Neunkirchen am Brand

Vandalen auf oberfränkischem Friedhof: Stammen die Täter aus dem Tierreich?

In Neunkirchen am Brand sind im Dezember Gräber geschändet worden. Ähnliche Probleme aus Augsburg führten zu einem neuen Verdacht - doch die Polizei Forchheim hat eine andere Vermutung.
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Der Neue Friedhof in Neunkirchen am Brand Foto: Petra Malbrich
Der Neue Friedhof in Neunkirchen am Brand Foto: Petra Malbrich

Es war nicht zum ersten Mal, dass in Neunkirchen am Brand Gräber geschändet wurden. Vom 6. auf den 7. Dezember 2019 wurden elf Grabstätten wüst beschädigt. "Das war auf dem Alten Friedhof, die erste Reihe rechts", erinnert sich Bürgermeister Heinz Richter (FW). Nicht nur die Grablichter wurden vom Platz getreten, auch der Grabschmuck wurde massiv beschädigt. Von den Tätern fehlt noch jede Spur.

Auch in Augsburg gab es unlängst Probleme mit Verwüstungen auf dem Friedhof. Die Blumen waren ausgerupft und wahllos beiseite geworfen, Grablichter rollten über den Boden. Dort wurden Krähen als Verursacher dingfest gemacht. Die Lichter aus pflanzlichen und tierischen Fetten mundeten ihnen sehr.

Könnten Krähen die Täter sein?

Könnten Krähen auch in Neunkirchen am Werk gewesen sein? Helmut Schmitt, Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim im Landesbund für Vogelschutz (LBV), glaubt das nicht, dazu komme es zu selten vor. Grundsätzlich wäre es jedoch möglich. Zu den Rabenkrähen, die im Sommer im Kreis Forchheim leben, sind in der kalten Jahreszeit durchaus auch Saatkrähen zum Überwintern hier anzutreffen.

Schmitt erklärt: "Krähen, egal ob Rabenkrähen oder Saatkrähen, Wintergäste oder Brutvögel, sind sehr intelligent, neugierig und verspielt. Die Krähen nehmen einfach alles genau unter die Lupe und reißen dabei eben auch mal Blumen und Grablichter heraus. Jetzt im Winter, wenn sie nicht mit dem Brutgeschäft beschäftigt sind und in den Städten sicher auch Nahrung reichlich vorhanden ist, haben die Krähen auch Zeit, ihren Erkundungs- und Spieltrieb auszuleben.

Und bunte Blumen auf den Gräbern, die es sonst im Winter ja nicht gibt, und die glitzernden Grablichter scheinen für die Krähen einfach besonders interessant zu sein. Schmitt ergänzt, dass auch ein Eichelhäher sein Winterlager in einem lockeren Grabhügel verstecken könnte. "Wenn Wildschweine in den Friedhof kommen und dieses Winterlager entdecken, dann wird das nicht mehr zu übersehen sein", nennt Schmitt die theoretisch möglichen Varianten. Theoretisch, weil die Krähen hier eben nicht als Täter in Frage kommen.

Polizei geht von menschlichen Tätern aus

Zwar meldete die Friedhofsverwaltung in Forchheim vor Jahren Probleme mit Krähen, allerdings nicht durch Verwüstungen dieser Art, sondern durch Verschmutzung mit Kot. Davon war in Neunkirchen nicht die Rede.

Angesichts der Art der Verwüstungen und des entstandenen Schadens, zu dem auch die massive Beschädigung des Grabschmucks gehört, kann die Polizeiinspektion Forchheim die intelligenten Vögel als Täter ausschließen. "Eine Krähe tut sich schwer", erklärt Robert Schaffranietz, Leiter der Polizeiinspektion Forchheim. Ähnlicher Vandalismus auf einem Friedhof passierte bereits 2004, als in Eggolsheim am 22. Oktober 43 Gräber geschändet wurden. Neben den Verwüstungen wurde die Tür beschmiert und beschädigt. In Eggolsheim handelte es sich nicht nur um eine Sachbeschädigung, sondern auch um Beleidigung der Toten. Allerdings konnten die Täter dort schnell ausgemacht werden. "Es handelte sich um Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren, die sich am Ausgang einer Kerwa an den Gräbern zu schaffen machten", erklärt Schaffranietz.

Eine andere traurige Bilanz in Neunkirchen zeigt in dieselbe Richtung. "In Neunkirchen am Brand häufen sich die Sachbeschädigungen, die wir Jugendlichen zuordnen", erklärt Schaffranietz. Ein Jugendkontaktbeamter ist deshalb in Neunkirchen bereits eingesetzt. Die als Totenvögel bezeichneten Krähen sind unschuldig. Anders als in anderen Landkreisen sind hier eindeutig andere Täter am Werk.

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