Heroldsbach

Landtagswahl 2018: Dominik Pflaum (AfD) ist der sachliche Scharfmacher

Dominik Pflaum tritt als AfD-Kandidat im Stimmkreis Forchheim an. Mit Angstmache vor dem Islam und projektplanerischer Sachlichkeit will er in den Landtag.
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Dominik Pflaum diskutiert gerne. "Das Gespräch wird länger dauern, als Sie denken", verspricht der 31-Jährige. Der Heroldsbacher redet stets mit ruhiger Stimme und gibt lange Antworten. Islamfeindlichkeit, Steuerverschwendung, Ablehnung der Energiewende - wenn Pflaum seine politische Agenda erläutert, zitiert er viel aus Büchern, Talkshows oder dem Internet.

Die "nüchterne und sachliche Analyse" sei seine Stärke, betont der Elektrotechnik-Meister immer wieder. "Aber ich habe auch die Fähigkeit, ein Thema überspitzt darzustellen." Er präsentiert sich als adretter, belesener Bildungsbürger. Seine politischen Vorbilder hat er in der Union: Einerseits imponiere ihm die sachliche Argumentation von Wolfgang Bosbach (CDU), anderseits der "Schmackes" von Franz-Josef Strauß (CSU).

Pflaum ist 1987 in Bamberg geboren und wuchs in Zapfendorf in einer "Arbeiterfamilie" auf, betont er. In einer Maschinen-Firma in Hallstadt stieg er vom Betriebselektriker zum Projektleiter in eine führende Position auf. Seine Karriere sei quasi eine "SPD-Laufbahn". Seit acht Jahren wohnt er in Heroldsbach. Pflaum ist ledig.

Großstädte wecken die Angst

Seine Erfahrung als Elektromonteur im Außendienst prägten sein islamfeindliches Weltbild: Tageweise besuchte er soziale Brennpunkte in Großstädten wie Köln, Pforzheim oder Frankfurt. "Dort sah ich eine andere Welt und nicht die, die ich aus Bayern und Bamberg kannte." Ausländisch aussehende Menschen, Frauen mit Kopftüchern, Läden mit arabischer Schrift - solche Straßenzüge, die es auch in Erlangen und Nürnberg gebe, machen ihm Angst.

Pflaum las das Sarrazin-Buch und weitere islamkritische Literatur. Heute vertritt der AfD-Kandidat offen kulturrassistische und ethnopluralistische Standpunkte. "Der Islam ist gar nicht integrierbar. Dass jeder Mensch gleich ist, ist eine Illusion", findet Pflaum. Er warnt vor einer vermeintlichen Islamisierung und baut vage Bedrohungsszenarien auf: "Deutschland verdünnt sich immer schneller. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein Volk verabschiedet." Besonders beängstigend sei der hohe Migrationsanteil der heutigen Schüler und Kindergarten-Kinder.

Schnelle Karriere in der AfD

Sein konkretes politisches Engagement beginnt spät. Bei der Europawahl 2014 wählt Pflaum die neu gegründete, EU-kritische Alternative für Deutschland. Weil die Rechtspopulisten später vor allem auf die Themen Islam, Identität und Integration setzen, tritt er im Februar 2016 in den Forchheimer Kreisverband der AfD ein. Wenige Monate danach wird das "sehr aktive Mitglied" in den Vorstand gewählt. Im September 2017 wird er Vorstandsvorsitzender des AfD-Kreisverbands und beweist im Bundestags-Wahlkampf an den Infoständen seine "rhetorischen Fähigkeiten".

Pflaum scheut nicht den Kontakt mit dem völkisch-nationalistischen "Flügel" der AfD. Er lud den umstrittenen Björn Höcke zur Kundgebung am 8. August auf den Forchheimer Paradeplatz ein.

Zudem will sich Pflaum nicht eindeutig von Gruppen am äußeren rechten Rand abgrenzen: Einige Aktionen der (vom bayerischen Verfassungsschutz beobachteten) rechtsextremen "Identitären Bewegung" findet Pflaum "an sich ganz pfiffig". Bei der islamfeindlichen Pegida würde er mitlaufen.

Und neben der Politik? In seiner Freizeit kocht der "Genussmensch" Pflaum gerne und treibt Kraftsport. Beim Athletenclub (AC) Forchheim trainiert er fünfmal in der Woche.

In der Landtagswahl geht er als AfD-Direktkandidat für den Stimmkreis Forchheim ins Rennen. "Wir wollen zweitstärkste Kraft werden", gibt er nach zweieinhalb Stunden Interview als Ziel aus. Mit Platz 3 auf der oberfränkischen AfD-Liste hat der Rechtspopulist realistische Chancen am 14. Oktober ins Maximilianeum einzuziehen.

Das ist Dominik Pflaum (AfD) besonders wichtig

Feindbild Islam

Pflaum warnt vor der Islamisierung Deutschlands und hält die muslimische Religion und Kultur generell für gefährlich. "Muslime können und wollen sich nicht integrieren", meint er. Der Islam stehe nicht für Frieden, sondern für das Gegenteil. Um seine kulturrassistische Theorie zu unterstreichen, verweist er auf die historischen Anfänge der Religion, die sich "mit dem Schwert" ausgebreitet habe. Der Islam habe in der Weltgeschichte nie eine Hochkultur hervorgebracht, behauptet Pflaum. Auf die Frage, ob es Parallelen zwischen dem Antiislamismus der AfD und dem Antisemitismus in den 1920er gibt, meint er: "Die Frage ist, ob es berechtigt ist." Er wolle den Islam nicht verfolgen, aber verhindern, dass er Bestandteil Deutschlands ist.

Energiewende

Pflaum nennt die Energiewende in Deutschland ein Steuerverschwendungsprojekt, das nicht funktioniere. Den Klimawandel leugnet er nicht, aber bezweifelt, dass der Mensch einen großen Einfluss habe. Statt erneuerbarer Energien zu fördern, soll Deutschland eine neue Energieform entwickeln, die "bezahlbar, grundlasttauglich und umweltfreundlich" sei, fordert der Elektrotechniker. Er favorisiert hier die Kernfusion, an der Deutschland forschen müsse. "Aber solange wir keine Alternativen haben, müssen wir auf Kohle- und Atomenergie setzen."

ÖPP und Steuergelder

"Ich bin ein großer Gegner öffentlich-privater Partnerschaft", betont der AfD-Kandidat. Die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Privatunternehmen sei der "Ausverkauf des Staates". Zum Beispiel seien Bauprojekte, bei denen Firmen die Gebäude bauen und die Verwaltung sich nur einmietet, langfristig kostspieliger für die öffentlichen Hand. ÖPP sei das Ergebnis der Schuldenbremse. "Hier wird das Geld zum Fenster rausgeschmissen und die Politik übernimmt keine Verantwortung", findet Pflaum.

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