Igensdorf
Bauvorhaben

Landwirt in Rüsselbach darf Kühllagerhalle bauen

Der Bauausschuss der Marktgemeinde Igensdorf hat nun den Bau einer zunächst abgelehnten Kühllagerhalle in Oberrüsselbach genehmigt.
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Hinter der bestehenden Halle soll  die Kühllagerhalle gebaut werden. Foto: Petra Malbrich
Hinter der bestehenden Halle soll die Kühllagerhalle gebaut werden. Foto: Petra Malbrich
"Wir können nicht anders. Wir müssen zustimmen", sagte Zweiter Bürgermeister Johann Engelhard (IU). Er vertrat den urlaubenden Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) und hatte den Bauantrag für eine Kühllagerhalle in Oberrüsselbach erneut vor sich auf dem Tisch liegen. Die Gemeinde Igensdorf hatte das Vorhaben des Landwirts Stefan Bauer bislang immer abgelehnt.

Zu viele Bedenken gab es wegen der Erschließung und einem möglichen Schwerlastverkehr zu der Lagerhalle, die außerhalb des Ortes am Waldrand entstehen soll. Dort befinden sich auch Stefan Bauers Apfelplantage und eine Lagerhalle, die bereits sein Großvater errichtet hatte. "Das Landratsamt erlegt uns auf, dem Bauantrag zuzustimmen. Die Erschließung ist gesichert, Wasser braucht er nicht", erklärte Engelhard die Meinung des Landratsamts Forchheim und dessen vorliegenden Antrag.


Lebensmittelbetrieb

"Ich war immer der Meinung, er braucht Wasser, da es ein Lebensmittelbetrieb ist", fügte Engelhard an. "Wenn er nachträglich doch Wasser braucht, sind wir die Dummen", ärgerte sich Georg Prieß (FW) darüber, dass der Rat dem ungeliebten Bauvorhaben zustimmen muss.

Bauamtsleiter Andreas Finkes machte deutlich, dass das Landratsamt das Bauvorhaben isoliert betrachte. Nichts anderes als die Kühllagerhalle sei beantragt. Die Igensdorfer hatten bei den vorherigen Diskussionen über diesen Antrag auch eine mögliche Weiterentwicklung des Betriebes ins Auge gefasst. Deshalb habe man dem Landwirt auch eine Erschließungsvereinbarung zukommen lassen, erklärte Bauamtsleiter Andreas Finkes. Dass die Kosten - Stefan Bauer nannte 520.000 Euro als Angebot der Gemeinde - so hoch wären, liege an der weiten Strecke, die bis zur Lagerhalle erschlossen werden müsste.

Gemeinderat Wolfgang Rupprecht (IU) saß als Zuschauer am Tisch, äußerte aber Bedenken über das Bauvorhaben. Ihm ging es darum, ob im Falle einer Erschließung die Anlieger zahlen müssten. Und Dritter Bürgermeister Hans-Jürgen Röhrer (SPD) merkte an, dass der Flurbereinigungsweg, der zur Halle führt, nicht für schwere Lasten ausgelegt sei.


Schützenhilfe für Landwirt

Schützenhilfe erhielt der in der Sitzung nicht anwesende Landwirt von Gemeinderat Edmund Ulm (CSU). Er habe sich die Situation vor Ort angeschaut. So weit sei der Weg nicht, der erschlossen werden müsste, bestenfalls 250 Meter von der Familie entfernt, die am Straßenende wohnt. Zudem sagte Ulm: "Ich glaube nicht, dass es im Obstbau große Straßenlasten gibt und viele 40-Tonner fahren, sondern im Biobereich eher kleinere Chargen."

Dem widersprach Bauamtsleiter Andreas Finkes und las daraufhin aus dem Schreiben von Stefan Bauers Anwalt vor, dass in Einzelfällen auch 40-Tonner den Flurbereinigungsweg fahren würden. Der Schwerlastverkehr würde trotzdem eher gering ausfallen, vermutete Dritter Bürgermeister Hans-Jürgen Röhrer.


"Privilegierte Vorhaben"

Ihm war es wichtig zu klären, wie die Gemeinde künftig mit solchen sogenannten privilegierten Bauvorhaben umgehen könnte. "Es ist schon der vierte Fall und wird nicht der letzte sein, dass ein Bauvorhaben in den Außenbereich geht", sagte Röhrer. Die Gemeinde solle sich einen Rechtanwalt nehmen. Röhrer betrachtete es kritisch, dass die privilegierten Vorhaben auf Kosten des Gemeinwohls umgesetzt würden.

An der Stelle erinnerte Zweiter Bürgermeister Engelhard daran, dass mit den anderen Außenhöfen eine Vereinbarung über die Erschließung von Wasser und Kanal geschlossen wurde. Und Rainer Straßgürtl (CSU), der Ortssprecher von Pommer, merkte an, dass anderswo der Bauherr zahlen müsse, wenn Straßen ramponiert würden. "Muss man sich das gefallen lassen oder kann man den Bauherren, der einen Nutzen hat, beteiligen?", wollte Straßgürtl wissen.

Die Klärung aller Fragen und wie die Gemeinde künftig mit den privilegierten Bauvorhaben umgehen könnte, wird Hausaufgabe für den Bauamtschef. An dem vorliegenden Antrag änderte das nichts. Die Gemeinde befolgte einstimmig den Antrag des Landratsamts und erlaubte dem Rüsselbacher Landwirt, die Kühllagerhalle zu bauen.
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