Laden...
Forchheim
Tradition

Landkreis Forchheim: Bei diesem alten Handwerk bekommt jeder einen Korb

Der Flechtwerkgestalter Jürgen Hack besucht regelmäßig Märkte in ganz Franken. Das Handwerk sei zwar am Aussterben, die Nachfrage bei ihm ist aber hoch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Herstellung eines jeden Korbs beginnt mit dem Boden: Jürgen Hack beherrscht sein Handwerk seit 36 Jahren. Foto: Mirjam Stumpf
Die Herstellung eines jeden Korbs beginnt mit dem Boden: Jürgen Hack beherrscht sein Handwerk seit 36 Jahren. Foto: Mirjam Stumpf
+4 Bilder

Wer selbst Körbe herstellen will, brauche eigentlich nur dreierlei Dinge: Die Weidestöcke, eine Wasserwanne zum Einweichen und die eigenen Hände. "Viel Herz und viel Ehrgeiz" müssen laut Korbmacher Jürgen Hack allerdings auch dabei sein. Es sei schließlich ein Beruf, der primär die Hände beanspruche. Man müsse zudem am Ball bleiben. Denn die ersten Versuche ähneln meist noch keinem erkennbaren Korb. Deshalb sei auf jeden Fall Gelassenheit nötig, so Hack.

Es sind die Ergebnisse, die sofort sichtbar sind, die Flechtwerkgestalter Jürgen Hack aus Pinzberg besonders an seiner Arbeit schätzt. Mit seinen Korbwaren ist er das ganze Jahr auf zahlreichen Märkten in ganz Franken zu Gast, um seinen Kunden - im wahrsten Sinne - etwas an die Hand zu geben. Und das seit 36 Jahren.

Jedes Einzelstück, das er im Gepäck hat, ist individuell. Sein Sortiment umfasst nicht nur Körbe, auch ein kleiner Puppenwagen hängt am Autoanhänger, Grabzugaben aus Birkenholz stehen davor. Vieles fertige er auch auf Wunsch an, sagt er.

Jürgen Hack arbeitet dabei mit 15 weiteren Korbmachern zusammen. Jeder habe seinen eigenen Schwerpunkt, etwas, das er besonders gut könne. Jürgen Hack gestalte gerne Beetbegrenzungen oder auch klassische Marktkörbe. Außerdem fährt er damit auf die einzelnen Märkte. "Das machen viele nämlich nicht so gern", verrät er. Denn um die Körbe an die Frau oder den Mann zu bringen, erfordere das meist einen Arbeitstag von zehn bis sogar 16 Stunden, sagt Hack. Und das bei Wind und Wetter.

Für jede Zeit der passende Korb

Die Nachfrage richte sich auch gezielt nach der Saison. Die Jahresuhr dreht sich rasch: Als nächstes stehen schon die Weihnachtsmärkte an. Das Geschäft gehe bereits Ende Oktober los. "In der Weihnachtszeit bin ich jedes Wochenende auf einem Markt", berichtet er. Dabei sei auch mal die ein oder andere längere Strecke dabei, bis nach Nürnberg oder Ansbach reiche sein Verkaufsgebiet. Im Frühling werden dann meist Körbe für die Kirschernte benötigt, sogenannte Krätzen. Anschließend könne man sich langsam schon an die Schürsaison gewöhnen. Für das Feuerholz brauche es geeignete Körbe.

Dass die Nachfrage nach den Körben verschiedenster Art ungebrochen hoch ist, zeigte sich auch am Forchheimer Bauernmarkt, auf dem Hack in der vergangenen Woche zu Gast war. Immer wieder bleiben interessierte Kunden stehen, lassen sich beraten oder Fragen beantworten. Eine Kundin möchte zum Beispiel wissen, ob er auch Körbchen für ein junges Blumenmädchen im Sortiment habe. "Für wann brauchen Sie es denn?", fragt Jürgen Hack nach kurzer Überlegung. Die Hochzeit sei bereits nächste Woche, so die Kundin. Er versuche, es möglich zu machen.

Trotz merklicher Nachfrage nach Ware ist das Handwerk des Flechtwerkgestalters deutschlandweit aber auf dem absteigenden Ast. Gründe sind unter anderem "die langen Arbeitszeiten", vermutet Hack, und auch, dass es so wenige Nachfolger für den Traditionsberuf gebe. Dem kommt auch nicht gerade zugute, dass die nächstgelegene Ausbildungsschule für das Handwerk in dieser Form die bayernweit einzige staatliche Korbmacherschule in Lichtenfels ist. "Es ist keiner mehr da, der ausbildet", so Hack.

Den Rückgang von Nachfolgern kann auch Michaela Heimpel, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Handwerkskammer für Oberfranken, anhand vorliegender Zahlen bestätigen. Dadurch, dass für den Beruf seit 2004 keine Meisterpflicht mehr bestehe, habe auch die Ausbildungsleistung in den vergangenen 15 Jahren stark nachgelassen. "In Oberfranken hat es 2018 keine Auszubildende zum Flechtwerkgestalter gegeben. In Deutschland waren es zwei." Zudem gibt es einen weiteren Blickwinkel auf die Situation: "Darüber hinaus kämpft das Flechthandwerk allerdings auch sehr stark mit der Konkurrenz aus der Industrie. Produkte der industriellen Fertigung sind um ein vielfaches günstiger zu haben als handwerklich hergestellte Flechtware", so Heimpel.

Ein echtes Naturprodukt

Die Körbe, die es bei Jürgen Hack zu erwerben gibt, sind hingegen Qualitätsware. Er selbst verwendet für sie ausschließlich Weide, am liebsten unlackierte. Die fertigen Körbe haben dementsprechend ihren Preis, auch wenn Einzelne ab und an versuchen, diesen runterzuhandeln, erzählt er. Um in dem Beruf des Flechtwerkgestalters Fuß zu fassen, ist eines für Jürgen Hack grundlegend zu klären: "Wagt man den Schritt in die Selbstständigkeit? Das ist die Frage."