn des Lehrerkollegiums und bildetet sich zur Fachlehrerin weiter.
Ihre erste Anstellung erhielt sie als Lehrerin in einer Hauptschule in Erlangen, dann an der Wirtschaftsschule in Nürnberg, bis schließlich an der Gräfenberger Realschule eine Lehrerstelle frei wurde. Kaum war sie dort, wurde die EDV eingeführt. "Das bedeutete großes Engagement im Selbststudium, um IT unterrichten zu können", sagt Krause, die während dieser fast 20 Jahre hauptsächlich Fachliteratur in sich konsumierte. Aber die Bücher brachten sie auf ihrem Lebensweg voran, gaben ihr immer die nötige Energie.
Bald nach der Ehescheidung traf die engagierte Frau mit einer schweren Erkrankung der nächste harte Schicksalsschlag. Kraft, diese persönliche Krise zu meistern, zu gesunden und persönlich gestärkt zu werden, erhielt Renate Krause wieder aus der Literatur. "Durch Hermann Hesse und dessen Gedicht ,Stufen'", sagt Krause. Hesse und andere Klassiker gehören zu ihren bevorzugten Autoren.
Doch ebenso vielschichtig wie das Leben ist das Buch, das die Kulturbeauftragte für die Jubiläumslesung ausgewählt hat. Es sei nur so viel verraten: Der Roman handelt von E-Mails.
"Obwohl man bei E-Mails eher an eine einfache, platte Sprache denkt, ist es in unerwartet anspruchsvoller Sprache geschrieben", meint die Fachlehrerin. Und überaus unterhaltsam.

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