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Kriminalität

Kreis Forchheim: Neue Stufe der Kriminalität durch Wohnungseinbrüche am Tag

Am helllichten Tag ist in Hiltpoltstein eingebrochen worden. Die Bürger sind verunsichert. Für die örtliche Polizei sind Einbrüche tagsüber ungewohnt.
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Ein Mann demonstriert in einer polizeilichen Beratungsstelle, wie einfach es für einen Einbrecher wäre, mit Hilfe eines stabilen Schraubenziehers ein geschlossenes Fenster von außen zu öffnen. Foto: Frank Rumpenhorst, dpa
Ein Mann demonstriert in einer polizeilichen Beratungsstelle, wie einfach es für einen Einbrecher wäre, mit Hilfe eines stabilen Schraubenziehers ein geschlossenes Fenster von außen zu öffnen. Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

Es geschah am helllichten Tag. In ein Wohnhaus in Hiltpoltstein ist eingebrochen worden. Die Bürger sind besorgt. Die Ängste und Sorgen werden von der Polizei ernst genommen. Trotzdem ist dieser Einbruch etwas Neues für den Landkreis Forchheim und für die beiden Polizeiinspektionen Ebermannstadt und Forchheim. "Das ist der erste derartige Fall. Bisher gab es hier nur die Dämmerungseinbrüche", sagt Manfred Hänchen, Dienstellenleiter der Polizeiinspektion in Ebermannstadt. Auch die Forchheimer Polizei kennt Einbrüche zur Tageszeit bislang nicht und war auch von den typischen Dämmerungseinbrüchen nur wenig betroffen, wie Polizeihauptkommissarin Bianca Zapf erklärt.

Entdeckungsrisiko ist höher

In ganz Oberfranken kommen Wohnungseinbrüche zur Tageszeit durchaus vor, wenn auch seltener, weil das Entdeckungsrisiko für die Täter höher ist, wie Pressesprecherin Anne Höfer vom Polizeipräsidium berichtet. Gerade weil das Tageslicht in der Regel ein Schutzfaktor ist, verunsichert dieser Einbruch nicht nur in Hiltpoltstein die Bürger. Die Bewohner hatten das Haus für gerade einmal 45 Minuten verlassen. Oft würden die Anwesen vorher ausspioniert, informiert Höfer. Das vermutet auch Manfred Hänchen. Das Haus in Hiltpoltstein befand sich in einer Randlage, war kaum einsehbar. Möglicherweise geschehe das Ausspionieren durch Bettler, die derzeit wieder häufig unterwegs seien und an der Haustüre um Kleinigkeiten bitten. Und das vermuten auch die besorgten Bürger, die überlegen, wie sie sich am besten schützen können.

Gefahr mit Rollos

Die Rollos unten lassen, damit es die Einbrecher schwerer haben? "Auf keinen Fall. Geschlossene Rollos deuten darauf hin, dass niemand da ist", betont Hänchen. Am besten sei es, ein bewohntes Haus zu simulieren, was tagsüber natürlich nicht so einfach sei. "Die Leute sind berechtigt beunruhigt. Wir versuchen, mehr Präsenz zu zeigen", beteuert Hänchen. Er bittet zugleich um aktive Mithilfe. So sollen die Bürger Verdächtiges melden, wenn etwa Autos mit fremden Kennzeichen herumfahren. Hilfreich sei es, das Kennzeichen zu fotografieren, was mit dem Handy durchaus gut möglich ist.

Gaunerzinken

Bürger sollten auf jeden Fall die Polizei informieren, sobald Gaunerzinken gesehen werden. Davon ist derzeit auf Facebook zu lesen. Der Polizei Ebermannstadt ist in ihrem Zuständigkeitsbereich darüber bisher nichts bekannt. Die Bürger sollten aber lieber einen dieser Hinweise zu viel als zu wenig geben. Mit den anderen Inspektionen auch aus anderen Bezirken könnten dann diese Kennzeichen und Hinweise im Rahmen der Lagearbeit verglichen oder andere Gemeinsamkeiten überprüft werden, um Hinweise auf die Täter zu erhalten.

