Neunkirchen am Brand

Krippenweg Neunkirchen am Brand: "Jede Figur hat eine Aufgabe"

Für die Krippenausstellung in Neunkirchen, Hetzles und Großenbuch haben Privatleuten viele einzigartige Krippen angefertigt.
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Die Krippen des Krippenweges wurden alle detailgetreu von Privatpersonen zusammengestellt. Foto: Petra Malbrich
Die Krippen des Krippenweges wurden alle detailgetreu von Privatpersonen zusammengestellt. Foto: Petra Malbrich
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Die Krippe macht das Weihnachtsfest aus. Auch wenn die Krippen der Krippenausstellung in Neunkirchen am Brand, Großenbuch und Hetzles nicht unter dem Christbaum stehen, so sind es gerade diese individuell gestalteten Krippen von Privatleuten, die den Betrachter staunen lassen. Sie alle sind ein Unikat, zeigen Momentaufnahmen des damaligen Lebens in unterschiedlichen Orten und haben trotz aller Unterschiedlichkeiten eins gemeinsam: Sie wurden bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet.

"Jede Figur hat eine Aufgabe", erklärt Raimund Lodes. 700 Figuren hat er deshalb in der Landschaft Leben eingehaucht. Seine Krippe darf wohl zum besonderen Hingucker der Krippenausstellung gezählt werden. Die Häuser sind zu 80 Prozent Nachbildungen der Neunkirchner Häuser. 15 Quadratmeter misst die Landschaft. Bereits an Allerheiligen haben er und seine Frau angefangen, diese Siedlung im Wohnzimmer aufzubauen.

Ein Zentrum gibt es nicht, jeder Quadratmeter bildet einen eigenen Mittelpunkt. Die Felsenlandschaft ist aus fränkischen Kalktuffsteinen gebaut. In der kleinen Felsnische sind Wölfe angesiedelt. Am Fuß der Landschaft besticht die alltägliche Idylle. Zwei Angler am Bach, zwei streunende Hunde, die von einem hoppelnden Hasen zum Ungehorsam gelockt wurden. In der rechten Ecke ist das Dorfleben gestaltet. Die Straßen waren nicht geteert, ein Mann hackt Holz, die Felder werden beackert.

Glockenläuten und Musik

Über der Kulisse baumeln Christbaumkugeln, die teils über 100 Jahre alt sind, und bilden einen eigenen Blickfang. Auf dem am Fensterbrett gelegenen Weg zieht Herodes mit seinen Männern vorbei, weiter vorne ist der Zug der Drei Könige. Und am Rand steht ein ausrangierter Eisenbahnwagon, der sogar Rauch ausstößt, wenn Lodes das an seinem Mischpult auslöst, wahlweise auch Glockenläuten und Musik.

Hintergründe zu den Krippen

Auch andere Krippen sind in Privathäusern aufgebaut. Auf einem Flyer kann der Besucher sehen, in welchen Häusern die Krippen zu finden sind. Das Zentrum der Ausstellung ist wohl die Katharinenkapelle in Neunkirchen. "Die Krippenbauer dürfen Fantasie haben, in welchem Haus Jesus geboren ist", erklärt Heimatpfleger Ernst Wölfel. Zusammen mit Gerhard Knetzger und Franz Zettel erklärt er den Besuchern des Krippenwegs Hintergründe zu den einzelnen Landschaften.

Etliche der Krippen wurden von Privatleuten zur Verfügung gestellt und von Wölfel in der Kapelle aufgebaut und detailgetreu in Szene gesetzt. Auch eigene Krippen hat Wölfel gebaut, beispielsweise die morgenländische Krippe. Die Figuren hat er in Spanien entdeckt, am Weihnachtsmarkt vor der Sagrada Familia, und dementsprechend das passende Umfeld geschaffen.

Eine andere Art der Krippe ist die des Dormitzers Thomas Meixner. Seine Häuser sind mit stehenden Stöcken verziert, stellen beispielsweise am Balkon eine Art Stelzenbau dar. Der inzwischen pensionierte Lehrer der Mittelschule, Horst Beck, hat mit seinen Schülern die Krippe daneben hergestellt. Alles wurde selbst gefertigt, angefangen beim typischen Fachwerkhaus. Auch die Schafe und andere Tiere haben sie selbst modelliert, das Fell der Kuh gefilzt. In einer anderen Forster-Krippe besticht der Hochzeitszug in Neunkirchner Tracht, der am Rathaus vorbeizieht.

Auch Gerhard Knetzgers Krippe ist eine Augenweide. Wie eine runde Wurzel, die eine wohlige Höhlenatmosphäre erzeugt, sind Treibhölzer angeordnet. Dort ist der Geburtsort des Herrn. Und Hobbyschnitzer Franz Zettel hat Jesu Geburt in Lindenholz festgehalten.

Fränkische Fachwerkgebäude, bayerische oder alpenländische Krippen - es gibt fast nichts, was in der Krippenausstellung nicht zu sehen ist. Nur eins bereitet dem Heimatpfleger und Organisator des Krippenwegs Sorgen: Der Keller, in dem die Krippen übersommern. "Die Keller ist feucht. Einige Dächer sind gewellt", benennt Wölfel zwei der entstandenen Schäden. Die Drainage müsste aufgegraben und isoliert werden. Ein Ersatzlager werde deshalb gesucht. Bliebe noch die Sache mit dem Moos zu klären. "Moos ist geschützt und darf nicht geholt werden", erklärt Wölfel.

Bislang sei der Jäger im Wald dabei gewesen und hat den Krippenbauern Stellen zugewiesen. Das allerdings habe der Förster beanstandet. Heuer war somit die letzte Gelegenheit für echtes Moos. Aber auch dafür werden die Neunkirchner eine Lösung finden.

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