Poxdorf
Literaturwettbewerb

Literarische Ernte wird eingefahren

Der vom Poxdorfer Autor Johannes Heiner gestiftete Literaturpreis "Bedrohte Umwelt" ist in ganz Deutschland und in Österreich auf Resonanz gestoßen.
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Sabine Hansen und Johannes Heiner belohnen heute Abend vier Preisträger für die Früchte ihrer Arbeit. Die zweite Preisträgerin erwartet dieser Erntekorb mit Früchten aus dem Garten. Foto: Ekkehard Roepert
Sabine Hansen und Johannes Heiner belohnen heute Abend vier Preisträger für die Früchte ihrer Arbeit. Die zweite Preisträgerin erwartet dieser Erntekorb mit Früchten aus dem Garten. Foto: Ekkehard Roepert

Die "schwindende Grünkraft" und der fahrlässige Umgang mit der Natur beschäftigen Johannes Heiner seit Jahren. Als der Literat und Betreiber des Poxdorfer Lesehauses dann im April einen Literaturpreis zu dem Thema auslobte, traf er den Nerv. Durch die Europawahl seien die Schlagwörter Klimawandel und Erderwärmung zusätzlich befeuert worden, sagt Johannes Heiner.

Aus ganz Deutschland und aus Österreich schickten 52 schreibende Menschen über 100 Texte zum Wettbewerbsthema "Bedrohte Umwelt" nach Poxdorf.

Ruhrpott meldet sich zu Wort

Die Rechnung Heiners, dass Literatur dazu beitragen kann, das gesellschaftliche Bewusstsein zu schärfen, scheint aufzugehen. Es sei vielleicht auch kein Zufall, dass besonders viele Einsendungen aus dem Ruhrpott kamen, meint Heiner; weil in diesem Ballungsraum der schonende Umgang mit der Natur ein besonderes Anliegen sei.

"Damit haben wir niemals gerechnet", freut sich Sabine Hansen über die rege Teilnahme. Die Poxdorferin saß in der vierköpfigen Jury und betont, dass sie sich auch persönlich von den Texten habe inspirieren lassen. "Ich bekam den Impuls, zu demonstrieren." Nach dem Lesen der Texte habe sie sich am 20. September dem Klima-Streik angeschlossen. Für Sabine Hansen war das ein bedeutendes Kriterium beim Beurteilen der Texte: Gelingt es der Autorin oder dem Autor, einen Impuls an den Leser auszusenden, um selbst zu handeln?

Johannes Heiner erzählt, dass die monatelange Jury-Arbeit auch deshalb so anregend gewesen sei, weil zwei Juroren vermehrt die literarische Qualität im Blick hatten, während die anderen beiden den Aspekt des Engagements wichtiger fanden.

Weil die Zahl der preiswürdigen Texte die Zahl der Preise bei weitem übertraf, haben sich die Juroren entschlossen, den dritten Preis zwei Mal zu vergeben. Außerdem legte die Jury eine Short-List mit zwölf Autoren fest: Deren Texte sollen als Buch erscheinen. Daher hoffen Sabine Hansen und Johannes Heiner, dass der Druckkosten-Zuschuss, den die Forchheimer Kulturbeauftragte Katja Browarzik in Aussicht gestellt hat, am Ende auch wirklich fließt.

Mindestens 1000 Euro benötigt das Poxdorfer Lesehaus, um die zwölf schönsten Texte des Wettbewerbs zu publizieren. Ohne öffentliche Mittel sei das nicht zu machen, sagt Johannes Heiner. Der Literaturpreis selbst komme bewusst ohne Preisgeld aus, betont Sabine Hansen: Dadurch werde die Teilnahme durch die Sache motiviert - und nicht durch die Hoffnung auf ein Preisgeld.

Autorinnen gewinnen

In der Ausschreibung seines Literaturpreises hatte Johannes Heiner "auf Unterhaltung statt auf Alarmtexte" gesetzt. Dieses Anliegen hat sich nur zum Teil erfüllt. Die vorwiegend jungen Autorinnen (zwei Drittel der Einsendungen kamen von Frauen) lieferten zwar "wunderbare Texte", lobt Heiner; aber die literarische Qualität habe mitunter gefehlt. Stattdessen sei auch viel "Weltuntergangsstimmung" produziert worden.

Das Sieger-Quartett ist weiblich. Ein dritter Preis geht nach Wien. In der Short-List findet sich auch ein Forchheimer Autor und einer aus dem Literaturcafé Wissensdurst.

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