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Weißenohe
Sozialkritik

Kunstraum Weißenohe zeigt, wie allgegenwärtig die Überwachung ist

Der Kunstraum Weißenohe verdeutlicht mit Werken von 32 Künstlern aus Deutschland, Polen und Österreich den "Trend zur Kontrolle".
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Bedrohliche Überwachung von oben zeigt dieses Bild von Manon Grashorn. Fotos: Barbara Herbst
Bedrohliche Überwachung von oben zeigt dieses Bild von Manon Grashorn. Fotos: Barbara Herbst
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Die Macher des Kunstraumes Weißenohe haben in den vergangenen Jahren immer wieder ein fast unheimliches Gespür für Themen bewiesen. Auch heuer war das so: "(out of) control" - dieses Ausstellungsmotto und auch die Auswahl der Kunstwerke waren längst beschlossen, als sich das Thema Kontrolle durch Ereignisse wie den Facebook-Skandal oder den erbitterten Streit um das Polizeiaufgabengesetz dann auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit abbildete.

"Gespickt mit sozialkritischen und politischen Themen" sei die aktuelle Bilder- und Skulpturen-Schau, sagt Katharina Winkler vom Verein Kunstraum Weißenohe. Schon der Ausstellungstitel "(out of) control" spiele mit der Vielschichtigkeit des Themas.

Das eingeklammerte "(out of)" weist darauf hin, wie eng Kontrolle und Kontrollverlust beieinanderliegen. Wie Ausstellungsleiter Lutz Krutein sagt, hätten die 32 Künstler aus Deutschland, Polen und Österreich größtenteils aus ihrem Fundus geschöpft, um das Kontrollthema in Weißenohe vor Augen zu führen. Manche hätten aber auch im Hinblick auf die Ausstellung produziert.

Irritierender Ganzkörperscanner

Etwa der aus dem Raum Ansbach stammende Stefan Pfeiffer. Als er sich bei der Verwaltung seines Heimatortes einen Personalausweis ausstellen lassen wollte, stieß er auf einen Ganzkörperscanner. Sein Erschrecken und Erstaunen darüber, dass eine kleine Gemeinde in solche Technik statt in soziale Projekte investiert, ließ Stefan Pfeiffer produktiv werden. Seine künstlerische Reaktion auf den Ganzkörperscanner ist jetzt in Weißenohe zu bewundern.

Oder auch die Guckkasten-Installation des Stuttgarter Künstlers Peter Schmitt. Er verdeutlicht, dass es nahezu unmöglich ist, sich der Kontrolle zu entziehen. Die Durchleuchtungs- und Überwachungstechniken setzen schon vor der Geburt mit dem Ultraschall oder dem Wehenschreiber ein; und sie begleiten die Menschen dann in Varianten lebenslänglich.

Einsichten in eigene Person

Rund 1000 Besucher kommen jährlich nach Weißenohe. Der Kunstraum versteht sich als Ort der Aufklärung, aber auch als Galerie, in der Kunstwerke erworben werden können. Heuer warten die Veranstalter zum dritten Mal mit einem sogenannten Einsichten-Thema auf. "Es geht um Einsichten in die eigene Person und um Einsichten in öffentliche Strukturen", erklärt Lutz Krutein. Der Fokus der Kunstwerke liege auf dem Phänomen "Datenkontrolle".

Eine "feste Einrichtung" sei der Kunstraum Weißenohe in der Metropolregion geworden, freut sich der Ausstellungsleiter. Die Gäste kämen gleichermaßen aus der näheren Umgebung wie aus dem Großraum Nürnberg: "Das Interesse ist enorm."

Die Art und Weise, zeitgenössische Kunst zu präsentieren, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert, sagt Lutz Krutein. Dass Alltagsgegenstände in die Ausstellungen eingearbeitet und aktuelle Themen aufbereitet werden - das spreche die Menschen an: "Die meisten Besucher gehen offen rein und stellen auch Fragen", beobachtet Lutz Krutein. Etwa die Frage: "Welche Rechte hat der Staat, im privaten Leben seiner Bewohner rumzuschnüffeln?"

Gleich am Eingang ist eine Installation des Nürnberger Künstlers Jonas Johnke zu sehen. Lutz Krutein weist bei seinen Führungen besonders gerne auf diese Installation hin. Da stehen zwei Maschinen und zwei Becken. In das eine Becken regnet es Mais, in das andere Becken rieselt Mohn. Die Becken mit dem hellen Mais und dem dunklen Mohn leeren sich immer wieder und werden dann von neuem gefüllt - zwei untergründige Kreisläufe, ein heller und ein dunkler. Sie fordern den Besucher zum Nachdenken auf: Inwieweit sind diese Kreisläufe zu kontrollieren? Oder liegen sie out of control?

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