Forchheim
Urteil

Oberfranken: Mehrere Eintragungen, Bewährungsversager - Letzte Warnung für 18-Jährigen

Weil er den Notruf missbraucht hatte, verurteilte das Jugendschöffengericht einen mehrfach vorbestraften 18-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe.
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Justiizia gewährte dem Angeklagten noch einmal eine Bewährungsstrafe - wenn er die Auflagen erfüllt.Christopher Schulz
Justiizia gewährte dem Angeklagten noch einmal eine Bewährungsstrafe - wenn er die Auflagen erfüllt.Christopher Schulz

Das Jugendschöffengericht verurteilte einen 18-jährigen Forchheimer wegen des Missbrauchs von Notrufen zu einer Jugendstrafen von einem Jahr und zwei Monaten. Es setzte sie als allerletzten Warnschuss zur Bewährung auf drei Jahre aus. In das Urteil flossen zwei Verurteilungen aus dem Jahr 2018 ein.

Eigentlich war der 17. September für den jungen Mann ein guter Tag, denn er war bei seiner Gerichtsverhandlung mit Bewährung davongekommen. Zu verantworten hatte er sich damals wegen zweier Farbsprühaktionen, einmal an der Wand der Turnhalle des Ehrenbürg-Gymnasiums, zum anderen auf der Motorhaube eines am Herder-Gymnasiums geparkten Autos. Er freute sich offenbar so sehr, dass er sich ordentlich die Kante gab und auch am nächsten Tag noch stark betrunken war.

Forchheimer stellt sich selbst

Und da hatte er eine Idee: Er rief aus seiner Wohnung bei der Rettungsleitstelle an und behauptete, er fahre auf der A 73 und ein Reifen seines Autos habe zu brennen begonnen. Als ihn der Mitarbeiter am Apparat nach näheren Angaben fragte, legte er einfach auf.

Man verfolgte den Anruf zurück und die Polizei fuhr bei ihm vorbei, traf ihn aber nicht an. Am nächsten Tag - offenbar ernüchtert - stellte der junge Mann sich aber selber und räumte den vorgetäuschten Notfall ein.

"Können sie sich in die andere Seite hineinversetzen?", fragte ihn Jugendrichter Philipp Förtsch eindringlich. "Dort wartet man auf echte Notrufe; stellen Sie sich vor, was das auslösen kann, wenn Sie die Leitung einfach blockieren."

Selbstdisziplin fehlt

Nicht diese einzelne eingestandene Tat stellte das Gericht vor eine schwere Entscheidung, sondern der bislang ziemlich verkorkste Lebensweg. Sechs Eintragungen hat der 18-Jährige schon im Strafregister, keine schwerwiegenden kriminellen Taten, sondern eher solche, die von mangelnder Selbstdisziplin ausgelöst wurden.

Wie das am 22. Oktober zu verhandelnde Geschehen: Im Dezember 2017 war der Angeklagte mit zwei weiteren jungen Männern in ein Haus eingedrungen und anstelle zu gehen, wie es der Bewohner forderte, schubsten sie ihn, und der heute Angeklagte trat noch auf den am Boden Liegenden ein. Aus den Sachbeschädigungen mit Farbe (Schaden 1000 Euro) und diesem Tatgeschehen bildete der Jugendrichter eine Gesamtjugendstrafe von einem Jahr und verhängte als praktische Erfahrung, wie Gefängnisluft schmeckt, einen Wochenendarrest.

"Nicht sehr schön"

Wodurch kann man dem jungen Mann, der wegen ADHS eine 50-prozentige Behinderung hat und bislang jede Arbeitsstelle nach wenigen Wochen wieder aufgegeben hatte, einen Impuls geben, ein geordnetes Leben zu beginnen? Bei der Verhandlung im Oktober hatte es Förtsch mit einem Wochenendarrest versucht. Den verbüßte der Angeklagte schon kurz darauf und fand die Tage "nicht sehr schön". Er erkenne den Ernst seiner Lage nur sehr bedingt, heißt es auch im Bericht der Jugendgerichtshilfe über den 18-Jährigen, der für ihn heikle Fragen umgehe und mehr oder weniger in den Tag hinein lebe.

Im Normalfall, so deutete Förtsch in seiner Urteilsbegründung an, wäre eine Strafe ohne Bewährung fällig. Denn der Angeklagte gilt als Bewährungsversager, noch dazu mit einer exorbitanten Rückfallgeschwindigkeit. "Wir haben uns dazu durchgerungen", betonte Förtsch und gewährte letzmals Bewährung, weil der junge Mann diese Woche noch bei einem Jalousiebauer probearbeiten darf und, wenn er sich geschickt anstellt, schon am Montag regulär arbeiten könnte.

1000 Euro an die Awo

Allerdings sicherte das Gericht seine milde Entscheidung so eng wie möglich durch Bewährungsauflagen ab. Der junge Mann muss eine Bestätigung, dass er probegearbeitet hat, vorlegen und dass er die dauerhafte Arbeit begonnen hat sowie was er verdienen wird. Denn er hat die Bewährungsauflage in Höhe von 1000 Euro in Raten an die Awo zu zahlen. Die erhielt er anstelle eines Arrestes. Damit will Förtsch verhindern, dass die gerade begonnene regelmäßige Berufstätigkeit durch die Arrestwochen unterbrochen würde. "Sie haben nur noch diese einzige Chance", betonte Förtsch.

Der Richter warnte vor den Folgen auch kleiner Verstöße gegen die Bewährungsauflagen. Wenn er die Bestätigungen nicht brächte oder von sich aus das Arbeitsverhältniss beende, drohe ihm unweigerlich ein Dauerarrest und womöglich auch der Widerruf der Bewährung, gab er ihm als Letztes noch mit.

 

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