Häufig osteuropäische Gruppen

Die Einbrecher sind, das müsse so deutlich gesagt werden, häufig osteuropäische Gruppen, so verlautet es aus dem Präsidium Oberfranken. Die Bandenkriminalität sei gerade im Bereich Wohnungseinbruch groß. Doch mit aktuellen Hinweisen, nicht erst zwei Stunden oder noch später, könnte gleich eine Fahndung eingeleitet werden, wie das bei dem Einbruch in Hiltpoltstein der Fall war. "Zu dem verdächtigen weißen Auto gingen einzelne Hinweise ein, denen umgehend nachgegangen wird", bekräftigt die Polizeisprecherin. Die Ermittlungen des Fachkommissariats laufen.

Nähe zur Autobahn

Wenn Einbrüche zur Tageszeit verübt wurden, spielte oft auch die Nähe zur Autobahn eine Rolle. Mit der nach der Sanierung wieder freigegebenen Straße von Hiltpoltstein nach Schnaittach (Kreis Nürnberger Land) ist die Autobahn 9 nur einen Katzensprung entfernt. Allgemein betrachtet sind die Zahl der Einbrüche jedoch weniger geworden. Die aktuellen Zahlen lassen das erkennen, sind aber noch nicht freigegeben. Gründe für den Rückgang bei den Einbrüchen gibt es wohl mehrere. Die Polizei sei gerade wegen der Dämmerungseinbrüche mehr in die Orte gefahren.

Höhere Strafen

Doch auch die Gesetzesänderung sieht Manfred Hänchen als Grund. So ist die Erhöhung von Strafen angedroht worden. "Das könnte abgeschreckt haben", meint der Dienststellenleiter der Ebermannstadter Polizei. Und wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zum Einbruch gekommen ist? "Wichtig ist, die Nerven zu behalten, nichts anzufassen und sofort die Polizei zu informieren", betont Höfer, auch wenn man in seinem Haus, dem bisherigen Schutzbereich, beschädigte Dinge findet oder Sachen vermisst. Auf jeden Fall sollten es die Bürger den Einbrechern so schwer wie möglich machen, Hinweise sofort melden und im Ernstfall ruhig bleiben.

Die Oberfränkische Polizei rät

• Achten Sie auf Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück und sprechen Sie diese an.

• Notieren Sie sich Kennzeichen und Beschreibungen verdächtiger Autos und Personen.

• Informieren Sie bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei und auch ihre Nachbarn.

• Sorgen Sie dafür, dass in Mehrfamilienhäusern die Hauseingangs-, Keller- und Bodentüren stets verschlossen sind.

• Gekippte Fenster sind offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen. Auch wenn Sie Ihr Haus nur kurzzeitig verlassen, schließen Sie leicht zugänglich Fenster und ziehen Sie die Türe nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie diese immer zweifach ab.

• Rollläden sollten nur zur Nachtzeit geschlossen werden. Schließlich wollen Sie ja nicht schon auf den ersten Blick Ihre Abwesenheit signalisieren.

• Betreuen Sie die Wohnung länger abwesender Nachbarn, indem Sie zum Beispiel den Briefkasten leeren. Es geht darum einen bewohnten Eindruck zu erwecken.

• Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auf Ihrem Anrufbeantworter.

• Alarmieren Sie bei Gefahr und in Verdachtsfällen sofort die Polizei über Notruf 110.

Kriminalpolizeiliche Fachberater informieren

Neben den Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen setzt die oberfränkische Polizei vor allem auf die Präventionsarbeit. Über die vielfältigen Möglichkeiten zur Sicherung der eigenen vier Wände informieren kostenlos die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof. Verhaltenstipps werden im Zusammenwirken mit den Sicherungseinrichtungen verständlich erklärt und individuell auf die Bedürfnisse und Vorstellungen der Haus- und Wohnungsbesitzer abgestimmt. Denn je schwerer es den Tätern gemacht wird, desto eher rücken sie ohne Beute auch wieder ab. Beliebte Angriffsstellen sind vor allem Haus- und Wohnungstüren, Fenster und Terrassentüren.

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