Pretzfeld
Nachruf

Kreis Forchheim: Trauer um Pretzfelder Altbürgermeister Franz Och

Der Pretzfelder Altbürgermeister und Ehrenbürger Franz Och ist am Montag verstorben. Er hinterlässt eine große Lücke in seiner Familie.
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Franz Och † Foto: Josef Hofbauer
Franz Och † Foto: Josef Hofbauer

Mit einer Schweigeminute gedachten die Pretzfelder Marktgemeinderäte am Dienstag zu Beginn ihrer Sitzung dem am Montag verstorbenen Altbürgermeister und Pretzfelder und Bretzfelder Ehrenbürger Franz Och.

Der "Rohners-Franz", so sein Pretzfelder Hausname, war Anfang September 89 Jahre alt geworden und hinterlässt in seiner Familie eine große Lücke. "Während seiner Hauptzeit war er für uns wenig greifbar. Aber trotz allem war ihm seine Familie immer sehr wichtig", erzählte sein Sohn Johannes Och.

Christliche Werte

Seit Juli 1956 war Franz Och mit seiner Gunda verheiratet. Sie haben vier Kinder und neun Enkel. Franz Och war in Pretzfeld geboren und in einer Kleinlandwirtschaft aufgewachsen. "Christliche Werte und seine Heimat und seine Wurzeln waren ihm wichtig", verriet Johannes Och und erzählte, dass sein Vater beklagte, dass sich das Dorf Pretzfeld und auch die Menschen sehr veränderten. "Er fand es schade, dass so alte gemeinschaftliche Traditionen nicht mehr wichtig sind", sagte Johannes Och. Er gab als Beispiel an, dass die Menschen nicht mehr zu Hause sterben könnten oder dass nicht mehr daheim gemeinsam für Verstorbene gebetet werde.

Der Dienst für die Gemeinschaft war ein wichtiges Thema im Leben von Franz Och. Er hatte wohl die elterliche Landwirtschaft fortgeführt, hatte aber auch im eigenen Wohnzimmer quasi den Grundstein für die Pretzfelder Raiffeisenbank gelegt. Für zehn Mark Monatslohn führte er von daheim aus die Kasse der Bank und machte sie groß. Es ging ihm dabei um Genossenschaft und um bäuerliche Selbsthilfe.

"Der Krieg hat ihn gezeichnet. Deshalb wollte er immer, dass so etwas nie mehr passieren soll", erzählte Johannes Och. Deshalb sei ihm Europa auch ein wichtiges Anliegen gewesen. Und auch hier wieder der Gemeinschaftsgedanke: gemeinsam etwas erreichen, füreinander da sein, gemeinsam Schlimmes verhindern.

In der Europa-Union

1957 trat Franz Och der überparteilichen Europa-Union bei und war einer der zwölf Mitbegründer des 1976 gegründeten Kreisverbands Forchheim-Fränkische Schweiz. Ab 1956 war er im Gemeinderat tätig und drei Perioden lang als Bürgermeister im Amt.

In dieser Zeit erhielt er auch ein Schreiben von einem ihm unbekannten Bürgermeister wegen einer versehentlichen Lieferung nach Bretzfeld in Baden-Württemberg, woraus die noch heute gepflegte Partnerschaft Pretzfeld - Bretzfeld entstand.

Franz Och erhielt viele Ehrungen für sein kommunales Engagement, unter anderem das Bundesverdienstkreuz. "1984 ist er dann als Bürgermeister abgetreten und ist dann hauptsächlich seiner Leidenschaft, dem Schreiben, nachgegangen", erzählte Johannes Och.

Ortschronist

Sein Vater war als Ortschronist, Autor und Journalist tätig. In seinem Werk "Franz Och - Stationen" beschreibt er dann auch, dass seine Motivation für sein Engagement sein Glaube und die damit verbundenen Werte waren - und dass er immer seiner Heimat und sich selbst treu bleiben wollte.

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