Ebermannstadt
Tierquälerei

Schuldig, aber straffrei: Landwirt aus Ebermannstadt nahm das Leiden eines Rehkitzes in Kauf

Bei Mäharbeiten wird einem Rehkitz die Beine abgetrennt. Peta zeigt den Landwirt aus dem Kreis Forchheim an - er das Leiden vermeiden können. Das Gericht hält ihn für schuldig - und sieht trotzdem keinen Grund für eine Strafe.
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Foto: FT
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Wegen Tierquälerei hatte die Tierrechtsorganisation Peta (mit Sitz in Stuttgart) einen Landwirt aus Ebermannstadt angezeigt. Auf seinem Grundstück, das teils von Wald umschlossen ist, soll der Landwirt bewusst in Kauf genommen haben, dass ein Rehkitz von einem Mähdrescher lebensgefährlich verletzt und schließlich getötet wurde.

Dem Rehkitz waren beim Mähen die Beine auf Höhe der Kniegelenke abgetrennt worden. Nachdem ein Zeuge den Vorfall der Tierrechtsorganisation gemeldet hatte, erstattete Peta Anzeige . Die Staatsanwaltschaft Bamberg ermittelte daraufhin gegen den Landwirt "wegen Vergehens nach dem Tierschutzgesetz".

Der Beschuldigte, aber auch der Fahrer des Mähdreschers und sein Beifahrer hätten "billigend in Kauf genommen, dass Wildtiere bei der Mahd lebensgefährlich verletzt und getötet" würden, urteilte jetzt die Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus hätten die Beschuldigten in Kauf genommen, dass Wildtiere im Todeskampf "häufig mehrere Minuten auch erhebliche Schmerzen und Leiden durchmachen müssen".

"Geringe Schuld"

Sowohl der Landwirt als auch der Mähdrescherfahrer und sein Beifahrer hätten sich strafbar gemacht, stellt die Staatsanwaltschaft fest. Dass dieser Verstoß gegen das Tierschutzgesetz aber folgenlos bleibt, begründen die Strafverfolger damit, dass ein öffentliches Interesse "noch nicht gegeben" sei. Die Schuld sei "als zu gering anzusehen". Im Wiederholungsfall drohe jedoch eine "empfindliche Strafe".

Edmund Haferbeck, der Leiter Peta- Rechtsabteilung, zeigte sich gestern zufrieden darüber, dass die Staatsanwaltschaft Bamberg "durchaus ernsthafte Ermittlungen durchgeführt hat". Jedoch merkte Haferbeck an: "Die rechtliche Bewertung, einen solchen Vorgang wegen geringer Schuld und mangelnden öffentlichen Interesses einzustellen", teile er nicht. Die Organisation kündigte an, die Bewertung der Staatsanwaltschaft "in einem Beschwerdeverfahren" anzugreifen. Es sei, betont Haferbeck, "unzutreffend, dass die Abläufe zur Vermeidung solcher tierquälerischer Vorgänge nicht klar geregelt" seien. Hierzu gebe es rechtskräftige Urteile.

Peta wirft dem Landwirt aus Ebermannstadt vor: Er sei ein "Akademiker, der sich als Großagrarier betätigt". Er könne sich nicht "auf Nichtwissen herausreden".



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