Dormitz
Rettungswesen

Kreis Forchheim: Wenn wegen eines Schnupfens der Notruf blockiert wird

Was ist in einem Notfall zu tun und welche Fehler werden häufig gemacht? Matthias Fuchs von den First Respondern Dormitz klärt auf.
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Eine Notfallübung in Dormitz Foto: Matthias Fuchs
Eine Notfallübung in Dormitz Foto: Matthias Fuchs
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"Bis der Rettungswagen vor Ort ist, sind wir da und helfen", erklärt Matthias Fuchs, First Responder bei der Freiwilligen Feuerwehr Dormitz. Der Begriff "First Responder" kommt aus dem Englischen und kann übersetzt werden mit "erste Antwort" oder auch "der zuerst Eintreffende". Hier soll die Zeit zwischen dem Geschehen eines Notfalls über den Notruf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückt werden. "Wir leisten Erste Hilfe, bis der Notarzt kommt. Zurzeit sind wir täglich im Einsatz", berichtet Fuchs und ist ein wenig stolz, denn er konnte mittlerweile bereits sieben Menschen das Leben retten. Seit 2012 gibt es in Dormitz First Responder. Früher arbeitete Matthias Fuchs in der Rettungsleitzentrale in Nürnberg. Deshalb weiß er auch, wie wichtig es ist, dass im Notfall schnell Hilfe geleistet wird. Denn hier zählt jede Minute.

Nur bei akuten Notfällen

Deshalb ärgert er sich auch, wenn Menschen wegen Kleinigkeiten die 112 wählen. "Hier bitte nur bei akuten Notfällen anrufen. Bei Problemen, mit denen man auch zum Hausarzt gehen würde, ruft man die 116117 an, den ärztlichen Notdienst", sagt der Ersthelfer. Er erzählt von Anrufen, bei denen Leute Husten oder Schnupfen hatten, eine Glühbirne ausgewechselt werden sollte oder die Sicherung durchgebrannt war. "Da werden dann die Leitung oder der Rettungsdienst blockiert und man kommt zu spät zu einem echten Notfall", gibt Fuchs zu bedenken. 112 ist die europaweite Notrufnummer für den Rettungsdienst und die Feuerwehr. Hier sollte man nur in einer akuten und lebensbedrohlichen Situation anrufen. "Die 110 wählt man zum Beispiel bei einem Überfall oder Diebstahl", erklärt Fuchs.

Nummern am Telefon

Er empfiehlt, die Notrufnummern am Telefon zu haben. Denn in einer Notsituation sei man erst in einem Schockzustand und dann könne es sein, dass einem die Nummer nicht mehr einfalle. Hier hatte Fuchs den Fall, dass ein älterer Mann statt des Notrufs die Nummer des Neffen gewählt hat. Durch diese Verzögerung verging wertvolle Zeit bis zur Hilfe. "Man sollte beim Anruf versuchen ruhig zu bleiben und beschreiben, was passiert ist und wo es geschehen ist. Damit kann der Disponent am Telefon schon viel erkennen", erläutert der Ersthelfer. Er empfiehlt, dass man gerade als Senior seine Medikamentenpläne bereithält, Entlassungsberichte vom Krankenhaus oder eine Notfallmappe, damit sich der Ersthelfer gleich ein Bild machen kann. "Ich kam zu einer alten Dame, die wusste in der Aufregung einfach nicht mehr, was sie hat. Und die Unterlagen hatte der Sohn", berichtet Matthias Fuchs.

Tastatursperre an

Weiter bittet er darum, dass man bei Handys die Tastatur sperren soll, denn in der Leitstelle in Nürnberg gingen täglich fünf unabsichtliche Anrufe ein. "Da müssen wir erst reinhören, ob es sich nicht doch um einen Notfall handelt, denn es könnte ja jemand mit einem Schlaganfall sein, der nicht mehr sprechen kann", klärt Fuchs auf. Er weist auf noch ein Problem hin, das es in der Fränkischen Schweiz gibt: Ortschaften ohne Straßennamen. Und für Rettungsdienste noch schwieriger wird es, wenn in diesen Orten die Hausnummern nicht der Reihe nach angeordnet sind.

Von der Leitstelle

Von der Leitstelle werden die Daten an das Navigationssystem des First Responders gesendet. "Dann stehen wir manchmal mitten in einem Ort und finden die Hausnummer nicht. Das ist besonders nachts schwierig", weiß Fuchs. Er empfiehlt, dass die Anrufer Licht am Haus machen und - wenn möglich - sich jemand an die Straße stellt. "Es ist auch gut, wenn man beim Notruf darauf hinweist, wie das Haus zu finden ist", sagt er und empfiehlt fitten Senioren, unbedingt einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen, um im Notfall etwas unternehmen zu können. "Ich wurde zum Beispiel zu einem Notfall in einem Friedhof gerufen. Da war zum Glück eine alte Dame da, die dem Zusammengebrochenen schon auf der Brust herumgedrückt hat. Der hat überlebt", blickt Fuchs zurück. Er meint: "Man weiß ja nie, wann man das mal braucht."

Notfall-Informationen

Die Nummer 116117 wird zum Beispiel in folgenden Fällen gewählt (immer wenn man damit auch zum Hausarzt gehen würde):

• Husten, Schnupfen, Heiserkeit

• Hautirritationen, Windpocken

• Ohrenentzündung, Mittelohrentzündung

• Blasenentzündung, Harnwegsinfekt

• Magen-Darm-Infekt, Brechdurchfall

• Fremdkörper im Auge

• Zeckenbiss

• Bänderriss, Bänderdehnung

• Hexenschuss

• Schwindel, Migräne

• Überzuckerung, Unterzuckerung

Die Nummer 112 wird zum Beispiel in folgenden lebensbedrohlichen Fällen gewählt:

• Herzinfarkt, Schlaganfall

• Stark blutende Wunden

• Anaphylaktischer Schock (allergische Reaktion zum Beispiel bei Insektenstichen)

• Vergiftungen

• Schwere Störungen des Atmungssystem

• Sturz aus großer Höhe

• Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung

• Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen

• Unfall mit abgetrenntem Körperteil

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