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Naturschutz

Kreis Forchheim: Streit um Kanufahren auf der Wiesent - das steckt dahinter

Fahren oder nicht Fahren? Das war die Frage, die das Verwaltungsgericht nun geklärt hat: Ein Teil der Wiesent ist für Kanuverleiher gesperrt. Hinter dieser Entscheidung stehen viele Meinungen, Erklärungen und rechtliche Kniffe.
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Kanufahren auf der Wiesent ist beliebt. Das Verwaltungsgericht Bayreuth hat eine Teilstrecke gesperrt.Foto: Ronald Heck/Archiv
Kanufahren auf der Wiesent ist beliebt. Das Verwaltungsgericht Bayreuth hat eine Teilstrecke gesperrt.Foto: Ronald Heck/Archiv

Es ist amtlich! Das Verwaltungsgericht Bayreuth hat entschieden, eine Teilstrecke bis zum 15. Juni für den Kanuverleih auf der Wiesent zu sperren. Grund dafür ist das Fehlen einer geeigneten Prüfung, ob sich die Nutzung des Gewässers mit der Umwelt verträgt.

Zwischen den Einstiegsstellen Muggendorf und Ebermannstadt dürfen ab dem 1. Juni keine Boote von Kanuverleihern fahren. "Auf der Wiesent sollten die Fahrten erst ab dem 15. Juni erlaubt sein, damit der Eisvogel die erste Brut ungestört erledigen kann", erklärt Ulrich Buchholz, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Forchheim. "Da nach derzeitiger Erkenntnis nicht ausgeschlossen werden kann, dass Vögel durch den gewerblichen Bootsverkehr gestört werden", sperrt das Verwaltungsgericht die Teilstrecke.

Kanuverleih an der Wiesent

Betroffen sind davon drei Kanuverleihbetriebe, die private Nutzung sei weiterhin erlaubt. "Das hat enorme Konsequenzen für uns, wenn rund ein Drittel gesperrt wird", sagt der Betreiber des Kajak Mietserviece auf der Wiesent, René Busch.

Gerade vor den langen Wochenenden und den Pfingstferien haben "viele Besucher schon langfristig gebucht. Die müssen wir nun alle kontaktieren".

Dass die Kanuverleiher bis zum 1. Juni arbeiten durften, echauffierte die Verantwortlichen des BN. Ulrich Buchholz wirft dem Landratsamt vor, "kommerzielle Interessen dem Allgemeinwohl vorzuziehen". In einer Stellungnahme des Landratsamtes heißt es, dass die Schifffahrtsgenehmigung allerdings bereits im letzten Jahr für die Jahre 2018 bis 2020 erteilt wurde.

Diese hätte nach Meinung der Umweltschützer allerdings nie ausgestellt werden dürfen. Dazu sei eine Verträglichkeitsprüfung notwendig, die bis heute nicht existiere. "Das Landratsamt hat diese Prüfung versäumt", sagt Tom Konopka, BN Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken.

In der Pressemitteilung des Landratsamts heißt es, dass gemeinsam mit der Fischereifachberatung im letzten Jahr Untersuchungen zur Verträglichkeit des Kanufahrens in Auftrag gegeben wurden: "Externe Fachbüros erstellen die Gutachten. Dies nimmt entsprechend Zeit in Anspruch. Auf Basis der Gutachten soll ein entsprechendes neues Nutzungskonzept ausgearbeitet werden."

Eisvogel an der Wiesent im Kreis Forchheim

Die Eisvögel stehen im Fokus der Naturschützer, wie Ulrich Buchholz sagt, "die Eisvögel verkörpern den Lebensraum. Das ist schützenswert." Bei falschem Verhalten der Kanufahrer "ist er tot", ergänzt Buchholz.

Diesen Vorwurf weist Kanubetreiber Busch zurück. "Der Eisvogel lebt seit über 30 Jahren auf der Wiesent und tut es immer noch." Selbst mit den Bootsfahrern gebe es immer noch den Eisvogel auf diesem Streckenabschnitt, betont Busch.

Außerdem würden alle Kanufahrer gründlich belehrt: Strecken, Natur und Boot stehen auf dem Plan. Dazu werde darauf geachtet, keine Glasflaschen, keine Musikboxen und keinen Alkohol mit auf das Boot zu nehmen.

Wie sich die Besucher auf der Wiesent verhalten, "prüfen wir, wenn wir auch auf der Strecke entlang fahren", erläutert Busch.

Der Umweltschutz werde ansonsten durch die Vorschriften in der Schifffahrtsverordnung geregelt: Fahrzeiten von Mai bis September, zwischen 9 und 18 Uhr, Anzahl der Schiffe und viele weitere Regelungen sind dort festgehalten, beschreibt Busch.

Diese Regelungen genügen den Naturschützern jedoch nicht, "weil sie nicht kontrolliert werden", mahnt Buchholz. Dem widerspricht das Landratsamt: "Das Landratsamt kontrolliert, ob die Auflagen und Einschränkungen eingehalten werden."

All diese Auflagen nützen jedoch wenig, wenn die Kanufahrer das Boot nicht beherrschen, sagt Herbert Körber vom Bayerischen Kanuverband. "Die fahren rechts und links ans Ufer und bekommen nur gezeigt, wie man das Paddel hält."

Natürlich gebe es mal Boote, die umkippen, sagt Busch, "aber wir haben Anfängerboote, die leicht lenkbar sind". Vorher werde in ruhigem Gewässer das Lenken probiert - und die allermeisten können danach mit dem Kanu umgehen, erklärt Busch.

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