Neunkirchen am Brand
Straßenverkehr

Lärm, Feinstaub und gefährliche Engstellen: die Friedhofstraße in Neunkirchen am Brand

Die Befürworter einer Westumfahrung von Neunkirchen am Brand möchten nicht gegen die Gegner agieren, sondern für mehr Lebensqualität werben.
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Ein Lastwagen muss in der engen Friedhofstraße in Neunkirchen am Brand auf den Gehweg ausweichen. Foto: privat
Ein Lastwagen muss in der engen Friedhofstraße in Neunkirchen am Brand auf den Gehweg ausweichen. Foto: privat
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Die Gegner der Westumgehung von Neunkirchen am Brand hatten schon mobil gemacht. Nun melden sich auch in Neunkirchen die Befürworter der Umfahrung zu Wort. Aber nicht, um gegen die Gegner zu reden, sondern um für mehr Wohn- und Lebensqualität zu werben. Vor allem aber geht es ihnen auch um fehlendes Demokratieverständnis. 2013 hatte es einen Bürgerentscheid gegeben. Die Mehrheit hatte sich für die Westumfahrung ausgesprochen. Die Zahl der Einwendungen zeige, dass viele Menschen gegen die Westumfahrung seien, sagen die Gegner. Doch die 1400 Einwendungen richteten sich nicht gegen die Westumfahrung alleine, wie der Befürworter Gerhard Maier erklärt. Manche Bürger hätten Bedenken wegen Hochwasser. Manchen sei der Damm zu hoch. "Die Zahlen wurden hochgetrieben. Es gibt Familien, die drei Einwendungen abgegeben haben", behauptet Reinhard Mehl. "Entscheidend ist nicht die Zahl der Einwendungen, sondern die Qualität", fügt Hemmerlein an. Einwendungen gegen die Westumfahrung heiße nicht zwingend, dass die Unterzeichner gegen die Umfahrung seien. "Es gibt Befürworter, die einen Einwand schreiben, um eine bessere Westumgehung zu erhalten", berichtet Mario Hemmerlein.

Billigere Bauplätze

Viele der Gegner jedoch wohnen an der geplanten Trasse. Die Bauplätze damals hätten sie jedoch aufgrund der Lage günstiger bekommen. Nicht die Einwände der Gegner möchten die Befürworter widerlegen, sondern aufzeigen, dass es keine Alternative für ein sichereres und gesünderes Leben in der Friedhofstraße und Goldwitzerstraße gebe. Die Gegner setzen auf Flüsterasphalt und Tempo 30, um Lärm und Abgase zu reduzieren. "Ein Flüsterasphalt wirkt erst ab 30 Stundenkilometer", sagt Reinhard Mehl. Zudem seien die Gebäude in den Straßen ziemlich eng aneinander gebaut. Wie ein Kanal wirke das. Lärm und Vibrationen dringen in die Häuser ein.

Nacht endet um 3.30 Uhr

Winfried Mehl hat deshalb alle zerbrechlichen Gegenstände aus seiner Vitrine verbannt. Die Nacht endet um 3.30 Uhr. "Trotz Lärmschutzfenster wachen wir nachts auf, wenn die ersten Kühllastwagen fahren", schildert Reinhard Mehl die Situation. Zudem sind die Straßen eng. Wenn ein Lastwagen in der engen Stelle fährt, muss er bei Gegenverkehr mitunter hoch auf den Gehweg. Dieser sei extra niedriger gebaut, um ausweichen zu können. Es ist jedoch ein Gehweg, den die Kinder als Schulweg nutzen. Die Westumfahrungsgegner hatten alternative Vorschläge genannt. Pflocken auf dem Gehweg, damit dieser nicht mehr befahren werden kann, wurde als Möglichkeit genannt, wie Hemmerlein weiß. "Doch wo soll der Lastwagen hin? Die Vorschläge sind Papiertiger", , meint Reinhard Mehl. Alte Leute würden angehupt, wenn sie über die Straße laufen, selbst die Anwohner, die in ihre Einfahrten fahren wollten. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand überfahren wird", befürchtet Maier. Mehr noch: Der durch den Verkehr entstehende Feinstaub hat Folgen. "Zum einen greift der Feinstaub die Substanz der Häuser an. Wir haben aber eine Verantwortung der Nachwelt gegenüber", bekundet Gerhard Maier. Zum anderen aber belastet der Feinstaub die Lunge. "Hier ist Stop-and-go", klagt Maier. Die Gegner würden laut Hemmerlein sagen, laut Verkehrszählung habe der Verkehr abgenommen. Alle fünf Jahre finde diese Verkehrszählung statt. Die Gegner der Westumfahrung würden jedoch immer nur die Zahlen von 2005 bis 2010 nehmen. "Es stimmt, da hat der Verkehr abgenommen, doch in dieser Zeit war die Wirtschafts- und Finanzkrise und es wurde weniger gebaut. Die Zählung von 2013 ist wieder auf dem Niveau von vor 2005", betont Hemmerlein, der die Vorgehensweise der Gegner als Taschenspielertrick bezeichnet. "Egal, ob die Zahlen niedrig oder hoch sind. Es sind Zahlen, bei denen man reagieren muss. In Neunkirchen findet ein Strukturwandel statt. Die Anzahl der Bewohner nimmt zu", stellt Maier fest.

Thema Stadtumlandbahn

Auch die Stadtumlandbahn (Stub) habe nichts mit der Westumfahrung zu tun. Fracht könne mit der Stub nicht transportiert werden. Wenn die Westumgehung kommt, könne man den Innerort kunsthistorisch umgestalten und attraktiver gestalten, findet Maier, und man könne sich trotzdem für ein besseres öffentliches Verkehrsnetz einsetzen. Das eine schließe das andere nicht aus, finden die Befürworter. Traurig stimmt sie, dass man persönlich angegangen werde. Mario Hemmerlein erinnert an den Bau der Südumgehung. Auch damals hätten alle gesagt, man brauche diese nicht. Heute sei auch dort viel Grün zu sehen. Die Naherholung sie weiterhin möglich, sagen die Befürworter und werben dafür, selbst wieder mehr Lebensqualität zu erhalten.

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