Forchheim
Äußere Leite

Kritik am Baywa-Umzug in Forchheim: Aussicht auf Walberla getrübt?

Die Umsiedlung der Baywa an den Kersbacher Kreisel nimmt Gestalt an, nun soll die Öffentlichkeit beteiligt werden. Doch die Höhe der Silos und eine öffentliche Tankstelle sorgen für Unmut.
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Wo jetzt noch der Blick nach Sigritzau bis zum Walberla reicht, will sich die Baywa ansiedeln. Foto: Franziska Rieger
Wo jetzt noch der Blick nach Sigritzau bis zum Walberla reicht, will sich die Baywa ansiedeln. Foto: Franziska Rieger
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In der Juni-Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses waren sich die Räte noch einig: Die Umsiedlung der Baywa in den Forchheimer Süden, an ein Areal am Kersbacher Kreisel im Bereich "Äußere Leite", bekommt grünes Licht.

Vorbehalte einiger Stadträte gegen die Pläne

Doch beim Blick auf den Vorentwurf des Bebauungsplanes "Äußere Leite" scheint das nicht mehr so eindeutig: Bis zu 28 Meter hohe Silos sind im Osten des Areals geplant, dazu soll in der Nähe des Kreisverkehrs eine öffentliche Tankstelle entstehen. Pläne, die nicht nur bei den Stadträten auf Unmut stoßen.

René Franz, Leiter des Forchheimer Bauamtes, betont deshalb: Trinkwasser-, Hochwasser-, oder Landschaftsschutzgebiet - all das sei die Fläche, auf der die Baywa bauen will, nicht. Dafür sei es als "landschaftliches Vorbehaltsgebiet" mit Ö-1-Status ausgewiesen. Soll heißen: Auf Belange des Naturschutzes muss dort besonders geachtet werden. Großflächige Planungen müssten besonders abgewogen werden.

Kein Baumarkt

"Das heißt aber nicht, dass man dort nicht bauen kann", betont Franz. Um den Einzelhandel in der Innenstadt nicht zu schwächen, sei es außerdem wichtig, dass kein Baywa-Baumarkt auf die Fläche kommt.

"Das ist natürlich ein Thema, das die Menschen zu Recht bewegt", sagt Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Unter sechs verschiedenen Varianten habe die Verwaltung die "Äußere Leite" als beste abgewogen. Um das Vorhaben realisieren zu können, sei es nun wichtig, die Öffentlichkeit und die "Träger öffentlicher Belange" zu beteiligen.

Stadträte mahnen vor einer Bebauung des Wiesenttales

Schon in der Juni-Sitzung mahnten einige Räte, das Wiesenttal nicht noch weiter zu bebauen. Daran will auch die Forchheimer Grüne Liste (FGL) festhalten. Die Flächen seien im Landschaftsplan der Stadt Forchheim als ökologisch wertvoller Bereich "Unteres Wiesenttal" ausgewiesen, der von Bebauung frei zu halten sei, schreibt Annette Prechtel (FGL) in einer Mitteilung. Die Aussagen des Landschaftsplanes seien eindeutig. Lage und Größe des neuen Gebietes würden nahelegen, dass hier der Einstieg in eine weitere Bebauung des Wiesenttales vorbereitet wird. Ihre FGL-Kollegin Edith Fießer verweist im Planungs- und Umweltausschuss auf dort brütende Vögel und die Trinkwasserversorgung, die durch den Bau gefährdet sein könnten. Sie fordert deshalb eine Beteiligung des Umweltbeirates.

Meterhohe Silos passen nicht ins Blickfeld

Dass 28 Meter hohe Silos nicht in das idyllische Blickfeld Richtung Walberla passen, war der Tenor bei vielen Räten. "Wir reden hier von Sigritzau, einem wunderschönen, idyllischen Ort", sagt Manfred Hümmer (FW). Das Gewerbegebiet gegenüber sei auch nur zwölf bis 16 Meter hoch. Silos von 28 Meter Höhe halte er deshalb nicht für angemessen. Eine öffentliche Tankstelle werde zudem noch mehr Verkehr verursachen, schon jetzt schlängeln sich zu Stoßzeiten die Autos am Kreisverkehr. Die "Angstkeule Trinkwasser" will er aber nicht als Argument gegen die Bebauung gelten lassen.

Die Höhe der Silos sieht auch Reiner Büttner (SPD) kritisch. Jedoch: Wenn Siemens in Forchheim bauen kann, sei das ein Vorteil. "Es ist wichtig, dass wir Produktionsgewerbe ermöglichen", sagt er.

Guter Standort für die Bauern

Der neue Standort sei außerdem gut für Landwirte aus der Fränkischen Schweiz und aus der westlichen Region, betont Holger Lehnard (CSU). Dass die öffentliche Tankstelle und die Höhe nicht akzeptabel sind, darin ist er sich mit seinem Parteikollen Udo Schönfelder (CSU) einig. Der fürchtet: Durch die "Twin-Towers der Baywa" würde man kein Walberla mehr sehen.

"Bei der Höhenentwicklung werden wir in die Diskussion gehen", sagt Oberbürgermeister Kirschstein. Mit zwei Gegenstimmen (FGL) stimmten die Räte für den Vorentwurf des Bebauungsplanes unter dem Zusatz, dass eine öffentliche Tankstelle ausgeschlossen wird und die Höhe der Silos reduziert wird. Die Verwaltung soll eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und die Trägerbeteiligung durchführen.

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