Heroldsbach
Themenwoche Mut und Courage

Landkreis Forchheim: Ein Betroffener stellt sich seiner Angst vor dem Besuch beim Zahnarzt

Manchmal sind es die alltäglichen Dinge, für die wir besonders viel Courage brauchen. Für betroffene Angstpatienten kann die Routineuntersuchung beim Zahnarzt zur größten Mutprobe werden.
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Zahnärztin Dorit Große-Jüttermann nimmt sich für Angstpatienten besonders viel Zeit.  Foto: Franziska Rieger
Zahnärztin Dorit Große-Jüttermann nimmt sich für Angstpatienten besonders viel Zeit. Foto: Franziska Rieger

Wenn Harald Müller in die Zahnarztpraxis zu Dr. Dorit Große-Jüttermann und Dr. Peter Weidemann kommt, dann lächelt er die beiden an, sie unterhalten sich gelöst. Vor einigen Jahren wäre es dem 53-Jährigen nicht so leicht gefallen, eine Zahnarztpraxis zu betreten.

Als Jugendlicher hat er drei Zähne, die unter Eiter standen, ohne Spritze rausgerissen bekommen, erzählt Müller. Seitdem hat er keinem Zahnarzt mehr vertraut. Nur wenn er große Schmerzen hatte, hat er sich zu einem Besuch überwunden. Und dann immer bei einem anderen Zahnarzt. Schließlich sollte nicht auffallen, dass er nur in Notfällen kommt.

Angst und Schweißausbrüche

Angst vor Schmerzen und Schweißausbrüche waren bei solchen Terminen seine ständigen Begleiter. Acht bis zehn Jahre war er dann gar nicht mehr beim Zahnarzt, schätzt Müller. Bis er 2003 das erste Mal zu dem Zahnärzte-Ehepaar in Heroldsbach gekommen ist. Damals hat eine Bekannte, die in der Praxis arbeitete, einen Termin für ihn ausgemacht - absagen war also keine Option. Sein Mut hat sich gelohnt, Müller geht seitdem wieder jedes halbe Jahr zum Zahnarzt: "Es ist extrem besser geworden", sagt er.

Angstpatienten wie Harald Müller sind in der Heroldsbacher Praxis keine Seltenheit. Auf dem Anamnesebogen würde rund die Hälfte der Patienten angeben, dass sie Zahnarztangst haben, sagt Weidemann. Bei vielen stelle sich dann aber schnell heraus, dass sie nicht wirklich an einer Phobie leiden. Bei den wirklich Betroffenen reichen die Ausprägungen von leichter Nervosität bis hin zu Panikattacken und Kreislaufzusammenbrüchen. Den klassischen Angstpatienten gebe es nicht, bei allen Geschlechtern und Altersgruppen gebe es Betroffene.

Auch wovor die Patienten genau Angst haben, sei unterschiedlich, sagt Große-Jüttermann. Besonders oft sei es die Angst vor Schmerzen oder, dass Spritzen nicht richtig wirken. Auch die Geräusche würden manche Patienten fürchten. "Wenn es die Angst vor Geräuschen ist, dann kann der Patient zum Beispiel Kopfhörer aufsetzen", sagt sie. Auch sexueller Missbrauch kann ein Grund sein, weshalb ein Patient niemanden an seinen Mund heranlässt. "Der Zahnarztbesuch ist dann ein größeres Problem, weil er in den persönlichen Bereich eindringt", sagt sie.

Für Angstpatienten plant das Praxisteam mehr Zeit ein, mindestens doppelt so viel, je nachdem wie groß die Angst ist. Weil solche Patienten auch manche Termine wieder absagen, ist das für die Praxis ein Risiko. In besonders schweren Fällen empfehlen die Zahnärzte eine begleitende Psychotherapie. "Man hat ja das Ziel, dass der Patient normal behandlungsfähig wird", sagt die Ärztin. Das ist aber nicht immer nötig. Oft hilft schon die richtige Behandlung.

Besonders wichtig bei der Behandlung sei, dass jeder Arbeitsschritt genau erklärt wird, ein Gespür für den Patienten vorhanden ist. "Beim ersten Besuch vermeiden wir prinzipiell zu bohren", sagt Große-Jüttermann.

Zur Zahnreinigung überwinden

Die Zahnärzte sprechen mit dem Patienten und schaffen Vertrauen. "Das habe ich als positiv erlebt, dass nur eine Aufklärung stattfand", sagt Müller. Beim zweiten Termin geht es dann schon einen Schritt weiter: Die Zähne werden sauber gemacht. "Die Zahnreinigung war eine sehr große Überwindung", sagt Müller. Er sei mit großer Anspannung in die Praxis gegangen, hatte Angst vor den Schmerzen. Doch dann habe er gemerkt: Er spürt zwar etwas, aber es ist auszuhalten. "Es ist wichtig, dass man dem Patienten sagt, wenn es weh tun könnte", erklärt Weidemann.

Beim dritten Termin trifft der Patient dann auf den Zahnarzt und eine Zahnarzthelferin, die eine kleinere Behandlung beginnen. "Die Helferinnen sind bombastisch. Sie reden viel mit einem", sagt Müller. Besonders die familiäre Atmosphäre und die gute Beratung hätten ihn überzeugt.

Fünf Zahnarzthelferinnen arbeiten in der Praxis und es wird dringend Verstärkung gesucht, sagt Weidemann: "Wir lachen ganz gerne miteinander. Das merken die Patienten."

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