Lehrer sind in der Schule nicht unbedingt willkommen. Diese Erfahrung musste Markus Weinberger an der Ritter-von-Traitteur-Mittelschule machen. Weinberger ist in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisiert. Gemeinsam mit seinen GEW-Kollegen Andreas Hartmann und Monika Gütlein lud er am Donnerstag zu einer Veranstaltung über die schulische Digitalisierungsoffensive ein.

Der Kreisverband der Gewerkschaft hatte die Veranstaltung Anfang September mit Schulleiter Klaus Peter Sunder abgesprochen. Doch am Mittwoch, einen Tag vorher, musste sich das GEW-Trio plötzlich nach einem neuen Veranstaltungsort umsehen. Denn der Forchheimer Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) untersagte den GEW-Auftritt in der Schule.

Überraschter Schulleiter

Das sorgte für Ratlosigkeit und Verärgerung. Nicht nur bei den GEW-Aktivisten. Derartige Veranstaltungen habe es in der Schule nicht zum ersten Mal gegeben, betont Markus Weinberger.

Daher wusste auch Schulleiter Klaus Peter Sunder nicht so recht, wie ihm geschieht. Er ist selbst zwar erst seit August Chef an der Traitteur-Schule - und dass keine Wahlveranstaltungen in der Schule möglich seien, das sei ihm klar gewesen. "Dass aber eine Lehrer-Gewerkschaft nicht in die Schule darf, das wusste ich nicht. Ich war schon überrascht", betonte Sunder gegenüber inFranken.de.

Zwar sei es "ein bisschen umständlich", jede Veranstaltung mit der Stadt abzusprechen - "aber in Zukunft weiß ich Bescheid", sagt Sunder. Da die Stadtverwaltung "von der Veranstaltung Kenntnis erlangt" habe, sei das Verbot des Oberbürgermeisters zwangsläufig gewesen, erklärt Britta Kurth, die Pressesprecherin der Stadt Forchheim: "Das ist ganz einfach die Rechtslage und daher eine rein formale Entscheidung: In Schulen sind parteiliche und gewerkschaftliche Veranstaltung untersagt." Theoretisch hätten demnach auch frühere Veranstaltungen nicht sein dürfen.

"Hier wurde willkürlich eine Veranstaltung unterbunden", kritisiert Markus Weinberger: "Es kann doch nicht sein, das Themen, die schulisch relevant sind, in der Schule nicht diskutiert werden dürfen."

Sollte der Oberbürgermeister auch künftig auf diese Vorgehensweise bestehen, "dann hätte das ja Konsequenzen für alle Berufsverbände", wundert sich Weinberger. "De Jure" sei man in diesem Falle machtlos gewesen, aber man werde dies nicht einfach hinnehmen, betont Weinberger. Und auch für die Lehrerin und GEW-Aktivistin Monika Gütlein ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen: "Das war keine politische Veranstaltung, sondern ein Schul- und sogar ein Fortbildungsthema. Es ist Usus, dass Lehrerverbände so etwas in Schulen machen."

Über die GEW werde man sich "kundig machen und den rechtlichen Standpunkt klären", kündigte Monika Gütlein an.

Sie führte aus: "Wir sind sehr verärgert. Wo sollen denn solche Veranstaltungen stattfinden, wenn nicht in der Schule? Wir sind eine Interessensgemeinschaft wie beispielsweise der BLLV und die KEG. Auch die dürften dann ja keine Veranstaltungen mehr in Schulen machen."