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Landkreis Forchheim: Wie wichtig sind die Dorfläden?

Dorfläden im Forchheimer Landkreis sind wichtig. In einigen Orten gibt es Dorfläden, in anderen fehlen sie. Hinter den meisten steht die gleiche Geschichte.
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Oksana Loos hinter der Brötchen-Theke des Laderer Dorfladens in Unterleinleiter. Foto: Christoph Wiedemann
Oksana Loos hinter der Brötchen-Theke des Laderer Dorfladens in Unterleinleiter. Foto: Christoph Wiedemann
Erst geschlossen, dann neu geöffnet. So zeichnet sich die Geschichte der Dorfläden im Landkreis Forchheim immer wieder.
Der Dorfladen in Muggendorf, der seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil war, musste 2015 schließen. "Die Bürger haben dann eine Genossenschaft gegründet, damit der Dorfladen doch noch erhalten bleibt", erklärt die Geschäftsführerin des Marktladens-Wiesenttal Gundula Rieger.
Die selbe Geschichte steht hinter dem Laderer Dorfladen. Der Tante-Emma-Laden in Unterleinleiter musste aus Altersgründen schließen. Die Bürger gründeten eine Genossenschaft, um den Laden wieder zu eröffnen, "weil im Ort gar nichts mehr war", erzählt die Geschäftsleiterin des Laderer Dorfladens, Oksana Loos.
Ähnlich lief es auch in Obertrubach. Aus Altersgründen der Betreiber musste der Dorfladen in Obertrubach 2017 schließen. Doch die Dorfbewohner wollten ein Einkaufsgeschäft in ihrem Ort beibehalten. Deshalb gründeten sie eine Gesellschaft, die nun den Dorfladen wieder aufbaut.


Problem älterer Menschen

Die nächsten Supermärkte seien rund zehn Kilometer entfernt. "Das ist vor allem für ältere Menschen ein Problem", sagt Rieger. Das Problem kennt auch Mirko Bogdanovski aus Pretzfeld. Er schreibt in einem Brief an die Redaktion, dass "Pretzfeld dringend einen Dorfladen braucht".
"Viele alte Menschen haben kein Auto oder keinen Führerschein mehr. Deshalb kommen sie nicht in den nächsten Supermarkt nach Ebermannstadt", sagt Bogdanovski. Der 79-Jährige müsse deshalb entweder mit dem Fahrrad fahren, oder einmal im Monat mit seiner Tochter einen Großeinkauf erledigen.
Er nennt Unterleinleiter ein gutes Beispiel. "Sie haben einen modernen Dorfladen für die älteren Menschen."
Doch ein Dorfladen ist nicht nur für ältere Menschen da. Touristen seien auch wichtig, weiß man in Unterleinleiter: "Das merkt man vor allem im Sommer", erläutert Oksana Loos. Doch ihre Stammkunden "wohnen in dem Dorf".
Dass die Stammkunden "Einheimische" sind, merkt Geschäftsleiterin Loos auch an der Kaffee-Ecke im Laden. "Am Morgen kommen die Handwerker und Arbeiter aus den umliegenden Firmen", zählt Loos auf. Danach kämen Kindergärten und Schulklassen "im Sommer mal auf ein Eis vorbei". Und "beinahe täglich kommt ab 17 Uhr ein kleiner Stammtisch in unsere Kaffee-Ecke", erzählt sie weiter.


Kein Stammtisch im Laden

Da es in Wiesenttal noch viele Gaststätten gebe, werde die Kaffee-Ecke im Marktladen nicht als Stammtisch genutzt: "Sie ist kein Treffpunkt für Menschen aus dem Dorf", erklärt Rieger. Handwerker holen sich ihr Frühstück und im Sommer "sitzen dort viele Wanderer und Touristen", sagt die Geschäftsführerin.


Touristen machen den Erfolg

Letztere seien aber für den Erfolg des Wiesenttaler Dorfladens verantwortlich. "Die Touristen tragen zum Bestehen des Dorfladens bei", erklärt Rieger. Viele Dorfbewohner "kaufen lieber bei Aldi ein, weil sie denken, der sei billiger", sagt sie. Das sei aber nicht der Fall. Die Preise "können mit denen von Aldi mithalten", meint Rieger. Dennoch habe der Dorfladen seit seinem Bestehen keine roten Zahlen geschrieben. "Wir konnten in den letzten zwei Jahren mit einer positiven Bilanz abschließen", sagt sie.
Anfangs lief es auch beim Laderer Dorfladen gut, erzählt Loos. Doch die Zahlen von 2017 offenbaren, dass im Vergleich zum Vorjahr allein "30  000 Euro Einnahmen bei den Backwaren fehlen", sagt die Geschäftsleiterin. Der Grund liege aber nicht beim Bäckerwechsel, sondern an der Kaufkraft. "Es kommen weniger Leute, die auch noch weniger kaufen als früher", erläutert Loos.


Regionale Produkte

Und das, obwohl beide Dorfläden auf regionale Produkte setzen. Der Lederer Dorfladen bietet Honig aus Unterleinleiter, Pesto und Saucen aus Adelsdorf, Eier, Nudeln, Marmeladen, Milch und Fleischwaren aus der Region an, wie Loos aufzählt.
Im Marktladen Wiesenttal "gibt es ein Bioregal und ein Regionalregal", erläutert Rieger. Darin stehen selbst gemachte Marmeladen, Schnäpse, Käse, Milch und einige mehr, zählt die Geschäftsführerin auf.


Kommentar von Jennifer Hauser: "Dann aber auch nutzen!"

"Ein Dorfladen ist schon praktisch, wenn man in einer kleinen Kommune wohnt, kann man doch kurz noch die vergessenen Eier holen, ohne ins Auto steigen zu müssen.
Ein Problem ist aber, dass die Berufstätigen, die in der Stadt arbeiten, oft dort einkaufen und nur das Vergessene im Dorfladen holen.
Dass dann aber zu wenig Kunden in den Dorfläden einkaufen, ist fast schon vorprogrammiert, kann doch kein Laden von nur einem Kundenklientel und ein paar "Vergessen-Einkäufen" leben.
Wer also den Vorteil eines Dorfladens weiterhin haben will, der sollte ihn auch richtig nutzen.
Ein Weg dahin wäre eine Genossenschaft, denn wenn die Bürger Teil des Konzepts sind, fühlen sie sich auch viel mehr dazu veranlasst, im Laden um die Ecke einzukaufen."
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