Neunkirchen am Brand
Tierschutz

Kreis Forchheim: Peta erstattet Anzeige wegen angemähtem Rehkitz

Ein Rehkitz wurde von einem Mähwerk bei Neunkirchen am Brand schwer verletzt. Nun hat die Tierschutzorganisation Peta Anzeige erstattet.
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Viele Rehkitze werden von Landwirten übersehen und werden dann wie im Kreis Forchheim schwer verletzt oder getötet. Peta hat nun gegen einen Landwirt Anzeige erstattet. Symbolfoto: BJV
Viele Rehkitze werden von Landwirten übersehen und werden dann wie im Kreis Forchheim schwer verletzt oder getötet. Peta hat nun gegen einen Landwirt Anzeige erstattet. Symbolfoto: BJV
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Die Tierschutzorganisation Peta hat bei der Staatsanwaltschaft Bamberg Strafanzeige gegen die Verantwortlichen erstattet. Der Vorwurf lautet: Verdacht des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen das Naturschutzgesetz und das Strafgesetzbuch. Das Rehkitz lag schwer verletzt bei seiner Mutter im Gras. Ein Landwirt hatte es beim Mähen seiner Wiese erwischt, aber das Unglück nicht bemerkt. Es war der Neunkirchener Polizeioberkommissar Christoph Reh, der das Kitz gefunden hat und den Landwirt informierte. Die Dienstpistole hatte Reh, der in seiner Freizeit unterwegs war, nicht dabei. Aber der Blick des Rehs verfolgt den Polizisten noch heute. Nun ist die Tierschutzorganisation Peta auf den Vorfall aufmerksam geworden und hat Anzeige erstattet. "Das macht ein Landwirt auch nicht gerne", beteuert Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Forchheim. Meist werde den Landwirten mangelnder Tierschutz vorgeworfen, doch mit einem solchen Vorfall schade sich ein Landwirt auch selbst, könne es dadurch zu Verlusten im eigenen Tierbestand führen. "Das tote Tier gelangt ungewollt ins Futter und verdirbt es. Die Kuh, ein Pflanzenfresser, frisst dieses verdorbene Futter", erklärt Nützel. Im schlimmsten Falle verende die Kuh. Schon alleine deshalb werde der Landwirt darauf achten, dass kein Kitz angemäht wird.

Drohnen zur Rettung

Vor allem zur Vorsorge mittels eines Drohnenflugs wird derzeit groß geworben, um solche Unfälle zu verhindern. Auch der Polizeioberkommissar, der die Tier- und Naturschutzfälle bearbeitet, beschäftigt sich mit dem Thema Kitzrettung - "seit der Handmahd mit der Sense", erklärt Reh. Denn seit gemäht wird, gibt es verletzte Rehkitze. Das Problem ist die Natur des Kitzes. "Bei Gefahr drückt sich das Tier auf den Boden", erklärt Reh. Seit die großen Maschinen über die Felder fahren, wurde das Leben im hohen geschützten Gras für die Rehkitze immer gefährlicher. Dass oft der Tierschutz hintenanstehe, da in immer kürzerer Zeit immer größere Flächen mit immer wuchtigeren Maschinen gemäht werden, sei der Eindruck, den die Bevölkerung habe.

Jäger im Revier

Und leider gebe es auch solche Landwirte, die so resolut seien, mit dem zehn Meter Spannweite erreichenden Mähwerk durch die Wiese zu fahren, weiß Hans Derbfuß, der als Jäger in seinem Revier regelmäßig zur Zeit der Mahd Wiesen durchsucht, aus Gesprächen mit anderen Kollegen. Und es gibt Jäger, die weiter weg in der Stadt wohnen und nicht extra aufs Land fahren, um Wiesen abzusuchen. Der Großteil der Landwirte jedoch rufe zuverlässig an und bitte den Jäger, Kitze zu suchen. "Es gibt keinen Arbeitsplatz, der so öffentlich beobachtet wird wie der des Landwirts", bestätigt Werner Nützel. Nicht nur deshalb sei der Landwirt darauf bedacht, korrekt zu handeln. "Der Landwirt ist auch gesetzlich in der Pflicht, Vorsorge zu treffen", betont Nützel. Eine Drohne einzusetzen, sei keine Pflicht. Zahlen, wie viele Kitze mehr dadurch gerettet wurden, gibt es nicht.

Vor der Mahd informieren

"Der Landwirt muss ein bis zwei Tage vor der Mahd den Jäger informieren", sagt Nützel. Des Jägers Hund würde durchaus die Rehgeiß aufspüren, und das Reh würde mit zwei Kitzen in den Wald ausweichen. Das dritte Kitz jedoch bleibe liegen. "Wenn der Landwirt dann mäht, kann es trotzdem passieren, dass ein Kitz erwischt wird", sagt Nützel. Auch das bestätigt Derbfuß. "Zudem besteht die Gefahr, dass die Kitze wieder in die Wiese laufen", erklärt Derbfuß. Manche Kollegen sperren die Kitze deshalb ein und lassen sie erst wieder frei, wenn gemäht worden ist. "Der Landwirt weiß von dieser Gefahr und achtet beim Mähen selbst noch darauf, ob Kitze versteckt sind", beteuert Derbfuß.

Auch für Hunde schwierig

Trotzdem lässt sich die Gefahr nicht hundertprozentig bannen. Auch für den Hund ist es schwierig, ein Kitz aufzuspüren, weil es nahezu geruchslos ist. Und Scheuchen aufzustellen, minimiert die Gefahr, mehr nicht. Mit diesen Maßnahmen jedoch ist der Landwirt seiner Verpflichtung und seiner Verantwortung nachgekommen.

Mäh-Knigge

Ein Mäh-Knigge wurde nun im Juni vom Landwirtschaftsministerium aktualisiert. Diesen hat auch Christoph Reh in der Hand und weiß, dass an dem Knigge europaweit Interesse besteht. Werner Nützel weiß auch den Grund dafür: In anderen Ländern Europas werde der Tierschutz nicht so ernst genommen. Trotzdem werden immer wieder Rehkitze von den messerscharfen Klingen der Mähwerke verletzt. "Das ist wie im Straßenverkehr. Es lässt sich nicht verhindern. Auch auf der Straße werden Hasen, Rehe und Igel überfahren oder verletzt liegen gelassen, trotz Warnschild", erklärt Nützel. Teils, weil die Fahrer zu schnell unterwegs sind, teils, weil sie alkoholisiert sind und eigentlich die Polizei informieren müssten. Außer den Rehen sind noch andere Tiere von den Mähmessern gefährdet: der Igel, bodenbrütende Vögel, Hasen und Füchse.

Die Tierschutzorganisation Peta hat kürzlich erst mit einer sehr krassen Aktion in vielen Großstädten für Aufsehen gesorgt: Mit Hunde-Attrappen auf dem Grill wollten sie auf die Ungleichbehandlung von Haus- und Nutztieren aufmerksam machen.

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